Frankfurt-Gallus: Der psychisch erkrankte Türkischstämmige wird von mehreren Beamten am Boden fixiert (Screenshot aus TRT Deutsch-Video). (TRT Video)

Nach der Polizeigewalt gegen einen psychisch erkrankten Türkischstämmigen in Frankfurt-Gallus hagelt es weiterhin Kritik. Der Anwalt der Opfer-Familie, Fatih Zingal, erklärte nun gegenüber TRT Deutsch, dass dieser Einsatz „aus anwaltlicher Sicht als unverhältnismäßig einzustufen“ sei. „Insbesondere in der deutsch-türkischen, in der muslimischen Community schwindet das Vertrauen in die Polizeiarbeit durch unverhältnismäßige Polizeigewalt“, fügte er hinzu.

Am Sonntag waren mehrere Aufnahmen eines Polizeieinsatzes in Frankfurt viral gegangen. Auf den Videos ist zu sehen, wie mehrere Beamte auf eine Person, die unbewaffnet auf dem Boden liegt, mit Schlagstöcken einschlägt. Die Aufnahmen lösten nicht nur im Netz eine Kritik-Welle aus: Auch der Vize-Außenminister der Türkei, Yavuz Selim Kıran, verurteilte den Einsatz am Sonntag. Laut den Angehörigen des psychisch Erkrankten hatte dieser krankheitsbedingt einen Anfall. Die Polizei Frankfurt behauptete jedoch, dem Einsatz sei eine Streiterei vorausgegangen. Eine Streife habe versucht, diese aufzulösen. Der unbewaffnete 34-Jährige habe dabei angeblich Widerstand geleistet, weshalb die Beamten Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt hätten. Auf eine Anfrage von TRT Deutsch zum detaillierten Geschehen antwortete die Polizei, dass „die Rechtmäßigkeit des Vorgehens der Beamten mitgeprüft und untersucht“ werde.

Rechtsanwalt Zingal hält die Pressemitteilung der Polizei für „unglaubwürdig“. Es gebe „reflexartige“ Erklärungen der Polizei, die nach unverhältnismäßigen Einsätzen das Verhalten der Beamten in Schutz nehmen würden. Das Geschehene sei auch aus der Perspektive des 34-Jährigen zu bewerten: Aussagen seiner Familienmitglieder zufolge waren die Beamten zuvor auf die psychische Erkrankung des Mannes hingewiesen worden. Laut Zingal dokumentieren die diversen Aufnahmen des Vorfalls zudem die überzogene Reaktion der Beamten: „So kann man ganz klar erkennen, dass Polizisten den auf dem Boden liegenden Tatverdächtigen unnötigerweise mit Schlagstöcken malträtieren.“ Dem Rechtsanwalt zufolge wurde der Türkischstämmige „grundlos“ geschlagen.

Opfer-Anwalt fordert Konsequenzen für involvierte Beamten

Laut Opfer-Anwalt Zingal muss es Konsequenzen für die Beamten geben, die „sinnlose Polizeigewalt angewendet haben, die wirklich in keiner Weise erforderlich war“. Der Vorfall in Frankfurt sei nicht der erste unverhältnismäßige Polizeieinsatz. Der Rechtsanwalt bedauert, dass durch solche Ereignisse „das Vertrauen in die Polizei mehr und mehr schwindet.“

Die Konsequenzen für unverhältnismäßige Gewaltanwendung müssten auch an die Öffentlichkeit gelangen, damit der Einsatz von Beamten, die „gute Arbeit leisten, nicht in Misskredit gerät“. Zingal fordert, Polizisten, die unverhältnismäßig Gewalt anwenden, gegebenenfalls aus dem Beamtenverhältnis zu entlassen.

Laut dem Rechtsanwalt stellen solche Fälle von Polizeigewalt jedoch nur die Spitze des Eisbergs dar. Die deutsch-türkische und muslimische Community befürchteten eine sehr hohe Dunkelziffer bei Polizeieinsätzen mit unverhältnismäßiger Gewaltanwendung. Viele Vorfälle würden nicht dokumentiert.

TRT Deutsch