Symbolbild – Nordrhein-Westfalen, Münster: Jacken der Bundeswehr mit angenähter Deutschlandflagge hängen an einer Garderobe. (DPA)

Die muslimischen SoldatInnen in der Bundeswehr fordern eine Gleichstellung mit anderen Konfessionen. Bislang müssen sie sich aufgrund der aktuellen Regelungen selbst um ihre Leichentücher kümmern. Eine islamische Militärseelsorge fehlt ebenfalls. Nariman Hammouti, Leutnantin zur See, sprach mit der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) über die Probleme der Muslime in der Bundeswehr. „Wir sind bereit, unser Leben für die Bundesrepublik zu lassen“, sagte die 41-Jährige. Wieso sie sich ihr Leichentuch selbst beschaffen muss, verstehe die Soldatin nicht. „Da müssen die Bundeswehr und die Politik uns doch auch diese letzte Ehre erweisen.“


Nach islamischem Brauch werden Verstorbene in ein Leichentuch eingehüllt. Deshalb ist es muslimischen Soldaten wichtig, dass im Falle eines Todes Rücksicht auf religiöse Vorschriften genommen wird.

Der SZ zufolge kritisierte Grünen-Politikerin Filiz Polat den Umstand, dass sich Muslime in der Bundeswehr selber um ein Leichentuch kümmern müssen. Die integrationspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag fragte deshalb die Bundesregierung, ob die Regelung für muslimische Soldaten angepasst werden könne. Doch CDU-Politiker Peter Tauber antwortete, dass dies nicht möglich sei. „Ein aus religiösen Gründen zu verwendendes Leichentuch ist vor diesem Hintergrund nicht vorgesehen und wird auch grundsätzlich nicht vorgehalten.“ Filiz Polat ist mit dieser Antwort nicht zufrieden. „Offensichtlich hat sich die Bundesregierung überhaupt nicht damit auseinandergesetzt, wo das Problem für Muslime liegt“, bemängelt die Grünen-Politikerin.

Noch immer keine Militärseelsorge für Muslime

Auch eine islamische Militärseelsorge fehlt bislang. 2020 beschloss der Bundestag ein Gesetz, das die Betreuung der etwa 300 jüdischen Soldaten durch Militärseelsorger ermöglicht. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Militärrabbiner ihre Arbeit aufnehmen. Ein islamisches Pendant gibt es jedoch für die Muslime in der Bundeswehr, deren Zahl auf etwa 3000 geschätzt wird, bisher noch nicht. Laut SZ begründet der Sprecher des Verteidigungsministeriums das Ausbleiben eines Staatsvertrags für die islamische Militärseelsorge mit dem Fehlen einer einheitlichen Vertretung der Muslime durch eine Institution. Grünen-Abgeordnete Polat akzeptiert diese Begründung nicht. Es gebe „auch andere Lösungen“. So könne die Bundeswehr Verträge mit Islamverbänden schließen, um externe Betreuung durch deren Seelsorger zu erhalten. Auch Leutnantin Hammouti kann die aktuelle Situation nicht verstehen. „Da bricht sich doch niemand einen Zacken aus der Krone, wenn man uns eine Seelsorge zugesteht“, sagte die 41-Jährige. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält ebenfalls an der Begründung des Verteidigungsministeriums fest. Soldatin Hammouti hatte ihn per Brief bezüglich einer islamischen Militärseelsorge kontaktiert. Steinmeier teilte kürzlich in seiner Antwort mit, dass dies aufgrund des Umstands mit dem Staatsvertrag nicht möglich sei. Er hoffe jedoch auf die Einrichtung eines „externen seelsorgerischen Betreuungsangebots“ durch das Verteidigungsministerium.

TRT Deutsch und Agenturen