Symbolbild: Ein Halal-Etikett ist auf Lebensmittelverpackungen zu sehen (Reuters)

von Ali Özkök Prof. Dr. Yvonne Ziegler ist Professorin für Betriebswirtschaftslehre und Internationales Luftverkehrsmanagement an der Universität für angewandte Wissenschaften in Frankfurt am Main. Zudem ist sie Stellvertretende Vorsitzende des Direktoriums des „Institute for Aviation and Tourism“. TRT Deutsch sprach mit ihr über die Ergebnisse einer jüngst von ihrem Institut vorgelegten Studie und die wachsende Bedeutung von Halal-Zertifikaten in der grenzüberschreitenden Transportlogistik.

Sie sehen im Halal-Markt inklusive der dazugehörigen Lieferlogistik eine einträgliche Marktnische für die Zukunft, weil Muslime bereit wären, dafür auch höhere Preise zu bezahlen. Um welche Summen handelt es sich?

Wir haben uns bei unserer Studie nur mit den Halal-Lebensmitteln beschäftigt. Bei 4,1 Millionen Muslimen in Deutschland, von denen 82 Prozent angegeben haben, dass ihnen das Befolgen von religiösen Vorschriften beim Einkauf und Verzehr von Lebensmitteln wichtig ist, haben wir den Markt für Halal-Lebensmittel auf 3,5 Milliarden Euro geschätzt - also ein durchaus attraktives Marktsegment.

Wie können Kunden erkennen, dass ein Anbieter von halal-Zertifikaten seriös ist?

Prinzipiell haben viele Zertifizierer in Deutschland eine Internetseite, auf der man erkennen kann, von welchen religiösen Autoritäten in Malaysia, Indonesien, Singapur und den Ländern des Gulf Cooperation Council dieser Zertifizierer zugelassen wurde. Um so eine Zertifizierung zu erhalten, muss der lokale Zertifizierer sich auch einer entsprechenden Prüfung unterziehen. Leider wurde die Branche in den letzten Jahren hier auch von Korruptionsvorwürfen gezeichnet.

Welche Mechanismen gibt es innerhalb der Branche, um Missbrauch zu verhindern? Es gibt bisher – soweit ich weiß - keine etablierten Mechanismen. Einige mutige Zertifizierer haben Korruptionsfälle aufgedeckt. Die deutschen, muslimischen Konsumenten trauen laut unserer Studie auch am meisten einem in Deutschland ansässigen Zertifizierer. Sie hatten speziell die Frage der Logistik und dabei die der Luftfracht angesprochen. In der Vergangenheit hatte diese eine vergleichsweise untergeordnete Rolle gespielt. Es wird sehr viel hochwertiges Halal-Rindfleisch aus Südamerika nach Europa und in muslimische Länder geflogen. Um alle Märkte abdecken zu können, wird das Fleisch aus Südamerika für alle Märkte weltweit direkt als Halal-Fleisch produziert. Leider werden Halalprodukte nicht separat in den Statistiken aufgeführt. Von daher weiß man leider nicht genau, wieviel Fleisch importiert oder exportiert wird. Liegt es an populistischen Vorstößen gegen Halal-Schlachtungen in Europa, dass dieses Thema stärker in den Fokus rückt, oder hat das noch andere Gründe? Vermutlich liegt es an der Tradition, dass in der Vergangenheit in Europa kein so großer Fokus auf Halalprodukte gelegt worden war. Wie weit hat sich im Bereich der Luftfahrt eine Infrastruktur zur Zertifizierung etabliert und welche weiteren Entwicklungen sind für die Zukunft zu erwarten? Der Bereich Halallogistik und konkret Luftfahrt ist noch relativ neu. Einige der etablierten Zertifizierer (u. a. unser Kooperationspartner HALAL CONTROL) bieten den Bereich aber bereits an. Lässt sich schon abschätzen, welche Auswirkungen Corona-bedingte Einschränkungen auf die Halal-Logistik hatten? Eine internationale Halal-Logistik gibt es noch nicht. Für Halalprodukte, die per Luftfracht transportiert worden sind, war es generell schwieriger, vom Produzenten z. B. in Südamerika zum Konsumenten in Europa zu kommen. Hintergrund ist, dass in den Corona-Zeiten viele Passagierflüge komplett eingestellt worden sind. Das hat dazu geführt, dass sich die Luftfrachtkapazitäten auf reine Frachter konzentriert haben und sogenannte „Bellyfracht“ weggefallen ist. Weiterhin sind viele Destinationen eingestellt worden. Vielen Dank für das Gespräch!

TRT Deutsch