Symbolbild. Die britische Expertin und ehemalige Abgeordnete Lady Olga Maitland spricht sich für eine engere Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und der Türkei auf dem Gebiet der Cybersicherheit aus. (DPA)
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Die Türkei hat ihre Investitionen in die nationale Cybersicherheit zuletzt erheblich ausgeweitet. Nach Ansicht der Leiterin des in London ansässigen Defense and Security Forum (DSF), ​​Lady Olga Maitland, ist dieser Schritt wichtig. Zudem könnten die Türkei und Großbritannien in diesen Bestrebungen wichtige Verbündete sein, erklärt sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch. Cyberkriegsführung neue Realität - China besonders aggressiv „Überall auf der Welt erkennen die Länder jetzt, wie wichtig es ist, einen größeren Teil ihres Verteidigungsbudgets für den Cyberschutz aufzuwenden“, erklärte die ehemalige Abgeordnete Maitland. Das Vereinigte Königreich sei ein Beispiel dafür. London habe die Zahl seiner Soldaten von 83.000 auf 72.000 reduziert und die eingesparten Ressourcen in den Cyberschutz investiert. „Denn schließlich hat sich die Kriegsführung verändert. Es geht nicht nur um Aufstände. Es geht auch um Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen“, betonte sie. Die größte Gefahr gehe dabei von Peking aus. Die DSF-Leiterin wies auf die massiven Anstrengungen und die enorme Macht Chinas in diesem Bereich hin. Das Verhalten im Cyberraum bezeichnete sie als „digitalen Autoritarismus“. Diese Gefahr müssten die westlichen Staaten ernst nehmen. Pekings Fähigkeiten seien zwar immer noch nicht mit jenen der USA vergleichbar, aber das Land hole schnell auf. „Das ist ein neuer Faktor, den wir berücksichtigen müssen.“ Sie fügte hinzu, dass Russland ebenfalls ein wichtiger Akteur mit bedeutenden Fähigkeiten sei. Zwar besitze Moskau nicht „die gleiche Stärke und Kapazität wie Amerika, aber es zeigt eine totale Rücksichtslosigkeit". Solche Länder halte nichts zurück und dies mache andere Staaten verwundbar, fügte sie hinzu. Nach dem Brexit noch flexibler Angesichts dieser Entwicklungen sei es klug von Ankara, seine Kapazitäten im Bereich des Cyberschutzes auszubauen, insbesondere durch die Einrichtung eines eigenen nationalen Cybersicherheitszentrums. Auch in Bezug auf die türkischen Drohnen erklärte die DSF-Leiterin, dass Investitionen in Software und Cyberabwehr richtig seien. Ohne ein angemessenes Verteidigungssystem oder eine Software zum Schutz seien die unbemannten Flugzeuge nur von geringem Nutzen. „Deshalb denke ich, dass die türkische Regierung richtig gehandelt hat, als sie sich so sehr für die Verbesserung ihrer Fähigkeiten im Bereich der Cyber-Kriegsführung einsetzte“, so Maitland. Großbritannien sei bereit, sein Wissen und seine Kapazitäten seinen NATO-Kollegen und befreundeten Ländern zur Verfügung zu stellen, mit denen man „dieselben Werte“ teile. „Und die Türkei ist in dieser Hinsicht eindeutig wichtig“. Die Türkei dürfe als Partner auf keinen Fall alleine gelassen werden. Eine engere Zusammenarbeit biete sich nach dem Brexit in besonderer Weise an. Als Nicht-EU-Mitglied könne London nun flexiblere Geschäftsbeziehungen mit Ankara pflegen.

Hoher Respekt vor türkischen Streitkräften Sie wies auch darauf hin, dass die beiden Länder eine lange Geschichte der Zusammenarbeit haben. „Wir haben großen Respekt vor den türkischen Streitkräften, das war sogar schon während des Ersten Weltkriegs so. Wir erkennen den Mut der türkischen ‚Mehmetçik‘ an, die sich den englischen ‚Johnnies‘ entgegenstellten, obwohl wir auf verschiedenen Seiten standen.“ Diesen Respekt habe Großbritannien nie verloren. „Es gibt also heute ein gegenseitiges Interesse“, erklärte sie zusammenfassend und bekräftigte: „Die Türkei sollte ohne Zweifel der Verbündete des Vereinigten Königreichs im Bereich der Cybersicherheit sein.“

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