Der einzige funktionierende Flughafen der libyschen Hauptstadt ist nach neuen Angriffen und Drohungen des Warlords Khalifa Haftar am Mittwoch geschlossen worden. Haftar loyale Truppen bombardierten den Flughafen mit mindestens sechs Grad-Raketen.

Die militärische Eskalation ist ein weiterer Rückschlag für die Friedensbemühungen, während sich die Region auf ein Treffen der Außenminister in Algerien am Donnerstag zur Befriedung des Bürgerkriegs vorbereitet.

Der Flughafen wird seit dem Beginn einer monatelangen Offensive auf Tripolis regelmäßig von Truppen Haftars mit Raketen bombardiert. Die Behörden des Flughafens Mitiga sagten, dass sie den Flugverkehr „bis auf weiteres“ aussetzen werden, nachdem Haftars Militärsprecher Ahmad al-Mesmari damit gedroht hatte, auch zivile Flugzeuge ins Visier zu nehmen.

„Jedes Militär- oder Zivilflugzeug, das die Hauptstadt überfliegt, wird unabhängig von seiner Zugehörigkeit zerstört werden“, warnte al-Mesmari. Er fügte hinzu, dass solche Flüge als Verletzung eines seit dem 12. Januar geltenden Waffenstillstands betrachtet würden.

Haftars Militärsprecher behauptete, die international unterstützte Regierung der Nationalen Einheit (GNA) nutze den Flughafen für militärische Zwecke als Basis für türkische Soldaten, die von Ankara zur Unterstützung entsandt wurden.

Der Angriff fand nur neun Tage nach der Wiedereröffnung des Flughafens im Zuge der Einigung auf einen landesweiten Waffenstillstand statt. Die involvierten Welt- und Regionalmächte haben in den letzten Wochen ihre Bemühungen um eine politische Lösung des zermürbenden Konflikts verstärkt. Das Nachbarland Algerien veranstaltet in Folge der Berlin-Konferenz am Donnerstag ein Treffen, bei dem über das weitere Vorgehen diskutiert werden soll.

Diplomaten-Treffen in Algerien

Das algerische Außenministerium gab bekannt, dass sich Chefdiplomaten aus Tunesien, Ägypten, Sudan, Tschad, Niger und Mali in Algier treffen, um „eine politische Lösung der Krise durch einen alle Parteien einbeziehenden Dialog voranzutreiben“.

Algerien, das im Libyen-Konflikt neutral geblieben ist, hat eine Grenze von fast 1000 Kilometern mit seinem libyschen Nachbarn. Libyen befindet sich seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi 2011 im Bürgerkrieg. Das Land wird durch Aufständische, die von der NATO unterstützt wurden, mit Gewalt erschüttert.

Es wurde nicht gesagt, ob libysche Delegationen zu dem Treffen eingeladen wurden, aber der Außenminister der GNA-Regierung, Mohamad Tahar Siala, gab eine Erklärung ab, in der er sagte, er „verweigere“ die Teilnahme. Der Grund sei die Anwesenheit seines Amtskollegen der Haftar-Regierung.

Mitiga liegt östlich der Hauptstadt und ist ein ehemaliger Militärflughafen, der für den zivilen Verkehr genutzt wird, seit der internationale Flughafen von Tripolis bei Kämpfen im Jahr 2014 schwer beschädigt wurde.

Die Türkei unterstützt die UN-anerkannte Regierung der Nationalen Einheit (GNA). Anfang Januar entsandte Ankara im Rahmen eines Kooperationsabkommens Militärausbilder in das Bürgerkriegsland, um einen Militärputsch durch Haftar-Truppen zu vermeiden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wird am Sonntag in der algerischen Hauptstadt für einen zweitägigen Besuch erwartet, der ebenfalls mit dem Libyen-Konflikt zusammenhängt.

Auch Deutschlands Spitzendiplomat Heiko Maas wird am Donnerstag in Algier erwartet, teilte das algerische Außenministerium mit.

TRT Deutsch und Agenturen