Die gerettete italienische Entwicklungshelferin Silvia Constanza Romano kehrte am 12. Mai nach Rom zurück. Romano wurde im November 2018 in Kenias südöstlicher Küstenstadt Chakama entführt und nach Somalia verschleppt. 18 Monate lang wurde sie von militanten Somaliern in Ostafrika gefangen gehalten.

Gleich nach ihrer Ankunft machte im Internet die Nachricht von ihrem Übertritt zum Islam die Runde. Nico Basso, ein rechtsgerichteter venezianischer Stadtrat in Asolo, teilte ein Foto von Constanza Romano auf Twitter mit und sagte: „Hängen Sie sie auf“. Daraufhin löschte er schnell den Beitrag.

Romano bestand darauf, dass es sich nicht um eine gewaltsame Bekehrung handele. Während der Gefangenschaft sei sie freiwillig Muslimin geworden und habe den Namen Aisha angenommen.

„Es war spontan und nicht erzwungen. In den Monaten der Gefangenschaft erhielt ich einen Koran und durch meine Entführer lernte ich auch etwas Arabisch“, sagte sie.

„Sie erklärten mir ihre Gründe und ihre Kultur. Mein Bekehrungsprozess verlief langsam in den letzten Monaten. Es gab keine Ehe oder Beziehung, nur Respekt.“

Die Online-Hasskampagne gegen die Entwicklungshelferin war unerbittlich. Die italienische Polizei sagte, ihr werde möglicherweise Polizeischutz gewährt.

Romano sei „neo-terroristisch“ – mit diesen Worten griff Alessandro Pagano sie in seiner Rede vor der Abgeordnetenkammer des Landes an. Pagano ist Abgeordneter der rechtsextremen Partei Lega unter der Führung von Matteo Salvini.

Der Präsident der Abgeordnetenkammer, Roberto Fico, erklärte, die Kammer sei kein Ort für Beleidigungen. Romano habe 18 Monate lang die Hölle durchlebt. Gewalttätig und inakzeptabel seien die hasserfüllten Worte.

Paganos Worte lösten eine hitzige Debatte unter den Italienern aus. Während einige seinen Kommentar als Teil des institutionalisierten Hasses sahen, gab es auch Zuspruch.

Viele italienische Twitter-User debattierten unter dem Hashtag #SilviaRomanoAisha. Einige Nutzer zeigten ihre Solidarität mit Romanos Entscheidung. Andere wiederum nahmen ihren Beschluss, eine andere Religion anzunehmen, mit Hetze ins Visier.

Laut Medienberichten hat der türkische Geheimdienst bei der Suche und Befreiung der in Ostafrika gefangen gehaltenen Romano eine entscheidende Rolle gespielt. Auch die stellvertretende italienische Außenministerin Marina Sereni hat die türkische Zusammenarbeit bei der Rettungsaktion anerkannt.

„Es hat eine Zusammenarbeit mit dem türkischen Geheimdienst gegeben, um sie ausfindig zu machen und zum richtigen Zeitpunkt Maßnahmen zu ergreifen“, sagte Sereni gegenüber dem Fernsehkanal LA7.




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