22. Oktober 2021: Arbeitstisch von Daniş Tunalıgil (AA)
Folgen

Der Gründer und Leiter des Wiener Kriminalmuseums, Harald Seyrl, hat in einem Interview die Ermordung des türkischen Diplomaten Daniş Tunalıgil durch armenische Terroristen geschildert. „Das war ein Anschlag auf eine Nation und ein Land, mit dem wir befreundet sind“, erklärte der Historiker am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu.

Am 22. Oktober 1975 wurde der damals in Wien als Botschafter der Türkei tätige Tunalıgil von Mitgliedern der armenischen Terrororganisationen ASALA und JCAG ermordet. Das Attentat löste international Entsetzen aus.

22. Oktober 2021: Harald Seyrl, Leiter des Wiener Kriminalmuseums (AA)

Der Tathergang Laut Seyrl haben die drei Terroristen zunächst das Botschaftsgebäude unauffällig betreten. Da die türkische Botschaft zu der Zeit im regulären Betrieb gewesen sei, habe man zunächst keinen Verdacht geschöpft. Doch als ein Mitarbeiter die Tür aufgemacht habe, sei er sofort angegriffen und zu Boden geworfen worden. Die Terroristen trugen demnach eine Pistole und ein leichtes Maschinengewehr bei sich.

Die Angreifer hätten zunächst den Empfang und schließlich auch das Sekretariat unter ihre Kontrolle gebracht. Seyrl merkt an, dass auch die Telefonleitungen durchtrennt worden seien. Die Botschaft habe deshalb niemanden kontaktieren können.

„Während einer der bewaffneten Terroristen beim Sekretär wartete, trat ein anderer in das Büro des Botschafters ein“, schildert Seyrl. „Der Botschafter befasste sich an seinem Arbeitstisch mit Dokumenten, als ihn der Terrorist auf türkisch fragte, ob er der Botschafter sei.“ Der Diplomat habe jedoch „klug“ reagiert und die Frage verneint – jedoch vergeblich. Er sei kurz danach mit mehreren Schüssen ermordet worden. Täter bis heute nicht identifiziert

Dem Historiker zufolge waren österreichische Ermittler bemüht, das Attentat aufzuklären. So hätten diese Istanbul und Ankara besucht und mit türkischen Behörden kooperiert. Dennoch seien die Täter bislang nicht aufgespürt worden.

Insgesamt drei türkische Diplomaten wurden in den 1970er und 1980er Jahren in Wien ermordet. Die von der türkischen Botschaft jährlich organisierten Gedenkveranstaltungen seien eindrucksvoll, so Seyrl. Er gab zudem an, dass derzeit an einem Buch über die drei verstorbenen Diplomaten gearbeitet werde.

22. Oktober 2021: Büro von Daniş Tunalıgil (AA)

Das Büro von Tunalıgil ist heute eine Art „Museumsraum“, wie der türkische Botschafter Ozan Ceyhun erzählt. Zugleich betont er: „Unser Kampf gegen Terrorismus – egal ob armenische Terrororganisationen, die PKK, die PYD oder Daesh – wird fortgeführt“.

Ceyhun erinnert, dass auch die Mörder der türkischen Diplomaten Erdoğan Özen und Enver Ergun bislang nicht identifiziert wurden.

TRT Deutsch