Unwetter in Bayern (DPA)

Die Zahl der Todesopfer durch die Unwetterkatastrophe in Deutschland ist nochmals deutlich gestiegen und liegt nun bei 156. Wie das Polizeipräsidium in Koblenz am frühen Sonntagmorgen mitteilte, erhöhte sich die Zahl der Todesopfer in Rheinland-Pfalz um weitere zwölf auf 110. Die Behörde äußerte die Befürchtung, „dass noch weitere Todesopfer hinzukommen“.

Nach den verheerenden Überflutungen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz rief am Samstagabend auch der oberbayerische Landkreis Berchtesgadener Land den Katastrophenfall aus. Dort kam mindestens ein Mensch durch die von massiven Regenfällen ausgelösten Fluten ums Leben. Auch in der Region Sächsische Schweiz in Sachsen kam es zu starken Überschwemmungen.

Pegel der Berchtesgadener Ache erreicht historischen Höchststand

Im Berchtesgadener Land wurden nach Angaben des Landratsamts rund 65 Menschen vor den Fluten in Sicherheit gebracht. Straßen und Keller wurden überflutet. In dem Ort Marktschellenberg war den Angaben zufolge der Ortsteil Scheffau von der Außenwelt abgeschnitten.

Der Pegel der Berchtesgadener Ache hatte am Samstagabend den historischen Höchststand von 3,15 Meter erreicht. Die Behörden befürchteten, dass sich die Lage noch weiter verschärfen könnte. Auch in der Sächsischen Schweiz wurden mehrere Orte von starkem Hochwasser heimgesucht. Die Verwaltung des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge warnte vor einer „erheblichen Gefahrensituation“ in Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf, Schöna und Gohrisch. Einzelne Ortsteile waren nicht mehr erreichbar. In den Hochwassergebieten in NRW und Rheinland-Pfalz galten unterdessen immer noch zahlreiche Menschen als vermisst. Allerdings waren viele Telefon- und Internetverbindungen weiterhin unterbrochen, was die Kontaktaufnahme massiv erschwerte.

„Akute Überflutungsgefahr“ an der Steinbachtalsperre bei Euskirchen

Die Zahl der Toten übertrifft mittlerweile um ein Mehrfaches jene der sogenannten Jahrhundertflut aus dem Jahr 2002, bei der in Sachsen 21 Menschen gestorben waren - und nähert sich jener der Sturmflut im Hamburg des Jahres 1962, bei der 347 Menschen starben. In den überfluteten Orten in NRW und Rheinland-Pfalz boten sich oft Bilder von verheerender Zerstörung, so etwa im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler im nördlichen Rheinland-Pfalz und im nordrhein-westfälischen Erftstadt. Kritisch blieb die Lage an der Steinbachtalsperre bei Euskirchen in NRW. Es drohe weiterhin „akute Überflutungsgefahr“ durch Versagen des Absperrdammes, warnte die Kölner Bezirksregierung. Zwar pumpten Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks dort Wasser ab. Laut Bezirksregierung kann eine Entwarnung aber erst bei einer Zweidrittel-Entleerung der Talsperre gegeben werden. Nach vorsichtiger Schätzung könne diese am Sonntagnachmittag erreicht sein.

Bundespräsident Steinmeier im Krisengebiet

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte am Samstag zusammen mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) Erftstadt und sprach den Betroffenen seine Anteilnahme aus. „Wir trauern mit denen, die Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder verloren haben. Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz“ sagte der Bundespräsident. In Erftstadt hatte die über die Ufer getretene Erft zahlreiche Häuser unterspült und zum Einsturz gebracht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will am Sonntag zusammen mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) das ebenfalls schwer von der Unwetterkatastrophe getroffene Eifeldorf Schuld besuchen. In dem 660-Einwohner-Ort waren mehrere Häuser komplett von den Wassermassen fortgerissen worden.

Mehr als 300 Millionen Euro für die Opfer der Flutkatastrophe

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) kündigte eine Soforthilfe von mehr als 300 Millionen Euro für die Opfer der Flutkatastrophe an. Darüber wird nach seinen Angaben am Mittwoch das Bundeskabinett beraten. „Es braucht einen nationalen Kraftakt“, sagte Scholz der „Bild am Sonntag“. Scholz will dem Kabinett zudem ein milliardenschweres Aufbauprogramm für die Flutregionen vorschlagen. Die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken müssten zügig repariert werden, sagte er.

Überschwemmungen in Belgien und Österreich

In dem ebenfalls von schweren Überschwemmungen heimgesuchten Osten Belgiens erhöhte sich die Zahl der Todesopfer auf mindestens 27. Von 103 weiteren Menschen war nach Angaben der Behörden der Verbleib am Samstagabend noch ungeklärt.

Auch in mehreren Regionen Österreichs kam es zu starken Überflutungen. An verschiedenen Orten in den Bundesländern Salzburg und Tirol wurde Zivilschutzalarm ausgelöst. In der Altstadt von Hallein kam es zu massiven Überschwemmungen.

AFP