Apple stellt sich auf Turbulenzen in seiner chinesischen Zuliefererkette durch das neue Coronavirus ein. Einige Betriebe befänden sich in der besonders betroffenen Region rund um die Stadt Wuhan, sagte Konzernchef Tim Cook am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Es gebe aber alternative Quellen für ihre Produkte. Unklar sei die weitere Entwicklung bei anderen Zulieferern, für die die übliche Auszeit zum chinesischen Neujahrsfest zum Teil um eine Woche verlängert worden sei. Der Konzern habe einen Apple Store in China geschlossen und Reisen von Mitarbeitern in das Land reduziert, sagte Cook am Mittwoch. Auch einige chinesische Einzelhandels-Partner hätten Geschäfte geschlossen oder die Öffnungszeiten verkürzt und in die Läden kämen weniger Käufer. Die Unsicherheit rund um das Coronavirus sei der Grund dafür, dass bei der Umsatzprognose für das laufende Quartal eine ungewöhnlich breite Spanne von 63 bis 67 Milliarden Dollar gewählt worden sei, sagte Apple-Finanzchef Luca Maestri in einem Interview. Das ist in jedem Fall ein deutliches Plus im Vergleich zu den 58 Milliarden Dollar Umsatz im Vorjahresquartal.

Webasto schließt Stammsitz in Bayern

Wegen vier mit dem neuen Coronavirus infizierten Mitarbeitern schließt der Automobilzulieferer Webasto seinen Stammsitz im oberbayerischen Gauting bis Sonntag. Bis dahin sollen Mitarbeiter der Firmenzentrale auch nicht an nationale und internationale Standorte reisen, wie das Unternehmen mitteilte. Für China gelte sogar eine Sperre für zwei Wochen.

Die vier ersten in Deutschland bestätigten Fälle der neuen Lungenkrankheit sind allesamt Mitarbeiter des Unternehmens. Eine Kollegin aus China reiste vergangene Woche zu einer Schulungsmaßnahme im Gautinger Ortsteil Stockdorf an. Dort hatten sich die vier Mitarbeiter nach bisherigen Erkenntnissen angesteckt.

„Unter den Mitarbeitern des Automobilzulieferers Webasto gibt es weitere mit dem Coronavirus infizierte Personen“, teilte das Unternehmen am Dienstagabend mit. „Die Maßnahmen zum Schutz der Belegschaft wurden aufgrund der neueren Entwicklungen ausgeweitet.“

Alle vier Betroffenen arbeiten demnach in der Firmenzentrale, wo insgesamt rund tausend Menschen arbeiten. Das Unternehmen sei in engem Austausch mit den Behörden und orientiere sich an den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts.

Webasto hatte schon nach Bekanntwerden des ersten Falls alle Dienstreisen nach und von China für mindestens zwei Wochen abgesagt und den Mitarbeitern am Standort Stockdorf freigestellt, diese Woche im Homeoffice zu arbeiten. Von diesem Mittwoch an soll ein Ärzte-Team des Gesundheitsamts systematisch alle Kontakte der betroffenen Personen testen.

Das Unternehmen mit 13 400 Mitarbeitern und einem Umsatz von 3,4 Milliarden Euro im Jahr 2018 hat seinen Hauptsitz im oberbayerischen Stockdorf. Weltweit hat Webasto mehr als 50 Standorte. In Deutschland gibt es laut Unternehmenswebsite noch weitere Standorte in den bayerischen Orten Gilching, Utting, Schierling, Hengersberg, Regensburg und Nürnberg sowie in Wörth (Rheinland-Pfalz) und Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern). In China gibt es demnach zwölf Standorte - einer davon auch in der besonders betroffenen Stadt Wuhan.

Die wichtigsten Produkte des Unternehmens sind Panorama-, Schiebe- und Cabrio-Dächer sowie Standheizungen, Heizsysteme für Hybrid- und Elektrofahrzeuge sowie Klimasysteme.

Toyota, Starbucks - auch andere Firmen reagieren

Der japanische Autobauer Toyota hat angesichts der Ausbreitung des Coronavirus in China den Betrieb seiner Werke in dem Nachbarland für die nächsten Tage eingestellt. Aufgrund von Faktoren wie den Richtlinien der chinesischen Behörden sowie der derzeitigen Lage bei der Teilezulieferung habe man entschieden, den Betrieb der Fabriken bis zum 9. Februar auszusetzen, teilte eine Sprecherin des Konzerns in Tokio mit. Man werde die Situation beobachten und entscheiden, wie ab dem 10. Februar weiter vorgegangen werde.

Starbucks hat im jüngsten Quartal besser verdient als erwartet, aber vor Ungewissheiten aufgrund des Corona-Virus gewarnt. Der Geschäftsausblick für 2020 werde erst aktualisiert, wenn die Folgen für das Unternehmen vernünftig eingeschätzt werden könnten, teilte Starbucks nach US-Börsenschluss mit. Die Kette habe mehr als die Hälfte ihrer Filialen in China geschlossen und sei dabei, ihre Geschäftszeiten anzupassen. Anleger reagierten verunsichert, die Aktie rutschte nachbörslich tiefer ins Minus.

Zuletzt liefen die Geschäfte bei Starbucks noch rund. In den drei Monaten bis Ende Dezember stieg der Nettogewinn im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 886 Millionen Dollar (804 Mio Euro). Damit wurden die Prognosen der Analysten klar übertroffen. Die Erlöse legten um sieben Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar zu. Der am Markt stark beachtete Absatz auf vergleichbarer Verkaufsfläche kletterte um fünf Prozent. Starbucks eröffnete im abgelaufenen Quartal 539 neue Cafés und brachte es zum Jahresende weltweit auf 31 795 Filialen.

Deutsche Botschaftsschule in Peking vorerst geschlossen

Wegen des Ausbruchs der Lungenkrankheit in China bleibt die deutsche Botschaftsschule in Peking vorerst geschlossen. Nach den gerade laufenden Ferien zum chinesischen Neujahrsfest sei „von einer Schließung bis mindestens 17. Februar auszugehen“, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung an die Eltern. Betroffen sind rund 530 Schüler und 200 Kinder im Kindergarten. Die Schulschließung erfolgt in Abstimmung mit den chinesischen Behörden und soll vor Ansteckungen mit dem neuen Coronavirus durch Menschenansammlungen schützen. Von Montag an sollen die Schüler online mit Aufgaben und Lerninhalten versorgt werden. Für das anstehende Abitur werde versucht, die schon bekanntgegebenen Termine einzuhalten, hieß es weiter. Wer kürzlich in der schwer betroffenen chinesischen Metropole Wuhan war oder Personen von dort getroffen hat, wurde aufgefordert, die Schule zu informieren.

China ergreift drastische Maßnahmen

Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist inzwischen auf mehr als 4500 gestiegen, betroffen ist weiterhin vor allem die Provinz Hubei mit der 11-Millionen Metropole Wuhan. China hatte in den vergangenen Tagen drastische Maßnahmen ergriffen: In der Provinz wurden 45 Millionen Menschen weitgehend von der Außenwelt abgeschottet. Flüge sowie Fern- und Nahverkehr wurden gestoppt. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der neuartigen Lungenerkrankung gibt es nicht.


Agenturen