30.11.2021, Barbados, Bridgetown: Präsidentin Sandra Mason (2.v.r) inspiziert eine Gruppe von Standartenträgern, nachdem sie den Orden von Barbados erhalten hat und als Präsidentin von Barbados während der Amtseinführungszeremonie auf dem Heroes Square in Bridgetown, Barbados, vereidigt wurde. (DPA)
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Barbados hat sich zum 55. Unabhängigkeitstag eine neue Staatsform verpasst - die Karibikinsel sagte sich von der britischen Monarchie los und erklärte sich zur parlamentarischen Republik. Im Beisein des britischen Thronfolgers Prinz Charles wurde in der Nacht zum Dienstag die Richterin Sandra Mason feierlich als erste Präsidentin und neues Staatsoberhaupt von Barbados vereidigt. Kurz nach Mitternacht (Ortszeit) gab es für Mason Salutschüsse und eine Parade der Staatsbediensteten auf dem Platz der Nationalhelden in der Hauptstadt Bridgetown.
Nicht dabei war eine Statue des britischen Admirals Horatio Nelson, die dort gut 200 Jahre gestanden hatte - bis vor einem Jahr. Inmitten von Protesten gegen Rassismus und Kolonialismus auf der ganzen Welt entfernte die Regierung damals die Statue von dem zentralen Platz, wo die Helden des Landes geehrt werden sollen. „Wenn wir nicht wissen, wer wir sind; wenn wir uns nicht darüber im Klaren sind, wofür wir kämpfen wollen, dann sind wir dazu verdammt, wieder ausgebeutet und kolonialisiert zu werden“, sagte dazu Premierministerin Mia Mottley.
„Koloniale Vergangenheit hinter uns lassen“
Gut ein Jahr zuvor war der Bruch mit der Krone verkündet worden. „Es ist an der Zeit, unsere koloniale Vergangenheit vollständig hinter uns zu lassen“, hieß es von Mottley in der jährlichen sogenannten Thronrede. Die Ansprache las Mason in ihrer bisherigen Rolle vor, als Generalgouverneurin des Inselstaates - also Vertreterin der Königin. Vor einigen Wochen wählte das Parlament von Barbados die 72-Jährige in das neu geschaffene Amt der Präsidentin. Regierungschefin bleibt Mottley.
Die Reaktion des Buckingham-Palasts fiel zurückhaltend aus: Die Angelegenheit sei „Sache der Regierung und des Volkes des Commenwealth-Staates“, hieß es im September 2020. Prinz Charles, der seine 95 Jahre alte Mutter in Barbados vertrat, betonte dort: Auch wenn sich einiges ändere, werde manches gleich bleiben - etwa die „enge und vertrauensvolle Partnerschaft“ und gemeinsame Werte. In einer Botschaft der Queen in der Nacht zum Dienstag hieß es, die Königin übermittle Glückwünsche an die Barbadier.
Popstar Rihanna war bei der Zeremonie dabei. Mottley verkündete, dass die barbadische Sängerin, die auch Sonderbotschafterin ihres Landes ist, in den Orden der Nationalhelden aufgenommen werde.
Mauritius sagte sich 1992 los
Das Commonwealth of Nations ist eine lose Verbindung von Staaten, die aus Großbritanniens ehemaligen Kolonien hervorgegangen sind. An der Spitze der Organisation steht Königin Elizabeth II. Barbados wurde am 30. November 1966 unabhängig von Großbritannien, die Queen blieb aber bisher Staatsoberhaupt. Zuletzt hatte sich im Jahr 1992 mit Mauritius ein Commonwealth-Mitglied von der Monarchie losgesagt.
Vor 394 Jahren kamen die ersten englischen Siedler nach Barbados. Bald bereicherten sie sich am Zuckeranbau durch afrikanische Sklaven. In seinem Buch „Die erste Gesellschaft schwarzer Sklaven“ von 2016 beschrieb der barbadische Historiker Hilary Beckles die Insel zwischen 1636 und 1876 als „die systematisch gewalttätigste, brutalste und rassistisch unmenschlichste Gesellschaft der Neuzeit“. Prinz Charles sprach in seiner Rede von der „entsetzlichen Gräueltat der Sklaverei, die unsere Geschichte für immer befleckt“.
Wegen dieser Vorgeschichte gibt es auf Barbados Forderungen nach Reparationen und Stimmen gegen den Besuch von Prinz Charles, wie der Aktivist Suleiman Bulbulia am Montag in der britischen Zeitung „The Guardian“ schrieb. Zugleich wird das Land mit knapp 300.000 Einwohnern aufgrund des starken Einflusses britischer Kultur auch „Little England“ (Klein-England) genannt. „Natürlich wird Barbados eine enge Beziehung zum Vereinigten Königreich aufrechterhalten“, betonte Bulbulia. Dies sei aber eine neue Ära. „Was ‚Little England‘ angeht, so erfordern diese Zeiten vielleicht einen neuen Kosenamen.“

DPA