Symbolbild: Tower Bridge in London (AP)

Bereits jetzt befinden sich die Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich und der Türkei auf einem hohen Niveau. In den kommenden zwei Jahren soll nun jedoch ein umfassendes Freihandelsabkommen neu verhandelt werden, um weitere Sektoren einzubeziehen. Dies berichtet „Hürriyet“.

Am 24. Dezember des vergangenen Jahres hatte sich das Vereinigte Königreich mit der EU auf ein Handelsabkommen für die Zeit nach dem Brexit geeinigt. Nur wenige Tage später unterzeichnete das Land ein historisches Freihandelsabkommen mit der Türkei.

Die Vereinbarung entfaltete trotz coronabedingter Unwägbarkeiten erkennbare Dynamik: Nach Angaben des türkischen Statistikinstituts stiegen die Ausfuhren der Türkei in das Vereinigte Königreich von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf 9,7 Mrd. US-Dollar, während die Einfuhren aus dem Land im gleichen Zeitraum um 4,5 Prozent auf 4,2 Mrd. US-Dollar zunahmen.

Technologiesektor von besonderem Interesse

Der Brexit habe die Handelsbeziehungen des Vereinigten Königreichs mit der Türkei dank der historischen Freihandelsabkommen nicht beeinträchtigt, betonte Chris Gaunt, Vorsitzender der Britischen Handelskammer in der Türkei (BCCT). Er wies darauf hin, dass das Abkommen auch eine Klausel zur Erweiterung und Verbesserung des Freihandelsabkommens enthält. Davon wolle man nun auch Gebrauch machen.

Unter anderem seien Landwirtschaft, Pharmazie, Technologie und Finanzdienstleistungen Segmente, die für beide Länder großes Potenzial böten. „Hoffentlich können wir damit beginnen, diese Bereiche in die Verhandlungen über das neue Freihandelsabkommen einzubeziehen“, bekannte Gaunt.

Die Handelsminister beider Länder werden sich in den nächsten sechs bis acht Monaten treffen, um den Neuverhandlungsprozess einzuleiten, erklärte er. Nicht zuletzt der Technologiesektor in der Türkei wachse sehr schnell, machte der Handelskammerchef deutlich. Dieser werde „zu einer wichtigen Kraft in Europa“ und biete ein zusätzliches Potenzial für die Türkei und das Vereinigte Königreich, um den bilateralen Handel auszubauen – ungeachtet aller Schwierigkeiten, die Corona-Folgen nach sich zögen.

Vereinigtes Königreich sieht starke Produktionsbasis in der Türkei

Das Vereinigte Königreich sei derzeit der zweitgrößte Exportmarkt der Türkei. Gaunt hoffe, dass sie künftig der größte sein werde. Auch für Unternehmen, die nach zukunftsträchtigen Standorten für Produktion und Entwicklung suchten, sei die Türkei eine große Chance und Alternative zum Fernen Osten, insbesondere China.

„Etwas Näheres mit kürzeren Vorlaufzeiten und mehr Flexibilität zu haben, zieht natürlich viel Aufmerksamkeit für britische Unternehmen auf sich“, betonte Gaunt, „und die Türkei erfüllt alle Attribute, die wir brauchen, sie hat eine starke Produktionsbasis, sie hat gut ausgebildete Arbeitskräfte.“ Die Technologie spiele eine immer größere Rolle in der Türkei und in der Arbeitsweise der türkischen Hersteller.

TRT Deutsch