Im Corona-Jahr 2020 hat sich der Trend zu überhöhten Immobilienpreisen vor allem in deutschen Großstädten nach Einschätzung der Bundesbank noch etwas verschärft. Es gebe Anzeichen dafür, dass „die markanten Preisübertreibungen auf den städtischen Wohnungsmärkten während der Coronavirus-Pandemie [...] etwas zunahmen“, warnte die Notenbank in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht Februar. „Aktuellen Schätzergebnissen zufolge lagen die Preise in den Städten nach wie vor zwischen 15 Prozent und 30 Prozent über dem Wert, der durch demografische und wirtschaftliche Fundamentalfaktoren angezeigt ist.“
Der breit angelegte, kräftige Preisauftrieb bei Wohnimmobilien in Deutschland setzte sich während der Coronavirus-Pandemie fort, wie die Bundesbank feststellte. „Dabei deutet sich an, dass die Regionen außerhalb der Städte weiter an Attraktivität gewannen.“ Die Bundesbank verwies unter anderem auf Zahlen des Verbandes deutscher Pfandbriefbanken (vdp) wonach sich die Preise für Wohneigentum im vergangenen Jahr um 7,5 (Vorjahr: 6,75) Prozent erhöhten. Aber auch das Statistische Bundesamt hatte Ende Dezember über einen kräftigen Anstieg der Immobilienpreise berichtet.
Nach Einschätzung der Bundesbank könnte sich „der Stellenwert von Wohneigentum in den Konsumplänen der privaten Haushalte aufgrund der Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie dauerhaft erhöht haben“.
Die Preisanstiege der vergangenen Jahre auf dem Immobilienmarkt haben nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) den langfristigen Trend zu größeren Wohnungen bereits spürbar verlangsamt. Unter Mieterhaushalten in den Großstädten ging die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf im vergangenen Jahrzehnt sogar zurück, wie eine am Montag veröffentlichte IW-Studie ergab.
Berechnungen der Ökonomen auf Basis des sozio-ökonomischen Panels zeigen allerdings große Unterschiede in der Verteilung des Wohnraums. Eigentümer wohnen demnach im Schnitt in 125 Quadratmeter großen Wohnungen, Mieter dagegen auf 75 Quadratmetern – pro Kopf sind es bei Eigentümern 48 Quadratmeter Fläche und bei Mietern 35 Quadratmeter.
Anstieg um 34 Prozent
Insgesamt stieg die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf der Studie zufolge in Deutschland seit 1990 um 34 Prozent. Seit Beginn des Immobilienbooms 2010 habe sich der Anstieg aber spürbar verlangsamt.
Dies liege hauptsächlich an der Entwicklung bei den Mietern, berichtete das arbeitgebernahe IW. Hier stagniere seit 2010 die durchschnittliche Wohnfläche pro Kopf. In Großstädten sinke sie sogar. Zugleich wachse der Anteil an Mietern, die weniger als einen Wohnraum je Haushaltsmitglied zur Verfügung haben, wieder deutlich, nachdem er zuvor lange abnahm. Bei den Wohnungseigentümern sei die Wohnfläche dagegen weiter deutlich gestiegen.
In der Gesamtbevölkerung gehört man der Studie zufolge bereits ab einer Wohnfläche von mehr als 41 Quadratmetern pro Kopf zu den oberen 50 Prozent, ab 83 Quadratmeter pro Kopf zu den oberen 10 Prozent.
Trends wie Migration, Urbanisierung und der demografische Wandel spiegeln sich der Studie zufolge am Immobilienmarkt deutlich wieder. Der Anteil der Einpersonenhaushalte sei zwischen 1990 und 2018 von 34 auf 42 Prozent gestiegen, so das IW. In drei Viertel aller Haushalte wohnten mittlerweile maximal zwei Personen. Haushalte mit drei und mehr Personen hätten dagegen an Relevanz für den Wohnungsmarkt verloren. Der Anteil der Mieter mit Migrationshintergrund stieg zwischen 2010 und 2018 von 25 auf 32 Prozent.
22 Feb. 2021
Bundesbank warnt erneut vor überhöhten Immobilienpreisen
In der Pandemie haben die eigenen vier Wände eine noch größere Bedeutung gewonnen. Die Immobilienpreise stiegen auch im Corona-Jahr 2020 weiter - die Bundesbank ist alarmiert. Laut einer Studie bremst der Boom den Trend zu immer größeren Wohnungen.
dpa
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