28.01.2020, China, Fuyang: Medizinisches Personal in Schutzanzügen wartet in der zentralchinesischen Provinz Anhui am Eingang einer Klinik für Fieberpatienten und Patienten aus Wuhan. (dpa)
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Ein US-Medienbericht hat den Mutmaßungen über einen möglichen Laborunfall in China als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie neuen Auftrieb gegeben. Das „Wall Street Journal“ berichtet unter Berufung auf einen US-Geheimdienstbericht, im November 2019 seien drei Mitarbeiter des Instituts für Virologie in der Stadt Wuhan so schwer erkrankt, dass sie ein Krankenhaus hätten aufsuchen müssen.

Allerdings machen derzeitige und frühere US-Regierungsvertreter gegenüber dem „Wall Street Journal“ unterschiedliche Angaben darüber, wie belastbar die zugrunde liegenden Informationen seien.

Das US-Außenministerium hatte noch im Januar – zum Ende der Amtszeit von Präsident Donald Trump – erklärt, es gebe Anlass zu der Annahme, dass mehrere Mitarbeiter des Labors in Wuhan bereits im Herbst 2019 und damit vor den ersten offiziellen Corona-Fällen erkrankt seien. Sie hätten Symptome gehabt, die „sowohl mit Covid-19 als auch mit gewöhnlichen saisonalen Erkrankungen übereinstimmen“.

Neu an dem Bericht des „Wall Street Journal“ ist nun die Nennung einer genauen Zahl an erkrankten Mitarbeitern und die Tatsache, dass diese ins Krankenhaus mussten. Die ersten Corona-Infektionen waren Ende 2019 in Wuhan bekannt geworden.

Seitdem wurde immer wieder darüber spekuliert, dass das Virus bei einem Unfall aus dem Institut für Virologie, in dem mit Coronaviren geforscht wird, entwichen sein könnte. Die chinesische Regierung hat das energisch bestritten.

Ein Team internationaler Experten stufte es im März als unwahrscheinlich ein, dass das Virus versehentlich aus einem Labor entwichen sei. Daher hätten sie diese Spur nicht weiter verfolgt.

An dem Bericht wurden aber schnell Zweifel laut. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, warf China nach Ende der Expertenmission vor, unzureichende Daten zu den Ursprüngen des Coronavirus geliefert zu haben und kritisierte das Verhalten der chinesischen Führung. Tedros forderte deshalb, die Hypothese eines Laborunfalls in Wuhan weiter zu prüfen. Zahlreiche Staaten äußerten ebenfalls ihre Besorgnis darüber, dass den Experten bei ihrer Untersuchung in China der Zugang zu Daten verwehrt worden sei.

Die Corona-Pandemie ist das zentrale Thema der am Montag begonnenen WHO-Jahrestagung in Genf. Dabei geht es auch um die Kompetenz der Organisation beim Auftreten neuer Krankheiten. Die WHO kann Experten bislang nur mit Zustimmung des jeweiligen Landes in eine Krisenregion schicken.

Es gibt Forderungen, dies zu ändern. Internationale Experten hatten erst Monate nach dem Corona-Ausbruch nach China reisen dürfen. Ärzte, die bereits im Dezember 2019 in Chats Besorgnis über Fälle einer bis dahin noch nicht identifizierten Atemwegserkrankung in Wuhan geäußert hatten, wurden vom Regime zum Widerruf ihrer Darstellungen gezwungen.

Bis weit in den Januar 2020 hinein ließ Peking die WHO und andere Länder über die Übertragbarkeit des neuartigen Coronavirus von Mensch zu Mensch im Unklaren. Allerdings hatte Taiwan das Risiko durch die neuartige Atemwegserkrankung bei Einreisenden aus Wuhan frühzeitig bemerkt und seinen in der Zeit nach dem SARS-Ausbruch Anfang der 2000er erarbeiteten Seuchenschutzplan in Kraft gesetzt. Auf WHO-Ebene konnte man seine Erfahrungen jedoch nicht teilen: Die Organisation verwehrt Taiwan auf Druck Pekings eine Mitgliedschaft.

AFP