Gut 13 Monate nach dem Auseinanderbrechen der Regierungskoalition ist in Belgien noch immer keine regierungsfähige Mehrheit in Sicht. König Philippe gab den mit der Suche beauftragten Unterhändlern weitere zwei Wochen für ihre Gespräche mit den verschiedenen Parteien. Erst danach würde ein Politiker mit der Bildung einer Regierung beauftragt.

Die nationalistische Flamenpartei NV-A hatte die Regierung des damaligen Ministerpräsidenten Charles Michel wegen eines Streits um den UN-Migrationspakt im Dezember 2018 verlassen. Der frankophone Liberale Michel führte eine Minderheitsregierung bis zur vorgezogenen Wahl am 26. Mai, die jedoch auch keine klaren Mehrheiten im Parlament brachte.Weil Michel später EU-Ratspräsident wurde, übernahm seine Parteifreundin Sophie Wilmès die Übergangsregierung Ende Oktober 2019. Sie wurde damit erste Ministerpräsidentin Belgiens.

Die aktuelle Regierung wird von drei Parteien getragen, die nur über 38 der 150 Sitze im Parlament verfügen. Insgesamt sind zwölf Parteien in der Abgeordnetenkammer vertreten, die zehn Fraktionen gebildet haben. 89 Niederländisch sprechenden Abgeordneten stehen 61 frankophone Parlamentarier gegenüber. Das Parlament ist auch deshalb so zersplittert, weil die Sprachgebiete getrennt abstimmen und die Parteien deshalb nicht belgienweit antreten.

DPA