Ein Turmdrehkran ragt in den Himmel auf einer Baustelle zwischen neu errichteten Wohnhäusern. / Foto: DPA (dpa)
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Die hohen Baukosten und die hohen Bauzinsen sorgen weiterhin für einen Rückgang der Wohnungsbaugenehmigungen. Im Juni sank die Zahl im Vergleich zum Vorjahresmonat um 28,5 Prozent auf 21.800, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Freitag mitteilte. Im ersten Halbjahr wurden insgesamt nur 135.200 Wohnungen genehmigt, ein Rückgang im Vorjahresvergleich um 50.600 Wohnungen oder 27,2 Prozent.

„Seit über einem halben Jahr sehen wir jeden Monat ein zweistelliges Minus bei den Baugenehmigungen für Wohnungen“, erklärte der Zentralverband Deutsches Baugewerbe. Ein „ungemein düsteres Bild“, konstatierte der Verband der Deutschen Bauindustrie. Eine Besserung sei nicht in Sicht.

„Besonders dramatisch“ ist demnach die Lage im Neubau von Eigenheimen. Die Zahl der Genehmigungen für Einfamilienhäuser ging im ersten Halbjahr laut Statistik um gut ein Drittel auf 27.000 zurück, der von Wohnungen in Zweifamilienhäusern sogar um mehr als die Hälfte (53,4 Prozent) auf 7700. Bei Mehrfamilienhäusern betrug der Rückgang 27 Prozent, genehmigt wurden hier in den sechs Monaten 72.400 Wohnungen.

„Nach wie vor sorgen Zinssteigerungen, deutlich zulegende Baukosten, nochmals erhöhte energetische Anforderungen und die Unsicherheit über das weitere Vorgehen der Politik für ein Umfeld, in dem Investoren weiter auf der Bremse stehen“, erklärte der Bauindustrieverband. Für einen „ordentlichen Schub“ auf dem Wohnungsmarkt müsse die Bundesregierung spätestens zum Wohnungsgipfel mit dem Bundeskanzler am 25. September ein Paket mit Schlagkraft schnüren.

Wohnungsbau-Branche fordert KfW-Ausweitung und Maßnahmen

Die Branche fordert im Einzelnen eine „massive“ Ausweitung des Zinsverbilligungsprogramms der staatlichen Förderbank KfW, eine Verbesserung der Abschreibungsmöglichkeiten, eine Absenkung der Grunderwerbsteuer, eine Investitionszulage für öffentliche Wohnungsgesellschaften und die Aussetzung des EH40-Standards für energieeffiziente Neubauten bei öffentlichen Förderprogrammen. Das Effizienzhaus 40 soll bis 2025 der gesetzliche Neubaustandard in Deutschland sein - bis dahin wird der Bau eines solchen Hauses gefördert.

Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) stellte die Einführung des EH40-Standards ab 2025 in Frage: „Ich glaube nicht, dass wir uns das derzeit leisten können“, sagte sie der „Leipziger Volkszeitung“. Um den Wohnungsbau aktuell anzukurbeln, plant sie, die steuerlichen Abschreibungsmöglichkeiten für Neubauten ab 2024 befristet bis Ende 2030 zu erweitern. Zudem will sie technische Regelwerke entschlacken und setzt auf den seriellen Wohnungsbau. Ziel der Regierung sind eigentlich 400.000 neue Wohnungen pro Jahr.

Bauministerin Klara Geywitz (DPA)

Bauindustrieverband beklagt rückläufige Neubaugenehmigungen

Der Bauindustrieverband beklagte, dass die Lage auch im Nichtwohnungsbau schlecht sei. Im ersten Halbjahr dieses Jahres verzeichnete der Wert der Neubaugenehmigungen dabei einen Rückgang von mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Von Seiten der Wirtschaft oder der öffentlichen Hand sei „zumindest 2023 keine Entlastung für die Baubetriebe zu erwarten“.

Ministerin Geywitz sieht aber keine Gefahr für die deutsche Bauwirtschaft. „Die Situation unterscheidet sich total von der in den 90ern“, sagte sie der „Leipziger Volkszeitung“. Damals war der Nachwende-Bauboom eingebrochen, es folgten Entlassungen und Firmenpleiten. Geywitz sagte, heute bestehe eine solide staatliche Grundnachfrage nach Bauleistungen, nicht nur im Gebäudesektor, sondern auch beim Bau von Schulen, Straßen, Brücken und Schienenwegen.

TRT Deutsch und Agenturen