Die Sultanahmet Moschee im bayrischen Dietenhofen. (Others)

Islamfeindliche Angriffe auf muslimische Einrichtungen in Deutschland häufen sich: Am Donnerstag haben die Sultanahmet-Moschee im bayrischen Dietenhofen sowie die Mescidi-Aksa-Moschee im baden-württembergischen Hüfingen „NSU 2.0“-Drohbriefe mit islamfeindlichen Inhalten erhalten. Beide Moscheen gehören dem Dachverband der islamischen Religionsgemeinschaft DITIB an.

Nach Angaben von Hüseyin Yağlı, Vereinsvorsitzender der Sultanahmet-Moschee, wurde der Brief per Post an die Moscheen geschickt. Der Briefstempel stamme aus Chemnitz. Yağlı erklärte, er habe am Donnerstag um 18.00 Uhr den Briefkasten geleert und dort den Brief vorgefunden. Anschließend habe er sofort die Polizei kontaktiert.

Im dreiseitigen Brief sind unter anderem Drohungen gegen Muslime sowie Beleidigungen gegen den Propheten Mohammed enthalten. Der Brief zeigt zudem umstrittene „Charlie Hebdo“-Karikatur von dem Propheten Mohammed und des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan.

Ein Ausschnitt aus dem Drohbrief an die Sultanahmet Moschee. (Others)

Der rechtsextremistische Verfasser kündigt darin an, demnächst „Wildschweine“ durch Moscheen zu jagen. Dann könne sich Erdoğan „wenigstens nicht über Stiefelabdrücke in der Moschee beklagen“. Er macht dabei mutmaßlich eine Anspielung auf die Stürmung der Berliner Mevlana-Moschee mit 150 Polizisten Ende Oktober wegen der Vermutung auf fehlerhafte Angaben bei Corona-Hilfsanträgen. Der Einsatz war von Muslimen in Deutschland und auch von Präsident Erdoğan kritisiert worden.

Ein Bombenangriff auf den für Muslime heiligsten Ort Mekka in Saudi-Arabien sei auch möglich. Der Tag sei nicht fern, „an dem wir es mit Euch so machen, wie wir es schon mal mit den Juden (bedauerlicherweise) gemacht haben!", so der unbekannte Urheber der Botschaft.

Der Verfasser droht: „Macht ruhug so weiter ! Dann ist der Tag nicht fern, an dem wir es mit Euch so machen, wie wir es schon mal mit den Juden gemacht haben !“ (Others)

„Wir werden den Islam in Deutschland vernichten“

Der Drohbrief an die Hüfinger Mescidi-Aksa-Moschee enthält laut dem Vorsitzenden des Moscheevereins, Hakan Taşdemir, ähnliche Aussagen. Demnach steht darin geschrieben, dass der Islam weder zu Deutschland noch zu Europa gehöre.

Dann folge eine Drohung: „Wir werden den Islam in Deutschland vernichten, wir werden die Islamisten vernichten.“ Taşdemir erklärte gegenüber TRT zudem, dass der Brief laut Poststempel aus dem 30 Kilometer entfernten Villingen-Schwenningen verschickt worden sei. Die Polizei habe bereits Ermittlungen eingeleitet.

Der seit 1996 in den Ort fest verankerte Moscheeverein zähle 230 Mitglieder. Eine derartige Drohung habe man zum Ersten Mal erhalten. Die Gemeindemitglieder seien zutiefst verletzt, sagte Taşdemir und fügte hinzu: „Wir stehen in enger Beziehung zu der Gemeinde und unseren Nachbarn. Bei unseren Veranstaltungen stehen unsere Türen stets allen offen.“

Mescidi-Aksa-Moschee in Hüfingen, Baden-Württemberg. (Others)

„Mindestens 93 Moscheen bedroht oder angegriffen“

Der DITIB-Generalsekretär Abdurrahman Atasoy sagte gegenüber der DW am Freitag, dass seit Jahresbeginn mindestens 93 Moscheen in ganz Deutschland angegriffen oder bedroht worden seien. Besorgniserregend sei vor allem die Tatsache, dass diese zwei Briefe direkt nach den Terroranschlägen in Frankreich und Österreich verschickt worden seien.

Atasoy erklärte, dass beide Briefe mit der Unterschrift der „NSU 2.0“ verschickt worden seien. Er erklärte weiter: „2019 wurden Drohungen und rassistische Briefe von dieser Organisation an unser Hauptquartier geschickt. Diese Briefe tragen die gleiche Unterschrift.“ Besonders die Aussagen über einen erneuten Holocaust, diesmal gegen Muslime, hätten ihm „das Blut in den Adern gefrieren lassen“.

Bereits seit August 2018 verschicken Unbekannte unter dem Pseudonym „NSU 2.0“ Drohschreiben an deutsche Muslime, Moscheen und Politiker. Das Kürzel ist angelehnt an die Terrororganisation Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Immer wieder führen die Spuren auch zur Polizei selbst.

Der NSU war eine rechtsextremistische Vereinigung, die ab 1999 mehrere rechtsterroristische Angriffe auf Menschen mit Migrationshintergrund verübte. Bis heute fehlt eine vollständige Aufklärung.

TRT Deutsch