Die Stadt Sirte liegt etwa 450 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis. Sie wurde seit 2016 von Truppen gehalten, die mit der UN-gestützten Regierung der Nationalen Einheit (GNA) verbündet sind. Am Montag haben Milizen von Warlord Khalifa Haftar die strategisch wichtige Stadt eingenommen.

Pro-GNA-Kräfte erklärten in einem Facebook-Posting am Montag, dass sie in Sirte angegriffen worden seien und dass Söldner aus dem Tschad an der Seite der Haftar-Miliz gekämpft hätten.

Überraschend bestätigte der Pressesprecher der GNA am Montag, dass die Stadt nun gefallen sei. „Sirte ist völlig befreit“, verkündete auch Haftars Pressesprecher Ahmad al-Mesmari im Fernsehen.

„Die Operation war schnell und dauerte nur drei Stunden“, sagte al-Mesmari. Die Vorbereitungen für die Einnahme hatten bereits Monate zuvor mit Luftangriffen auf Positionen von Pro-GNA-Kräften begonnen.

Al-Mismari sagte, dass Haftar-Loyalisten von fünf Land- und Seestellungen aus zugeschlagen und Luftunterstützung erhalten hätten. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Das ölreiche nordafrikanische Land ist seit dem von der NATO unterstütztem Aufstand im Jahr 2011, der den langjährigen Machthaber Muammar al-Gaddafi zum Fall brachte, im Chaos versunken. Das Land ist größtenteils zwischen der GNA mit Sitz in der Hauptstadt Tripolis und der Haftars Miliz im Osten aufgeteilt, die aber auch den größten Teil im Süden des Landes kontrolliert. Die Spannungen eskalierten im vergangenen Jahr, als Haftar im Januar eine Operation zur Einnahme Südlibyens startete. Im April begann er dann eine Operation auf die Hauptstadt Tripolis zur Entmachtung der GNA. Ende 2019 bat die international anerkannte GNA schließlich die Türkei um Hilfe. Daraufhin verabschiedete das türkische Parlament ein Gesetz, welches Ankara erlaubt, Truppen nach Libyen zu schicken, um die Regierung in Tripolis zu unterstützen. Am Sonntag verkündete Präsident Recep Tayyip Erdoğan, dass erste türkische Soldaten mit dem Einsatz in Libyen begonnen haben.

Ziel der Türkei ist es, den laufenden Putschversuch der Haftar-Truppen, die von Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Frankreich unterstützt werden, zu verhindern. Das Unterfangen ist eine Herausforderung für Ankara, da Hunderte von russischen Söldnern an der Frontlinie die Milizen Haftars unterstützen.

Vorerst sollen keine türkischen Kampftruppen in Libyen eingesetzt werden. Stattdessen wird sich die türkische Armee auf die Ausbildung und logistische Unterstützung der GNA-Kräfte fokussieren.

TRT Deutsch und Agenturen