Der von Interpol gesuchte NBA-Spieler Enes Kanter posiert mit dem ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton und seiner Frau Hillary Clinton.

Der Spieler des US-amerikanischen Basketball-Clubs Boston Celtics und freimütige Kritiker von Präsident Donald Trump, Enes Kanter, hat sich am Montag Protesten in Boston angeschlossen. Er rief mit den Worten „Wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte“ zu politischen Veränderungen im Land auf.

Als Reaktion auf die rassistisch motivierte Tötung von George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis fanden in vielen Teilen der Stadt Demonstrationen statt. Mit einem Celtics-Trikot ging auch Kanter auf die Straße und skandierte: „Ich kann nicht atmen“.

„Ich möchte Ihnen allen für das danken, was Sie tun. Ich weiß das wirklich zu schätzen. Das zweite, was ich sagen möchte: Wir brauchen Veränderungen. Der Wandel kann nicht warten. Ich werde emotional, aber wir sind auf der richtigen Seite der Geschichte. Und wissen Sie was? Schwarze Leben sind wichtig“, sagte Kanter, als er sich an die aufgebrachte Menge wandte.

Damit scheint sich Kanter eindeutig gegen Präsident Trump zu positionieren, der wegen der jüngsten Ereignisse rund um die brutale Tötung des Afroamerikaners George Floyd in Minneapolis durch weiße Polizisten in der Kritik steht. Der Basketballer ist zudem für seine lautstarke Unterstützung der ehemaligen Präsidentschaftskandidatin und Gegnerin von Trump, Hillary Clinton, sowie der Demokratischen Partei bekannt.

Laut Medienberichten aus dem Jahr 2016 soll die Gülen-Sekte, deren treues Mitglied Kanter ist, für den Wahlkampf von Hillary Clinton fast zwei Millionen Dollar gespendet haben.

Enes Kanter - Verbindungen zu Putschisten

Der Basketballer gilt als eifriger Anhänger des in den USA ansässigen Sektenführers Fetullah Gülen, der zugleich der Anführer der Fetullahistischen Terrororganisation (kurz: „FETÖ“) ist.

Beim vereitelten Putschversuch vom 15. Juli 2016 in der Türkei versuchte die Organisation, die demokratisch gewählte Regierung des Landes zu stürzen, nachdem der Sektenführer Gülen und seine Anhängerschaft über Jahre hinweg staatliche Institutionen systematisch unterwandert hatten. Insbesondere seien Militär, Polizei und die Justiz Ziel der Infiltration gewesen. Auf diese Weise sei ein „Parallelstaat“ entstanden, der von Gülen kontrolliert wurde, heißt es von türkischer Seite. Bei Zusammenstößen zwischen den bewaffneten Putschisten und den protestierenden Zivilisten starben in jener Nacht mehr als 250 Menschen, rund 2200 Menschen wurden verletzt.

Kanter ist bekannt für seine umstrittenen, meist in türkischer Sprache verfassten Beiträge in sozialen Medien. In diesen sichert er seinem Sektenführer routinemäßig seine totale Loyalität zu.

Kanter erklärte, er liebe Gülen „mehr als seine Familie“, und änderte seinen Nutzernamen auf Twitter zu Enes Gülen. Zuvor habe sein eigener Vater in einem offenen Brief ihn gebeten, „sofort seinen Familiennamen zu ändern“.

Im Januar 2019 beschloss die Türkei infolgedessen, aufgrund seiner Propagandatätigkeit und Mitgliedschaft bei einer Terrororganisation einen Auslieferungsersuch für Kanter an Interpol zu richten. Ankara bat die internationale Polizeiorganisation um einen roten Vermerk für seine Verhaftung.

NBA: Eine Plattform für Propaganda

Der ehemalige NBA-Star Hidayet Türkoğlu kritisierte in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ESPN, Kanter missbrauche die NBA als Plattform zur Unterstützung der Gülenisten.

Türkoğlu, bei den Fans besser als „Hedo“ bekannt, unterstrich im Gespräch mit dem ESPN-Reporter Jeremy Schaap im Jahr 2019, dass Kanter seine Position als Basketballer der NBA als „Plattform für die Propaganda eines Terroristenführers“ nutze.

Unsterbliche Loyalität zu Gülen

Im Jahr 2016 erklärte Kanter in einem Brief an seinen Sektenführer: „Gott, nimm jede Sekunde meines Lebens und gib sie meinem lieben Führer Fetullah Gülen.“

„Ich werde meinen Vater und meine Mutter für Hizmet, für diese Sache, opfern“, versprach er in einem anderen Brief. Das Wort „Hizmet“, was auf Türkisch so viel wie „Dienst“ bedeutet, wird gerne von Gülenisten benutzt, um ihre ideologischen Aktivitäten zu umschreiben.

Sein Vater und seine Familie haben den Basketball-Spieler für seine bedingungslose Unterstützung der Terrororganisation verurteilt. Die Eltern glauben, dass ihr Sohn von der Gruppe indoktriniert wurde.




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