Symbolbild. 14. März 2022, Ukraine, Lwiw: Ein Vater verabschiedet sich von Frau und Kindern, die im Bahnhof von Lwiw (Lemberg) einen Zug in Richtung Polen nehmen. (Others)
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Der Bürgermeister der westukrainischen Stadt Lwiw, Andrij Sadowyj, hat den internationalen Hilfsorganisationen mangelnde Vorbereitung auf einen russischen Angriffskrieg vorgeworfen. „Nicht eine internationale Organisation war vorbereitet, obwohl seit einem halben Jahr alle von einem möglichen russischen Angriff geredet haben“, sagte Sadowyj der „Süddeutschen Zeitung“. „Wahrscheinlich, weil die westlichen Analysedienste gesagt haben, dass der Krieg nur zwei Tage dauern und die Ukraine ohne Gegenwehr von den Russen besetzt werde.“ Bis heute gebe es keine „effektiven internationalen Notfallpläne“. Lwiw ist Sammelpunkt für Flüchtlinge
Lwiw liegt nur rund 80 Kilometer von der Grenze zum Nato-Mitglied Polen entfernt. Die Stadt ist seit Kriegsbeginn am 24. Februar zu einem Sammelpunkt für Flüchtlinge, Diplomaten und Korrespondenten geworden. „In den ersten zehn Tagen haben wir alle Flüchtlinge aufgenommen, die hierbleiben wollten. Jetzt sind alle Hotels, Jugendherbergen und Wohnungen voll“, sagte Sadowyj der „SZ“. „Wir haben die Menschen in etwa 500 Schulen, Turnhallen, Theatern, Kulturzentren oder Gemeindezentren untergebracht. Bei 200 000 Personen waren unsere Kapazitäten erschöpft.“ In der Region Lwiw seien noch einmal so viele Menschen untergekommen.
Am dringendsten benötigt werde derzeit Geld für die Versorgung mit Lebensmitteln, Medikamenten, Containerhäusern, mobilen Duschen und Toiletten, sagte der Bürgermeister. „Wir können die Menschen nicht ewig in einem Turnsaal oder auf einer Theaterbühne unterbringen. Wir haben schon etliche Dutzend Hektar Land festgelegt, um dort solche Häuser hochzuziehen.“

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dpa