Die Flaggen von der Ukraine und Russland wehen im Wind. (Reuters)
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Nach dem Beschuss des Atomkraftwerk-Geländes Saporischschja machen sich Russland und die Ukraine gegenseitig dafür verantwortlich. Das größte Atomkraftwerk Europas liegt im von Russlands Truppen besetzten Teil der Südukraine - bereits mehrfach kam es dort in den vergangenen Kriegsmonaten zu brenzligen Situationen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einem „Akt des Terrorismus“ durch die russische Seite und forderte neue Sanktionen, die gezielt die Nuklearindustrie des Nachbarlands treffen sollten. Das Außenministerium in Kiew warnte: Sollte ein Reaktor im Betrieb getroffen werden, seien die möglichen Folgen „gleichbedeutend mit dem Einsatz einer Atombombe“. Selenskyj fordert neue Sanktionen gegen Russland „Wer nukleare Bedrohungen für andere Völker schafft, ist definitiv nicht in der Lage, Nukleartechnologie sicher einzusetzen“, sagte Selenskyj in der Nacht zum Samstag. Konkret verlangte er etwa Strafmaßnahmen gegen den russischen Staatskonzern Rosatom. Erst vor wenigen Tagen hatte sich die Internationale Atomenergiebehörde IAEA besorgt gezeigt angesichts der Lage um das Kraftwerk, das mit sechs Blöcken und einer Leistung von 6000 Megawatt das größte Atomkraftwerk Europas ist. Eine Inspektion zur Prüfung der technischen Sicherheit sei dringend erforderlich, sagte IAEA-Chef Rafael Grossi. Aber es sei momentan sehr schwierig für die IAEA, überhaupt ins Kriegsgebiet nach Saporischschja zu kommen. Russland und Ukraine werfen sich Beschuss von Atomkraftwerk vor In Teilen der Stadt Enerhodar, in der das Kraftwerk liege, seien Strom- und Wasserversorgung ausgefallen, teilte das russische Verteidigungsministerium mit - und machte die ukrainische Armee dafür verantwortlich. Zudem habe ein Block des Akw teilweise abgeschaltet werden müssen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden. Von ukrainischer Seite hieß es hingegen, die Russen hätten das Gelände selbst beschossen. Infolge der russischen Angriffe sei eine Hochspannungsleitung zum benachbarten Wärmekraftwerk beschädigt worden, teilte der ukrainische staatliche Atomkonzern Enerhoatom mit. Das ukrainische Außenministerium appellierte an die internationale Gemeinschaft, sich dafür einzusetzen, dass die Russen den Ukrainern die Kontrolle über das Akw zurückgeben. Putin will Wirtschaftsbeziehungen mit Türkiye ausbauen Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan für die Vermittlung zum Abschluss des Getreide-Abkommens gedankt. Erdoğan habe nicht nur die Wiederaufnahme der ukrainischen Getreidelieferungen aus den Schwarzmeerhäfen befördert, sagte Putin bei einem Statement mit Erdoğan in Sotschi vor gemeinsamen Gesprächen am Freitag. „Sondern gleichzeitig wurde eine Paketlösung über die störungsfreie Lieferung russischer Lebens- und Düngemittel auf die Weltmärkte verabschiedet.“

Agrarexporte über die ukrainischen Schwarzmeerhäfen waren wegen des russischen Angriffskrieges zuletzt monatelang blockiert gewesen. Die Kriegsgegner Ukraine und Russland hatten am 22. Juli unter UN-Vermittlung jeweils getrennt mit Türkiye ein Abkommen unterzeichnet, um von drei Häfen Getreideausfuhren aus der Ukraine zu ermöglichen. Im Zuge der Einigung unterzeichneten die UN und Russland auch eine separate Absichtserklärung. Diese sieht nach UN-Angaben vor, den Export von russischen Lebensmitteln und Düngemitteln zu fördern.

