12.12.2021, Neukaledonien, Noumea: Französische Gendarmen patrouillieren an einem Kreisverkehr. (DPA)
Folgen

In einem dritten Unabhängigkeitsreferendum haben sich die abstimmenden Bewohner des französischen Überseegebiets Neukaledonien für den Verbleib bei Frankreich entschieden. 96,5 Prozent der abstimmenden Bürger der Inselgruppe im Südpazifik votierten am Sonntag dafür, Teil Frankreichs zu bleiben. Allerdings war die Wahlbeteiligung äußerst niedrig. Die überwiegend aus Nachfahren der Ureinwohner bestehende Unabhängigkeitsbewegung hatte das Referendum boykottiert, da ein fairer Wahlkampf nicht gegeben sei. Die Inselgruppe Neukaledonien, die 2000 Kilometer östlich von Australien liegt, wurde 1853 von Frankreich besetzt und besitzt nach wie vor geostrategische Bedeutung für Paris. In den 1980er Jahren hatten Konflikte zwischen Nachfahren der Ureinwohner und europäischstämmigen Bewohnern gewalttätige Zusammenstöße ausgelöst, bei denen mehr als 70 Menschen starben. Als Reaktion wurde das Nouméa-Abkommen geschlossen, das eine Dezentralisierung der Macht sowie bis zu drei Unabhängigkeitsreferenden bis 2022 vorsieht. In den Jahren 2018 und 2020 hatten sich die Neukaledonier in zwei Referenden knapp gegen eine Abspaltung von der früheren Kolonialmacht Frankreich ausgesprochen. 2018 stimmten mehr als 56 Prozent der Wähler gegen eine Abspaltung, bei dem zweiten Referendum votierten im Oktober 2020 rund 53 Prozent gegen die Unabhängigkeit. Unabhängigkeitsbefürworter sprechen von einer französischen Kriegserklärung Unabhängigkeitsbefürworter hatten zum Boykott der Abstimmung vom Sonntag aufgerufen und eine Verschiebung des Referendums gefordert, da angesichts der Corona-Pandemie ein fairer Wahlkampf nicht möglich gewesen sei. Dass das Referendum dennoch abgehalten wurde, hatte die größte Unabhängigkeitsbewegung FLNKS als französische „Kriegserklärung“ bezeichnet. Es wird befürchtet, dass das Ergebnis erneut zu ethnischen Spannungen wie in den 80er Jahren führen könnte. Die ärmere, von den Ureinwohnern abstammende Bevölkerung Neukaledoniens befürwortet mehrheitlich eine Unabhängigkeit von Frankreich, während die wohlhabendere weiße Bevölkerung mehrheitlich Frankreich zugehörig bleiben möchte. Wie AFP-Reporter berichteten, war die Wahlbeteiligung am Sonntag in den von Nachfahren der Ureinwohner bevölkerten Gegenden besonders niedrig. Nach offiziellen Angaben lag die Wahlbeteiligung insgesamt bei 43,9 Prozent. Die Unabhängigkeitsbewegung drohte bereits, das Ergebnis der Abstimmung nicht anzuerkennen und bei den Vereinten Nationen eine Annullierung erreichen zu wollen. Macron kommentiert Boykott nicht direkt Macron begrüßte das Ergebnis. Frankreich sei schöner, weil Neukaledonien sich entschieden habe, „bei uns zu bleiben", erklärte er am Sonntag. Den Boykott der Abstimmung erwähnte Macron nicht direkt, räumte aber eine „tiefe Spaltung“ der Wähler ein. Frankreich verfügt über 13 Überseegebiete mit einer Gesamtbevölkerung von 2,7 Millionen Menschen. Die Armutsquote sowie die Arbeitslosigkeit sind dort generell höher als auf dem französischen Festland, was seit langem zu Vorwürfen führt, Frankreich vernachlässige diese Gebiete. Neukaledonien ist für Frankreich wirtschaftlich und geostrategisch von großer Bedeutung. Die Inselgruppe verfügt über rund zehn Prozent der weltweiten Nickelvorkommen, welches in der Stahlproduktion sowie bei der Herstellung von Batterien und Mobiltelefonen zum Einsatz kommt. Das Gebiet ist zudem von Bedeutung für Frankreichs Anspruch, eine Pazifikmacht zu sein. Paris verfügt über Seerechte in der Umgebung Neukaledoniens sowie über einen dortigen Militärposten.

AFP