Nach dem fünften Verlustjahr in Folge hofft die Deutsche Bank dank ihres radikalen Konzernumbaus auf eine Trendwende. „Wenn wir weiter so konsequent, diszipliniert und engagiert voranschreiten wie in den vergangenen sechs Monaten, dann blicke ich sehr zuversichtlich auf 2020 - und darüber hinaus“, schrieb Vorstandschef Christian Sewing in einem Brief an die Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr riss der Konzernumbau allerdings tiefe Löcher in die Bilanz des größten deutschen Kreditinstitutes. Unter dem Strich stand ein Minus von rund 5,7 Milliarden Euro nach einem Verlust von 52 Millionen Euro ein Jahr zuvor, wie das Institut mitteilte. Experten hatten im Schnitt nach allen Aufwendungen mit einem den Aktionären zurechenbaren Verlust von etwas mehr als fünf Milliarden Euro gerechnet. Die Kosten für die Neuausrichtung - inklusive Abfindungen - machten sich ebenso bemerkbar wie die Einstellung des Aktienhandels. Zudem macht das Zinstief der gesamten Branche im ohnehin hart umkämpften deutschen Markt zu schaffen. Die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern sank auf 87 597, ein Rückgang um mehr als 4100 im Laufe des vergangenen Jahres. Der Umbau verlaufe in manchen Bereichen sogar besser als geplant, schrieb Sewing. „Wir kommen schneller voran als erwartet.“ Trotz der hohen Aufwendungen für den Umbau sei es der Bank gelungen, die Kapitalposition zu festigen. Dies sei darauf zurückzuführen, dass der Abbau von Altlasten und Risiken schneller vorangehe als gedacht. „Aufgrund des starken Kapitalpolsters von 13,6 Prozent sind wir sehr zuversichtlich, den Umbau mit unseren Mitteln stemmen und nun wieder wachsen zu können“, erklärte Sewing. Die Erträge gingen im vergangenen Jahr um acht Prozent auf 23,2 Milliarden Euro zurück, während die Kosten vor allem wegen der Milliardenaufwendungen im Zusammenhang mit dem Konzernumbau um sieben Prozent auf etwas mehr als 25 Milliarden Euro kletterten. Bereinigt um die Sondereffekte lagen die Kosten bei 21,5 Milliarden Euro und damit so hoch wie von Konzernchef Sewing angepeilt. Die Kernbank, die alle Bereiche außer der Abbaueinheit umfasst, erzielte 2019 einen Gewinn vor Steuern von 543 Millionen Euro. Bereinigt unter anderem um Umbaukosten und Wertberichtigungen waren es 2,8 Milliarden Euro. Sewing hatte Anfang Juli eine grundlegende Neuausrichtung des Instituts auf den Weg gebracht, das in diesem Jahr auf sein 150-jähriges Bestehen zurückblickt. Das Investmentbanking, das dem Geldhaus milliardenschwere Strafen einbrockte, wird kräftig gestutzt. Kern der neu ausgerichteten Deutschen Bank soll eine Unternehmensbank werden, die sich um Mittelständler, Familienunternehmen und multinationale Konzerne kümmert. Die Zahl der Vollzeitstellen im Konzern will der Vorstand bis Ende 2022 um rund 18 000 auf weltweit 74 000 verringern. Bislang hat die Bank nicht öffentlich gemacht, wie stark der Personalabbau einzelne Regionen oder Sparten betreffen wird. Einen prominenten Unterstützer hat die Bank für ihren Aufsichtsrat gewonnen: Der ehemalige SPD-Chef und Ex-Vize-Kanzler Sigmar Gabriel soll in das Kontrollgremium einziehen. Das Geschäftsjahr 2018 war ursprünglich das erste mit einem Überschuss seit 2014. Die Bank erklärte es aber auf Basis einer Neuberechnung nachträglich zu einem weiteren Verlustjahr. Weil die bisherigen Zahlen wegen der Neuaufstellung der Geschäftsbereiche nicht mehr mit künftigen Ergebnissen vergleichbar gewesen wären, hat die Deutsche Bank diese rückwirkend angepasst. Auf Basis dieser „Pro-Forma-Ergebnisse“ ergab sich inklusive Zinszahlungen für sogenannte Nachranganleihen für 2018 unterm Strich ein Verlust von 52 Millionen Euro. Ursprünglich hatte das Institut für das Jahr 2018 einen Gewinn von 267 Millionen Euro ausgewiesen.

DPA