Palästinenser haben nach einem israelischen Luftangriff ein junges Mädchen aus den Trümmern eines zerstörten Wohnhauses gerettet. / Photo: DPA (dpa)
Folgen

Staats- und Regierungschefs aus aller Welt haben auf einem Nahost-Gipfel eine Feuerpause zwischen Israel und der Hamas gefordert. Diese solle unter anderem „massive“ humanitäre Hilfe für die notleidende Zivilbevölkerung im Gazastreifen ermöglichen, sagte UN-Generalsekretär António Guterres am Samstag in Kairo. Wenige Stunden nach Ankunft der ersten Hilfsgüter im Gazastreifen kündigte die israelische Armee eine sofortige Verstärkung der dortigen Luftangriffe an.

UN-Chef warnt vor humanitärer Katastrophe in Gaza

Im Gazastreifen ereigne sich derzeit eine „humanitäre Katastrophe“, sagte Guterres und forderte ein weltweites „Handeln zur Beendigung dieses schrecklichen Albtraums“. Es müsse „viel mehr“ Hilfe für die 2,4 Millionen Bewohner des palästinensischen Gebietes geben.

Antonio Guterres (M), Generalsekretär der Vereinten Nationen, spricht während einer Pressekonferenz am Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen. Die dringend benötigte Lieferung von Hilfsgütern in den abgeriegelten Gazastreifen dürfte nach Einschätzung der UN im Laufe der nächsten Tage über den Grenzübergang Rafah von Ägypten aus anlaufen. (DPA)

Auch Jordaniens König Abdullah II., dessen Land ebenso wie Gipfel-Gastgeber Ägypten seit Jahrzehnten zu den Vermittlern im Nahostkonflikt zählt, forderte eine „sofortige Waffenruhe“.

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi betonte seinerseits, dass auch die Palästinenser ein „Recht auf einen eigenen Staat“ hätten. Diese Forderung wurde auch von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas erhoben, der ein „Ende der israelischen Besatzung“ der Palästinensergebiete forderte.

Türkischer Außenminister Fidan fordert „konkreten Lösungsansatz“

Der türkische Außenminister Hakan Fidan sprach sich für einen konkreten Lösungsansatz aus. Es sei notwendig, die Schritte für einen gerechten Frieden unter Garantie zu stellen. Türkiye werde niemals zulassen, dass das Leid der Palästinenser weitergehe, betonte der Chefdiplomat weiter und warnte zugleich vor einer Fortsetzung der israelischen Angriffe. Andernfalls sei die Stabilität und der Frieden auch über die Region hinaus bedroht.

An dem Gipfel nahmen zudem EU-Ratspräsident Charles Michel sowie Regierungschefs beziehungsweise Außenminister mehrerer europäischer Länder teil. Auch Vertreter der USA, Russlands, Chinas, Japans und Kanadas waren vor Ort.

Nach Angaben von arabischen Diplomaten konnte sich die Teilnehmer des „Cairo Summit for Peace“ nicht auf eine gemeinsame Abschlusserklärung einigen. Während westliche Vertreter eine „klare Verurteilung“ des Vorgehens der Widerstandsorganisation Hamas gefordert hätten, hätten arabische Vertreter dies abgelehnt.

Der türkische Außenminister Hakan Fidan (AA)

Ungeachtet der Forderungen nach einer Feuerpause kündigte ein israelischer Armeesprecher am Abend an, die Luftangriffe im Gazastreifen würden ab sofort verstärkt. „Wir müssen in die nächste Phase des Krieges unter bestmöglichen Bedingungen eintreten“, sagte er.

Israel fliegt seit dem Vergeltungsschlag der Hamas am 7. Oktober erneut massive Luftangriffe auf die Palästinenser in Gaza. Zugleich bereitet die israelische Armee einen Großangriff mit Bodentruppen auf die dicht besiedelte Enklave vor.

Am Morgen waren erste internationale Hilfslieferungen im Gazastreifen eingetroffen. In den vergangenen Tagen hatten sich dutzende Lastwagen am ägyptischen Grenzübergang Rafah gestaut, den Israel täglich angreift und auch komplett abgeriegelt hat.

Lediglich 20 LKWs bringen Hilfe nach Gaza

Am Samstag nun passierten insgesamt 20 Lastwagen den Grenzübergang in Rafah, wie AFP-Reporter berichteten. Nach der Durchfahrt der Lastwagen wurde der Grenzübergang zunächst aber wieder geschlossen. Der Grenzübergang Rafah ist der einzige nicht von Israel kontrollierte Zugang zum Gazastreifen. Nach Einschätzung der UNO müssten täglich mindestens hundert Lastwagen mit Hilfsgütern den Gazastreifen erreichen, um die Bevölkerung grundlegend zu versorgen. UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths betonte nach dem Beginn der Lieferungen, dass dieser erste Konvoi nicht der letzte bleiben dürfe.

Ägyptische Freiwillige feiern, als die ersten Lastwagen mit Hilfsgütern für den Gaza-Streifen den Grenzübergang Rafah zwischen Ägypten und dem Gaza-Streifen passieren. (DPA)

Nach Angaben aus Gaza wurden in den vergangenen zwei Wochen mindestens 4385 Menschen durch israelische Angriffe getötet und 13.651 weitere verletzt.

TRT Deutsch und Agenturen