Archivbild. 23.01.2018, Afghanistan, Kandahar: Eine US-amerikanische Drohne vom Typ MQ-9 steht am 23.01.2018 während einer Flugschau auf dem Flugplatz von Kandahar (Afghanistan). (DPA)

Die US-Streitkräfte haben eingeräumt, bei einem Drohnenangriff in der afghanischen Hauptstadt Kabul Ende August zehn unschuldige Zivilisten getötet zu haben, unter ihnen sieben Kinder. Der Drohnenangriff wenige Tage nach einem blutigen Anschlag am Flughafen von Kabul sei ein „tragischer Fehler“ gewesen, sagte der Chef des Zentralkommandos der US-Streitkräfte, General Kenneth McKenzie, am Freitag. Eine Untersuchung habe gezeigt, dass bis zu zehn Unschuldige, darunter bis zu sieben Kinder, ums Leben gekommen seien. Die USA stufe es jetzt als unwahrscheinlich ein, dass das Fahrzeug und die Getöteten Verbindungen zu Daesh-K hatten oder eine direkte Bedrohung für US-Truppen darstellten, sagte McKenzie. US-Verteidigungsminister spricht von einem „furchtbaren Fehler“ Die US-Streitkräfte hätten am 29. August in der festen Überzeugung gehandelt, dass das Fahrzeug eine Gefahr für US-Soldaten und auf eine Ausreise wartende Menschen am Kabuler Flughafen dargestellt habe, sagte McKenzie. Eine Armee-Untersuchung habe nun aber festgestellt, dass dies ein Fehler gewesen sei. Der General sprach den Angehörigen und Freunden der Opfer sein „tiefes Beileid“ aus und entschuldigte sich. Der General sprach von einer dramatischen Fehleinschätzung, verteidigte den Drohnenangriff aber mit der vermuteten Bedrohung und betonte, es habe sich um einen Selbstverteidigungsschlag gehandelt. Auf Nachfrage sagte der General, man erwäge Entschädigungszahlungen. Konkreter wurde er jedoch nicht. Auch Verteidigungsminister Lloyd Austin entschuldigte sich für den Drohnenangriff und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er versprach, die USA würden aus diesem „furchtbaren Fehler“ lernen. USA verteidigten Angriff auch nach Berichten über zivile Opfer Die US-Streitkräfte hatten Ende August zunächst erklärt, Ziel des Drohnenangriffs sei ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug gewesen, das eine unmittelbare Bedrohung für den Flughafen von Kabul dargestellt habe. An der Version wurden aber schnell Zweifel laut. Medien hatten bereits kurz nach diesem Luftanschlag berichtet, dass mehrere Zivilisten bei der Drohnenattacke ums Leben gekommen seien. Die USA hatten dies nicht direkt zurückgewiesen, sondern eine Prüfung angekündigt. Generalstabschef Mark Milley hatte den Angriff aber noch nach ersten Berichten über mögliche zivile Opfer verteidigt. Ein Verwandter der Opfer der Nachrichtenagentur AFP vor Ort, sein getöteter Bruder habe für eine Nichtregierungsorganisation gearbeitet und sei kein Daesh-Sympathisant gewesen. Weitere Zweifel entstanden nach einer Auswertung von Videoaufnahmen durch die „New York Times“.

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