20.07.2020, Bayern, Aschheim: Der Schriftzug von Wirecard ist an der Firmenzentrale des Zahlungsdienstleisters in Aschbeim bei München zu sehen.

Der Finanzausschuss des Bundestages hat zwei weitere Sondersitzungen zum Wirecard-Bilanzskandal anberaumt. Die Obleute beschlossen am Dienstag Sondersitzungen für den 31. August und den 1. September, bei denen diesmal auch Vertreter des Kanzleramts befragt werden sollen, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtete. „Der Wirecard-Skandal ist so groß, dass weitere Akteure zu befragen sind, auch aus dem Bundeskanzleramt“, sagte die Ausschussvorsitzende Katja Hessel (FDP).

Konkret wollen die Abgeordneten laut Bericht Verantwortliche des Kanzleramts aus den Bereichen Geheimdienstkoordinierung und Wirtschaft einladen. Darüber hinaus soll demnach Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) geladen werden.

In Sachen Geldwäsche möchten die Mitglieder des Finanzausschusses auch die umstrittene Geldwäschebekämpfungseinheit FIU aus dem Geschäftsbereich des Bundesfinanzministeriums sprechen, die in Vergangenheit wegen verschleppter Verdachtsmeldungen in kritisiert worden war. Vertreter aus dem bayerischen Innenministerium sollen ebenfalls befragt werden.

Auf der Einladungsliste sollen laut dem Blatt zudem Vertreter der Bundesbank, der Finanzaufsicht Bafin und der Deutschen Börse stehen. Nicht antreten sollen dagegen Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) und sein Wirtschaftskollege Peter Altmaier (CDU), da diese schon bei der ersten Sondersitzung vergangene Woche Rede und Antwort gestanden hatten.

Wirecard hatte Ende Juni Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte das Unternehmen einräumen müssen, dass in der Bilanz aufgeführte Gelder von 1,9 Milliarden Euro, die vermeintlich auf asiatischen Bankkonten lagern sollten, nicht auffindbar seien. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt in dem Fall. Sie geht von gewerbsmäßigem Bandenbetrug aus.


AFP