Ahmed al-Mismari, Pressesprecher der Miliz von Khalifa Haftar, hat in einer Videobotschaft am Samstagabend erklärt, dass die selbsternannte „Libysche Nationalarmee“ (LNA) ab sofort alle militärischen Feindseligkeiten stoppe und den Waffenstillstand akzeptiere. Er drohte jedoch, dass die LNA hart reagieren werde, sollte die Waffenruhe verletzt werden.

Der Waffenstillstand trat um Mitternacht (Ortszeit) in Kraft. Er wurde mit einem Feuerwerk in der libyschen Hauptstadt Tripolis gefeiert. Nach der Waffenstillstandserklärung wurden in Tripolis keinerlei militärische Konfrontationen gemeldet, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur Anadolu aus der nordafrikanischen Hauptstadt berichtete.

Unterdessen kündigte das Verkehrsministerium der von der UNO anerkannten Regierung der Nationalen Einheit (GNA) an, den internationalen Flughafen in Tripolis wieder zu öffnen. Wegen der anhaltenden Angriffe der Haftar-Miliz in der Umgebung des Flughafens musste er geschlossen werden.

Die Ankündigung des Waffenstillstands erfolgte wenige Minuten nach einem Telefongespräch zwischen dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin.

Italien und Deutschland unterstützen Waffenruhe

Erdoğan und Putin hatten nach einem gemeinsamen Treffen am vergangenen Mittwoch in Istanbul auf einen Waffenstillstand gedrängt. Dieser zielt insbesondere darauf ab, den fortwährenden Angriffen Haftars auf Tripolis Einhalt zu gebieten. Inzwischen begrüßten auch internationale Stimmen die türkisch-russische Forderung.

Der italienische Premierminister Giuseppe Conte sagte in der Nacht zum Sonntag, der Waffenstillstand sei ein „erster Schritt“ zu einer politischen Lösung. Es sei noch ein langer Weg bis zum endgültigen Frieden, aber die Richtung sei schonmal „richtig".

Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Samstag in Moskau kommentierte die deutsche Bundeskanzlerin Merkel:

Wir hoffen, dass die gemeinsamen Anstrengungen Russlands und der Türkei zum Erfolg führen, und wir werden bald zu einer Konferenz nach Berlin einladen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Am vierten April 2019 startete Haftar eine Offensive, um Tripolis einzunehmen und die international anerkannte Regierung zu stürzen, die in der Hauptstadt ihren Sitz hat. Dabei werden die Truppen des libyschen Warlords von zahlreichen regionalen und internationalen Akteuren unterstützt. Dazu zählen Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate, Frankreich und Russland.

Nach Angaben der UNO wurden seit Beginn der Operation mehr als 1000 Menschen getötet und mehr als 5000 verletzt.

TRT Deutsch und Agenturen