Putin würdigte zudem die aus Russland und über Türkiye verlaufende Pipeline Turkstream. Die sei nicht nur eine der wichtigsten Versorgungsadern Europas, sondern funktioniere „im Gegensatz zu anderen Richtungen unserer Kohlenstofflieferungen störungsfrei, dynamisch und ohne Ausfälle“, so der Kremlchef mit Blick auf die seit Juni zurückgefahrenen Gasliefermengen bei der Pipeline Nord Stream 1.

Auch in den zwischenstaatlichen Wirtschaftsbeziehungen seien „sehr wichtige Entscheidungen“ getroffen worden, sagte Russlands Vize-Regierungschef Alexander Nowak. So sollen etwa für russische und türkische Unternehmen die Bedingungen für eine Zusammenarbeit erleichtert werden.

Mit Spannung erwartet worden war vor allem, ob Putin und Erdoğan über einen möglichen Erwerb von türkischen Kampfdrohnen durch Russland sprechen würden. Im Zuge des Ukraine-Krieges hatte Moskau zuletzt Interesse an der Baykar-Drohne des Typs Bayraktar TB2 geäußert. Am Abend hieß es jedoch von Journalisten der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti, die beiden Präsidenten hätten das Thema nicht angesprochen.

Baykar-CEO Haluk Bayraktar hatte zuvor beim TV-Sender CNN International betont, dass eine Kooperation mit Russland ausgeschlossen sei. Das Unternehmen stehe in vollster Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung und ihren Verteidigern, sagte Bayraktar. Lettland setzt Visa-Vergabe an Russen auf unbestimmte Zeit aus Lettland hat die Ausstellung von Visa für Russen angesichts des Kriegs in der Ukraine auf unbestimmte Zeit weiter eingeschränkt. Die lettische Botschaft in Moskau werde von nun an nur noch Visa-Anträge von russischen Staatsbürgern entgegennehmen, die an der Beerdigung eines nahen Verwandten in Lettland teilnehmen müssten, teilte die Auslandsvertretung des baltischen EU- und Nato-Landes mit. Fenerbahçe erhält UEFA-Strafe nach „Putin“-Rufen im Stadion Nach „Wladimir Putin“-Rufen durch eine Gruppe von Zuschauern beim Spiel Fenerbahçe Istanbul gegen Dynamo Kiew hat die UEFA den türkischen Club bestraft. Fenerbahçe muss 50.000 Euro Geldbuße zahlen und wurde zu einer Teil-Aussperrung seiner Fans auf Bewährung verurteilt, wie die Europäische Fußball-Union mitteilte. Manche Fenerbahce-Anhänger hatten in der zweiten Halbzeit der Partie der zweiten Champions-League-Qualifikationsrunde in Istanbul den Namen des russischen Präsidenten skandiert. Witalij Bujalskyj (57. Minute) hatte die Ukrainer kurz nach einer roten Karte gegen die Istanbuler in Führung gebracht und die türkischen Fans mit einem Jubel provoziert. Anschließend gab es „Wladimir Putin“-Rufe von der Tribüne. Der Vorfall wurde auch in den sozialen Medien breit diskutiert. Viele Fenerbahçe-Fans äußerten ihr Bedauern über das Verhalten der Anhänger im Stadion. Die Vereinsführung kritisierte die Rufe ebenfalls. Bereits vergangenen April hatte der Istanbuler Verein ein Freundschaftsspiel mit dem ukrainischen Klub Schachtar Donezk organisiert, um seine Solidarität im Ukraine-Krieg auszudrücken. Das wird am Samstag wichtig Die russischen Angriffe dürften sich auch am 164. Kriegstag besonders auf das ostukrainische Gebiet Donezk konzentrieren. Die ukrainische Armee verteidigt dort etwa die Orte Soledar und Bachmut. Diese sind strategisch wichtig, weil sie Teil der Verteidigungslinie um den Ballungsraum der Städte Slowjansk und Kramatorsk sind.

TRT Deutsch und Agenturen