Der türkische Außenminister Mevlut Çavuşoğlu hat in einem Gastbeitrag für die Financial Times die Untätigkeit der EU in der aktuellen Flüchtlingskrise kritisiert.

Die Europäische Union werde nicht länger „das Leuchtfeuer“ für Menschenrechte und internationales Recht sein, wenn sie weiterhin das harte Vorgehen Griechenlands gegen Flüchtlinge unterstütze, schrieb Çavuşoğlu in dem Beitrag, der am Sonntag veröffentlicht wurde.

Die Türkei rufe die EU seit langem dazu auf, sich mit dem Konflikt in Syrien auseinanderzusetzen. Ähnliches gelte auch für den Anstieg von „Extremismus, Fremdenfeindlichkeit, Islamfeindlichkeit und Antisemitismus.“ Die Forderung nach gemeinsamen Lösungen sei ungehört geblieben.

Die EU käme ihrer Verantwortung aus dem Flüchtlingsabkommen von 2016 nicht nach und verhalte sich selbstgefällig. „Wenn wir diese Katastrophen nicht an der Quelle verhindern können, werden alle leiden", mahnte er.

Die Türkei beherberge 3,6 Millionen Syrer an ihrer Grenze und helfe weiteren 5,5 Millionen innerhalb Syriens. Der anhaltende Konflikt führe aber zu weiteren Fluchtwellen. Deshalb habe die Türkei im vergangenen Monat erklärt, sie könne keine weiteren Flüchtlinge mehr aufnehmen und werde nun die Grenzen nach Europa für Geflüchtete öffnen.

„Was folgte, ist eine Schande für die EU und ein dunkler Fleck auf dem Gewissen der Menschheit", sagte Çavuşoğlu. Die EU und ihre Parlamentarier hätten untätig zugeschaut, wie griechische Streitkräfte Tränengas versprühten und auf Menschen schossen.

Schätzungsweise 2.000 Migranten verharren immer noch an der griechisch-türkischen Grenze. Sie versuchen nach Europa zu gelangen, um dort ihr Recht auf Asyl zu suchen.

Mindestens vier Geflüchtete sind bisher an der Grenze zu Griechenland umgekommen. Griechische Grenztruppen setzen Tränengas, Druckwasser und scharfe Munition ein. Die unverhältnismäßige Gewalt wird auch von Menschenrechtsorganisationen kritisiert.

TRT Deutsch