24.11.2020, Berlin: In einem Hochhaus sind einige Fenster beleuchtet. Fast jeder zweite der rund 8,4 Millionen Haushalte mit einer Mietwohnung in einer deutschen Großstadt gibt laut einer Studie mehr als 30 Prozent seines Nettoeinkommens für die Miete aus. (DPA)

Einem aus der Demokratischen Republik Kongo stammenden Mann und seiner Partnerin ist die Wohnungszusage durch die Vermieter zurückgezogen worden, weil deren „Partner-Konstellation außerhalb der Norm“ liege. „Soll ich mein Gesicht weiß anmalen, um eine Wohnung in München zu finden?“, fragt nun der afrikanischstämmige Dedis Mbeka-Male, wie die Nachrichtenseite „Merkur.de“ am Dienstag berichtete.

Demnach ist der 31-Jährige gemeinsam mit seiner Freundin Eva seit etwa einem halben Jahr auf Wohnungssuche. Mitte November habe Eva nach etwa 50 Absagen an einer weiteren Wohnungsbesichtigung teilgenommen. Mbeka-Male sei an jenem Tag nicht vor Ort gewesen, weil er beruflich verhindert gewesen sei.

Da die Besichtigung gut verlaufen sei, habe das Vermieter-Paar ein zweites Treffen vorgeschlagen. Erneut habe Mbeka-Male nicht teilnehmen können. Beim zweiten Treffen sei erstmals der „afrikanisch klingende Name“ des 31-Jährigen genannt worden. Die Vermieter hätten jedoch betont, dass dies kein Problem darstelle und hätten dem Paar die Wohnung zugesagt.
„Kulturelle und sonstige Vorbehalte“
Entgegen ihrer ursprünglichen Mitteilung habe das Vermieter-Paar ihre Zusage jedoch bereits am nächsten Tag zurückgenommen. „Nach unserem Gespräch gestern Abend haben meine Frau und ich nochmals über die Vergabe der Wohnung diskutiert. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, aus verschiedenen Gründen nicht an Sie und Ihren Freund zu vermieten“, wird eine E-Mail der Vermieter zitiert.

Auf Nachfrage sei der Freundin von Mbeka-Male die Begründung für die Absage mitgeteilt worden: „Sie befinden sich in einer Partner-Konstellation außerhalb der Norm. Einem Vermieter sollte deshalb Gelegenheit gegeben werden, sich damit in verschiedener Hinsicht auseinanderzusetzen.“ Es gebe mögliche „kulturelle und sonstige Vorbehalte“.

„Der Nachname sagt doch nichts über eine Person aus“

„Der Nachname sagt doch nichts über eine Person aus. Es ist schon unglaublich, dass wir uns im 21. Jahrhundert noch mit so etwas beschäftigen müssen“, so Mbeka-Male.

Der Vermieter habe auf Anfrage von „Merkur.de“ die Mietinteressenten kritisiert. „Das Scheitern der Vermietung lag nicht daran, dass der Freund von Frau H. Ausländer ist, sondern daran, dass ich mit einer Bewerberin, die nicht offen und ehrlich ist, keinen Mietvertrag abschließen will.“ Er habe die Abwesenheit von Mbeka-Male bei beiden Treffen moniert.

TRT Deutsch