Symbolbild. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sieht strukturelle Ursachen für den Missbrauchsskandal in ihrer Kirche. (DPA)

Der Missbrauchsskandal in der Kirche hat nach Einschätzung von Experten im Zentralkomitee der deutschen Katholiken strukturelle Ursachen. „Wir sehen durch die Studien, wie wenig sich sexueller Missbrauch und spiritueller Missbrauch trennen lassen. Das müssen wir viel stärker zusammen betrachten“, sagte Birgit Aschmann vom Arbeitskreis „Politische und ethische Grundfragen“ am Samstag während der Sitzung des Zentralkomitees des deutschen Katholiken (ZdK). Die Vollversammlung der wichtigsten Laienorganisation in der katholischen Kirche beschäftigte sich in Berlin und online mit ersten Ergebnissen eines Forschungsprojekts der beiden Zeithistoriker Thomas Großbölting und Klaus Große Kracht im Bistum Münster. Dieses soll ein möglichst umfassendes Bild zum Ausmaß sexualisierter Gewalt durch katholische Priester im Bistum und den Umgang der Kirche damit zeichnen. Bischöfe setzten pädophil fixierte Serientäter immer wieder in Gemeinden ein „Wir sehen eine Kirche, die nicht nach ihren eigenen Regeln spielt“, sagte Großbölting. Bischöfe setzten pädophil fixierte Serientäter immer wieder in Gemeinden ein und sorgten so dafür, dass viele Menschen missbraucht werden könnten. „Wenn in den 70er, 80er und 90er Jahren nach den kirchenrechtlichen Regeln gespielt worden wäre, dann hätte ein größerer Teil der Missbrauchstaten im Bistum Münster tatsächlich verhindert werden können“, sagte Großbölting. Aus Sicht des Wissenschaftlers gibt es inzwischen ausreichend Studien, „dass wir relativ klar systemische Ursachen benennen können“. Aufarbeitung sei mehr als Studien. „Sie müssen kirchenpolitisch aktiv werden“, forderte er das ZdK auf. Das ZdK hat einen eigenen Arbeitskreis zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs. Dieser versucht, den Stand in den Diözesen zu erfassen. Die bisherigen Ergebnisse bestätigen aus Sicht von ZdK-Vize Wolfgang Klose, dass es erkennbare Unterschiede in den Bistümern gibt. Viele Bistümer hätten noch keine unabhängigen Kommissionen oder diese seien noch im Aufbau. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp sieht den Verband an der Seite der Betroffenen. Für ZdK-Vize Thomas Söding ist nach eigenen Worten deutlich geworden: „Wir brauchen systemische Lösungen.“

DPA