Archivbild. 25.06.2013, USA, New York: Ghislaine Maxwell spricht in ihrer Funktion als Gründerin des TerraMar Project auf einer Pressekonferenz über Ozeane und nachhaltige Entwicklungsziele im Hauptquartier der Vereinten Nationen. (DPA)
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Die Zeiten, in denen Ghislaine Maxwell ein luxuriöses Jetset-Leben genoss, sind lange vorbei. Seit ihrer Festnahme vor eineinhalb Jahren sitzt die langjährige Vertraute des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein in einem Gefängnis in Brooklyn in Untersuchungshaft. Am Montag beginnt in New York der Prozess gegen die 59-Jährige, die systematisch junge Mädchen für Epsteins sexuellen Missbrauch rekrutiert haben soll. Bei einer Verurteilung droht Maxwell eine lange Gefängnisstrafe. Maxwell soll wichtigste Komplizin von Epstein sein Die Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell soll lange Zeit Epsteins wichtigste Komplizin gewesen und dabei höchst perfide vorgegangen sein. Laut Anklage freundete sie sich mit jungen Mädchen an, die jüngste erst 14 Jahre alt, ging mit ihnen ins Kino oder einkaufen und lieferte sie dann an den reichen Finanzinvestor aus. Maxwell soll die Teenagerinnen überredet haben, in Epsteins Anwesen in New York, Florida und New Mexico zu kommen und dem Multimillionär dort nackt Massagen zu geben, bevor sie missbraucht wurden. Auch in Maxwells eigenem Haus in London soll es zu sexuellem Missbrauch gekommen sein. Maxwells Anwesenheit soll laut Anklage auch dazu gedient haben, die Mädchen zu beruhigen. Sie soll sich zudem selbst ausgezogen haben, um „sexuellen Missbrauch zu normalisieren und zu erleichtern“, und sich an dem Missbrauch teilweise auch beteiligt haben. „Sie behauptete eine Frau zu sein, denen sie (die Jugendlichen) vertrauen konnten“, erklärte Staatsanwältin Audrey Strauss nach Maxwells Festnahme im Juli 2020. „Aber die ganze Zeit über bereitete sie sie darauf vor, von Epstein, und in manchen Fällen von Maxwell selbst, sexuell missbraucht zu werden.“ 59-Jährige bestreitet alle Vorwürfe Die Angeklagte bestreitet alle Vorwürfe. Ihre Verteidiger werfen der Staatsanwaltschaft vor, die 59-Jährige zum Sündenbock zu machen, weil Epstein nach dessen Tod in einer New Yorker Gefängniszelle 2019 nicht mehr der Prozess gemacht werden konnte. Die in Frankreich geborene Maxwell war einst Epsteins Geliebte und wurde dann seine enge Freundin. Jahrelang war sie eine feste Größe in der Party-Szene von Manhattan, sie verkehrte ebenso wie Epstein mit Prominenz wie der Familie des früheren Präsidenten Bill Clinton, dem Immobilienunternehmer und späteren Präsidenten Donald Trump und dem britischen Prinzen Andrew, dem in dem Zusammenhang ebenfalls Missbrauch vorgeworfen wird. Das Magazin "Vanity Fair" schrieb 2011, Maxwell sei bei Partys „immer der interessanteste, temperamentvollste, ungewöhnlichste Mensch im Raum“ gewesen. Ihr Adressbuch sei unübertroffen. Bewegte Familiengeschichte Maxwell hat eine bewegte Familiengeschichte. Ihr Vater Robert, der einen der größten Medienkonzerne der Welt aufgebaut hatte, stürzte 1991 vor den Kanarischen Inseln von seiner nach seiner Lieblingstochter benannten Yacht „Lady Ghislaine“ ins Meer. Nach Maxwells Tod wurde bekannt, dass in der Betriebsrentenkasse mehr als 400 Millionen Pfund fehlten, die zur Rettung defizitärer Unternehmen des Konzerns verwendet wurden. Der Ruf der Familie war ruiniert. Nun wird der Familienname für immer in Verbindung mit dem Epstein-Skandal stehen - unabhängig vom Ausgang des am Montag vor einem Bundesgericht in Manhattan beginnenden Prozesses. Maxwell ist konkret wegen Sexhandels in mehreren Fällen angeklagt. Im Zentrum des Prozesses stehen vier mutmaßliche Epstein-Opfer. Nach ihrer Festnahme in einer Villa im Bundesstaat New Hampshire bemühte sich Maxwell vergeblich, gegen Kaution auf freien Fuß zu kommen. Die Justiz stufte das Fluchtrisiko als zu hoch ein. Die 59-Jährige hat sich wiederholt über die Bedingungen ihrer Untersuchungshaft beschwert, ihre Geschwister haben sogar eine Beschwerde bei den Vereinten Nationen eingereicht. Doch Maxwell droht noch lange Zeit hinter Gittern: Bei einem Schuldspruch könnte sie zu bis zu 80 Jahren Gefängnis verurteilt werden.

AFP