16.12.2021, Hamburg: Gedenkköpfe eines Königs aus einer Unbekannten Werkstatt der Bronzegießergilde Igun Eronmwon (Königreich Benin, Nigeria, 19. Jahrhundert) sind in der Ausstellung „Benin. Geraubte Geschichte“ im Museum am Rothenbaum zu sehen. (DPA)
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Kunstvoll verzierte Gusstafeln, die die Geschichte des Königreich Benin erzählen, Gedenkköpfe von Königen, Tier- und Menschenfiguren: Die Ausstellung „Benin. Geraubte Geschichte“ im Museum am Rothenbaum zeigt 179 Kunstwerke, die nach der Unterwerfung des Königreichs Benin (heute Edo State, Nigeria) durch britische Truppen 1897 aus dem königlichen Palast geraubt wurden. Nach Angaben der Stadt beträgt ihr Wert rund 60 Millionen Euro.
Die Eigentumsrechte der Objekte sollen im kommenden Jahr zusammen mit Beständen anderer deutscher Museen übertragen werden. Auch Rückgaben werden seit April gemeinsam mit nigerianischen Partnern von Bund und Ländern vorbereitet. Wie das genau aussehen soll, ist jedoch noch offen. Die Stadt Hamburg hat sich aber bereits festgelegt, alle Benin-Bronzen in ihrem Besitz an Nigeria zu übertragen.
Neues Kapital zwischen Europa und Afrika
„Mit dieser Ausstellung verbinden wir das klare Versprechen, dass alle sich in Hamburg befindenden Benin-Objekte restituiert werden“, sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (SPD) am Donnerstag bei der Vorstellung der Ausstellung. „Ich wünsche mir, dass diese Ausstellung aber nicht nur die Rückgabe dieser einzigartigen Kunstschätze markiert, sondern zugleich ein neues Kapitel im kulturellen Austausch zwischen Europa und Afrika aufschlägt“, sagte der Kultursenator.
Die Direktorin des Museums, Prof. Barbara Plankensteiner, sprach von „einem besonderen historischen und emotionalen Moment“. „Ich möchte, dass wir uns von diesen Werken verabschieden, indem wir ihre Qualität und Bedeutung für eine globale Kunstgeschichte noch einmal würdigen und gleichzeitig ihrer Provenienz als koloniales Raubgut gerecht werden“, sagte Plankensteiner, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema beschäftigt und an den Verhandlungsgesprächen mit Nigeria beteiligt ist. Die Rückgabe der Kunstwerke sei „ein Akt der Gerechtigkeit und Versöhnung, der eine neue Kultur der Zusammenarbeit und des gegenseitigen Austauschs bewirken wird.“
Hamburg Drehkreuz für Weitervertrieb von Benin-Werken
Der Hamburger Hafen war ein zentrales Eingangstor für den Transfer von Benin-Werken nach Deutschland sowie ihren Weitervertrieb in Kontinentaleuropa. Nach der Plünderung durch die britischen Kolonialtruppen 1897 wirkten Agenten Hamburger Handelshäuser und deutsche Schiffsleute maßgeblich an der Distribution der Artefakte mit. Justus Brinckmann (1843-1915), damaliger Direktor des Museums für Kunst und Gewerbe, erwarb als Erster Werke für sein Haus und leitete das große Forschungs- und Sammelinteresse in Deutschland ein. „Deshalb ist es ein besonderer Erfolg, dass genau an diesem Ort die Eigentumsübertragung verkündet wird“, sagte Plankensteiner.
In der Ausstellung wird die Sammlung erstmals seit 100 Jahren vollständig präsentiert, darüber hinaus bringt sie historische Fotografien, zeitgenössische Werke und heutige Stimmen aus Benin-City zusammen. Die Datenbank „Digital Benin“ macht zudem die weltweit rund 3000 bis 5000 verstreuten Kunstwerke des Königreichs Benin wieder in ihrer Gesamtheit sichtbar und zugänglich. Prof. Abba Isa Tijani, Generaldirektor der National Commission for Museums and Monuments, sagte: „Das ist der Beginn der Rückkehr der Benin-Bronzen nach Nigeria. Die Bedeutung kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Die Veranstaltung zur Vorbereitung der Rückgabe findet in Hamburg statt, der Stadt, von der aus sie ursprünglich nach Deutschland gelangten.“

DPA