Thüringen, Erfurt: Das Landgericht Erfurt. Zwei Beamte sollen während eines Einsatzes eine Frau vergewaltigt haben. Jetzt stehen sie deswegen vor Gericht.

Nach einer coranabedingten Verschiebung des Prozesses müssen sich zwei Polizisten aus Thüringen ab diesen Dienstag vor dem Erfurter Landgericht wegen Vergewaltigung im besonders schweren Fall verantworten. Die Anklagebehörde wirft den Beamten auch die Ausnutzung ihrer Amtsstellung vor.

Die zwei jungen Polizisten überprüften bei einer Verkehrskontrolle in der Kleinstadt Arnstadt Ende September vergangenen Jahres die Personalien einer Frau und deren Begleiters. Doch der Pass der gebürtigen Polin ist gefälscht, also nehmen die Beamten das Paar in Gewahrsam und fahren zur Klärung der Identität in die Wohnung der Frau nach Marlishausen (Ilm-Kreis). Dort wird die damals 32-Jährige dann von den beiden Polizisten nacheinander vergewaltigt, so die Staatsanwaltschaft.

Sie hat die beiden 23 und 28 Jahre alten Männer unter anderem wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung im besonders schweren Fall angeklagt. Die Männer - der Jüngere hat noch ein Beamtenverhältnis auf Probe - versahen bis Herbst ihren Dienst bei der Polizeiinspektion in Gotha. Seit Anfang Oktober sitzen sie in Untersuchungshaft.

Die Richter haben in dem Verfahren zu klären, ob der Sex im Dienst gegen den Willen der Frau erfolgte. Die beiden Polizisten hatten laut einem Sprecher der Erfurter Staatsanwaltschaft während der Ermittlungen den Sex zwar eingeräumt - allerdings soll er nach ihren Schilderungen einvernehmlich gewesen sein. Während des Geschlechtsverkehrs hatten die beiden Beamten der Staatsanwaltschaft zufolge auch ihre Dienstwaffen bei sich, was im Falle einer Verurteilung strafverschärfend wirkt.
Nach dpa-Informationen soll einer der beiden den Sex auch mit dem Handy gefilmt und damit vor einem dritten Kollegen geprahlt haben, der währenddessen mit dem Begleiter der Frau im Dienstwagen saß. Die möglichen Aufnahmen konnten bislang aber noch nicht wiederhergestellt werden, da die SIM-Karte später entfernt und das Handy ins Wasser geworfen worden war.
Ruf der Thüringer Polizei geschadet
„Dieser Fall hat bundesweit für Aufsehen und große Fragezeichen gesorgt“, sagt der Landesvorsitzende der Thüringer Gewerkschaft der Polizei (GdP), Kai Christ. Er spricht von einem „einmaligen Vorgang“, der dem Ruf der Thüringer Polizei geschadet habe. „Die Kollegen sind zutiefst erschüttert und können es einfach nicht fassen“, beschreibt der Gewerkschafter die Stimmungslage unter Thüringer Polizisten.
Den Angeklagten droht bei einem Schuldspruch wegen Vergewaltigung eine Strafe von drei bis 15 Jahren. In diesem Falle wären sie zugleich ihre Jobs bei der Polizei los. Ein Beamter auf Lebenszeit ist laut GdP-Landeschef bei einem Strafmaß von mehr als zwölf Monaten aus dem Dienst zu entfernen. Derzeit sind die beiden vorerst suspendiert.
So ungewöhnlich wie zwei Gesetzeshüter auf der Anklagebank sind, ist auch der Prozess in Corona-Zeiten. So werden besondere Vorkehrungen zum Schutz vor dem Virus getroffen, kündigt der Sprecher des Landgerichts, Burkhard Keske, an. Um mögliche Infektionsketten nachvollziehen zu können, werden die Personalien von Zuschauern und Prozessbeobachtern aufgenommen. Zudem wird die Zahl der Sitzplätze beschränkt, Mund-Nasen-Schutz ist Pflicht. Für den Prozess sind laut Keske bis Anfang Juli zunächst sieben Verhandlungstage eingeplant.

DPA