Archivbild - 02.04.2020, Brandenburg, Waltersdorf: Das Logo vom Einrichtungskonzern IKEA an einer Halle im Ortsteil der Gemeinde Schönefeld im Landkreis Dahme-Spreewald. (DPA)

Mehrere internationale Unternehmen haben am Mittwoch gute Nachrichten für die türkische Wirtschaft verkündet. Der schwedische Möbelgigant IKEA und der polnische Modehändler LPP planen, einen Teil ihrer Produktion in die Türkei zu verlagern. Damit beabsichtigen sie, erhöhte Transportkosten und Probleme mit internationalen Lieferketten zu minimieren. Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim verkündete am selben Tag eine Partnerschaft mit dem türkischen Pharmaunternehmen Abdi Ibrahim. Die Corona-Krise hat die Versorgungsketten auf allen Kontinenten negativ beeinflusst, weshalb es weltweit zu Lieferschwierigkeiten von Waren und Dienstleistungen kommt. Diese reichen von Autoteilen über Mikrochips bis hin zu Containerschiffen. Angesichts dieser Tatsache wolle IKEA mehr von seiner Produktion in die Türkei verlagern, um die Lieferkette zu verkürzen, erklärte der Finanzvorstand des Unternehmens für die Türkei, Kerim Nisel, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Die Produkte, die IKEA in der Türkei herstellen will, werden noch derzeit über Tausende von Kilometern von Ostasien in den Nahen Osten oder nach Europa verschifft. Pandemie verdeutlicht den Vorteil von verschiedenen Produktionsstandorten „Aufgrund der Lieferprobleme, die wir während der Pandemie hatten, versuchen wir, die Produktion in der Türkei zu verstärken“, so Nisel. Eine Schätzung über die verlagerte Kapazität wollte er dabei nicht abgeben. „Wir alle haben während der Pandemie gesehen, wie wichtig Diversifikation ist“, sagte er. Die Corona-Krise habe verdeutlicht, dass es „vielleicht keine gute Strategie“ sei, in einem Land zu produzieren und die Produkte anschließend in die ganze Welt zu transportieren. Der Möbelriese hat sieben Filialen in der Türkei und exportiert bereits dreimal so viel wie es in die Türkei importiert. IKEA stellt derzeit in dem Land Textil-, Glas-, Keramik- und Metallprodukte für den weltweiten Export her. Die Kosten für einen Container aus Ostasien sind laut Nisel nach dem Corona-Ausbruch von 2000 Dollar auf 12.000 Dollar hochgeschnellt. „Es ist rationeller, die Produkte näher an dem Ort herzustellen, an dem sie verkauft werden. Deshalb wollen wir sie in der Türkei herstellen lassen“, fügte er hinzu. Probleme in der Lieferkette und steigende Kosten treffen alle LPP, ein börsennotierter polnischer Bekleidungskonzern mit Sitz in Danzig, prüft ebenfalls aufgrund von Unterbrechungen der Lieferkette und steigenden Kosten eine Verlagerung der Produktion nach Europa. „Wir sehen bereits stark wachsende Verspätungen in der Seefracht“, sagte CFO Przemyslaw Lutkiewicz auf einer Medienkonferenz. Es gebe bis zu dreiwöchige Verspätungen bei der Lieferung von Waren aus asiatischen Fabriken nach Europa. Zudem seien die Produktionskosten um etwa 10 bis 20 Prozent gestiegen. Lutkiewicz wies auch darauf hin, dass es seit Ende September Probleme in chinesischen Fabriken gebe, die eine weitere Verzögerung der Produktion ergeben könnten. LPP wolle deshalb einen Teil seiner Produktion näher an Europa haben, im Einklang mit dem Trend zur Verlagerung von Produktionsstätten in der Modebranche. Mit seiner Lage zwischen Europa und Asien sei im Moment die Türkei der beste Kandidat dafür. „Wir befinden uns in ernsthaften Gesprächen mit türkischen Fabriken über die Verlagerung eines Teils unserer Kollektionen“, so der LPP-Finanzchef. Eine solche Produktion werde natürlich teurer sein, lohnen würde es sich trotzdem. Das Unternehmen erzielte im zweiten Quartal einen Nettogewinn von 459 Millionen Zloty (rund 99,51 Euro), nachdem LPP vor einem Jahr noch einen Verlust von etwa 6,63 Millionen Euro erlitten hatte. Der Gewinn war dem anhaltenden Wachstum des Online-Verkaufs und der aufgestauten Nachfrage zu verdanken, da die Käufer nach der Lockerung der Beschränkungen in die Geschäfte zurückkehrten. Deutscher und türkischer Pharmariese verkünden Kooperation Der Pharmagigant Boehringer Ingelheim hat ebenfalls am Mittwoch eine Zusammenarbeit mit dem bekannten türkischen Pharmaunternehmen Abdi Ibrahim angekündigt. Die Gesamtinvestition im Rahmen des sogenannten Lokalisierungsprojekts werde sich langfristig auf bis zu 1 Milliarde TL (97 Millionen Euro) belaufen, verkündete Mohammed al-Tawil, der Regional Managing Director von Boehringer Ingelheim und Leiter von Human Pharma im Nahen Osten, der Türkei und Afrika (META). Abdi Ibrahim ist das größte Pharmaunternehmen der Türkei, das seit 109 Jahren in der Branche tätig ist. Boehringer Ingelheim ist ebenfalls ein Traditionsunternehmen und das größte forschende Pharmaunternehmen in Deutschland. „Unser Lokalisierungsprojekt, das wir in Zusammenarbeit mit Abdi Ibrahim durchführen, legt auch den Grundstein für einen wichtigen Technologie- und Know-how-Transfer zwischen Deutschland und der Türkei. Wenn die Lokalisierungsstudien abgeschlossen sind, soll in den nächsten fünf Jahren jede zweite Verpackung mit Arzneimitteln in der Türkei produziert werden“, so al-Tawil. „Die Türkei ist das wichtigste Land in der Region“ Die Türkei sei mit ihrer jungen und dynamischen Bevölkerung, ihrem qualifizierten Humankapital, ihrer gut regulierten Marktstruktur, ihrer starken Wachstumsdynamik sowie ihrer einzigartigen Lage das wichtigste Land in der Region, begründete al-Tawil die Entscheidung. Boehringer Ingelheim ist seit 1994 in der Türkei tätig. Seit 2002 hat das Unternehmen mehr als 60 klinische Studien im Frühstadium in der Türkei durchgeführt. Zusätzlich zu den klinischen Versuchen und Studien wird Boehringer Ingelheim laut al-Tawil im Rahmen des Lokalisierungsprojektes seine Produkte in den Bereichen Diabetes, zentrales Nervensystem und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Türkei herstellen. Die Vereinbarung sehe auch vor, dass Produkte zur Behandlung von Bluthochdruck in der Türkei und in den Anlagen von Abdi Ibrahim in Algerien hergestellt werden, sagte Abdi Ibrahim-CEO Süha Taşpolatoğlu. „Diese Vereinbarung ist für uns von besonderer Bedeutung, da sie die Produktionsstätten von Abdi Ibrahim sowohl in Algerien als auch in der Türkei umfasst“, so Taşpolatoğlu.

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