Symbolbild: Blick in die Innenanlage einer Schule in Steyr, Oberösterreich (Others)

Die coronabedingten Lockdowns und die dadurch veranlassten Schulschließungen haben den Alltag vieler Kinder in Deutschland und anderen Ländern durcheinandergeworfen. Die reine Lernleistung der Schüler wurde durch den Heimunterricht offenbar jedoch weniger stark in Mitleidenschaft gezogen als vielfach befürchtet. Dies geht aus mehreren deutschen Studien hervor, auf die Christoph Helm, Bildungsforscher an der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz an der Donau, in einem Gespräch mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“ verweist.

Den Schülerinnen und Schülern sei es demnach besser gelungen, während des Lockdowns ihre Zeit für Hausaufgaben und Lernstoff zu nutzen als erwartet. Erste Leistungsstudien sprechen Helm zufolge von stabilen Lernergebnissen. Die befürchteten stark negativen Effekte auf den Lernerfolg seien ausgeblieben.

Konzentriertes, nicht abgelenktes Lernen zu Hause scheint demzufolge ein ähnlich hohes Erfolgspotenzial zu eröffnen wie Präsenzunterricht in der Schule. Dieses Phänomen lasse den Schluss zu, dass „die tatsächliche Lernzeit in der Schule nicht so hoch ist wie angenommen“. Soziale Beziehungen, soziales Lernen, die Notwendigkeit, einer Vielzahl an Schülern den gleichen Stoff in begrenzter Zeit zu erklären sowie administrative Belange gingen auf Kosten der reinen Lernzeit, so Helm.

In den USA, wo Heimunterricht seit jeher eine zugelassene Form der Beschulung darstellt, hatten bereits in der Vergangenheit Scholastic Aptitude Tests (SAT) gezeigt, dass Leistungen zu Hause beschulter Kinder bei standardisierten Tests häufig gleich gut oder sogar besser ausfielen als bei Kindern in öffentlichen Schulen. Heimunterricht schadet Kindern US-amerikanischen Untersuchungen zufolge nicht, sofern sichergestellt sei, dass die Pflege sozialer Beziehungen in ausreichendem Maße in der Freizeit ermöglicht würde.

Auf den Lernerfolg als solchen hat Heimunterricht offenbar auch im deutschen Sprachraum keinen erkennbaren negativen Effekt. Dies gilt, so Bildungsforscher Helm, auch dann, wenn dieser wie im Fall der Corona-Pandemie unfreiwillig erfolgt und mit psychischen Belastungen verbunden ist.

„Nur weil es einem schlecht geht, müssen nicht gleichzeitig die Leistungen schwinden“, so das Fazit des Forschers. Auch wenn dies widersprüchlich klinge, würden Belastungserleben und fehlende Motivation nicht besonders stark mit der Schülerleistung in Zusammenhang stehen.

TRT Deutsch