Der türkische Botschafter in Berlin, Ali Kemal Aydın.

Der türkischer Botschafter in Berlin, Ali Kemal Aydın, hat sich am Mittwoch mit den Familienangehörigen der Hanauer Terroropfer getroffen. Der Schmerz und die Trauer des rassistischen Angriffs sei immer noch frisch in den Erinnerungen und Herzen der Menschen, sagteAydın in Berlin.

An dem Besuch teilgenommen haben unter anderem auch Familienmitglieder des Opfers Fatih Saraçoğlus sowie die Vorsitzende des Ausländerbeirats der Gemeinde Hanau, Selma Yılmaz-İlkhan.

Botschafter Aydın betonte, dass der Vorfall in Hanau nicht der erste rassistische Terroranschlag gegen türkischstämmige Menschen in Deutschland gewesen sei: „Die türkische Gesellschaft war auch zuvor vielen rassistischen Morden ausgesetzt, mehr als 50 unserer Bürger kamen bei diesen Anschlägen ums Leben. Wir haben nicht vergessen; wir werden unsere Bürger nicht vergessen, die in Mölln und Solingen verbrannt wurden und von der NSU brutal ermordet wurden.“

Bundesregierung hat positive Schritte unternommen

Diskriminierung, Rassismus, Islam- und Fremdenfeindlichkeit hätten in den letzten Jahren sowohl in Deutschland als auch in Europa zugenommen. Dieser Umstand stelle eine große Bedrohung für die türkischstämmigen Menschen dar. Nach dem Anschlag von Hanau habe die Bundesregierung diesbezüglich einige positive Schritte unternommen. „Wir werden die Umsetzung dieser Schritte und der Versprechen verfolgen“, so Aydın.

In Bezug auf die Aussage des deutschen Präsidenten Frank Walter Steinmeier, dass „der rassistische Terror von Hanau nicht aus heiterem Himmel gekommen” sei, fuhr Aydın wie folgt fort: „Leider reichen die Wurzeln des Rassismus in Deutschland bis tief in die Gesellschaft hinein. Es ist wichtiger denn je, dieses Problem ernsthaft und effektiv anzugehen.“ Der Botschafter bekräftigte die Erwartung der Türkei, dass alle Aspekte des rassistischen Terroranschlags in Hanau eingehend untersucht und aufgeklärt werden.

Vertrauen in die Gerechtigkeit wiederherstellen

Der türkische Staat unterstütze nachdrücklich die berechtigten Forderungen der Angehörigen in diese Richtung: „Die deutschen Behörden müssen alle Entwicklungen, die zu dem Vorfall geführt haben, einschließlich den Hintergrund des Täters und wie er eine Waffenlizenz erhalten hat, untersuchen und offenlegen, um das Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit wiederherzustellen.“ Der Abschluss des Falls durch eine finanzielle Entschädigung nur für die Familien der Opfer sei nicht mit Gesetz und Gerechtigkeit vereinbar.

Der Rechtsterrorist Tobias Rathjen hatte am 19. Februar zwei Shishacafés und einen Kiosk in Hanau bei Frankfurt angegriffen. Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Ünvar, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtoviç, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Paun und Said Nesar Hashemi hatten bei dem Anschlag ihr Leben verloren. Rathjen kehrte nach dem Angriff nach Hause zurück und begann Selbstmord, nachdem er seine Mutter Gabriele Rathjen getötet hatte.

AA