Der Dresdner Semperopernball hat in diesem Jahr den St.-Georgs-Orden an den ägyptischen Machthaber Abdel Fattah al-Sisi vergeben. Eine Delegation habe ihm die Auszeichnung im Bereich Politik und Kultur bereits am Sonntag in der Hauptstadt Kairo verliehen, teilte der Ballverein am Freitag mit. Damit werde ein Staatsmann geehrt, der „Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents ist“, hieß es zur Begründung. Zudem wird Al-Sisi als „herausragender Brückenbauer und Friedensstifter in der von schweren Krisen gekennzeichneten nordafrikanischen Region“ gelobt, der den Dialog mit allen Parteien suche und „für die Menschen und ihre Hoffnungen ein Anker“ sei. Der ehemalige General und Armeechef al-Sisi war 2013 nach einem Militärputsch gegen Präsident Mohammed Mursi an die Macht gekommen. Mursi war der erste demokratisch gewählte Präsident des Landes. Seit seiner Machtübernahme geht al-Sisi mit harter Hand gegen Oppositionelle und Kritiker vor. Die Meinungs- und Versammlungsfreiheit ist in Ägypten stark eingeschränkt. Einige Twitter-User bezeichneten die Entscheidung des Dresdner Semperopernballs als skandalös:

Hans-Joachim Frey, Künstlerischer Leiter des Balles, verteidigte die Auszeichnung. „Wir haben ja als Motto auf dem St.-Georgs-Orden Adverso Flumine stehen, gegen den Strom. Das heißt, wir machen auch Entscheidungen, die ganz wichtig sind für zukünftige Entwicklung“, sagte er dem MDR in Sachsen. Man wolle „Kulturbrücken bauen, um über die Kultur eine vermittelnde Sprache zwischen Regionen zu schaffen“, erklärte er.

Auch Russlands Präsident Wladimir Putin (2009) und sein rumänischer Amtskollege Klaus Johannis (2017) haben schon einen solchen Orden. Der undotierte Preis ist eine Nachbildung eines barocken Anhängers mit dem Heiligen Georg als Drachentöter, der für den Sieg des Guten über das Böse stand, im Grünen Gewölbe Dresden.

Parallel dazu fand in Wien eine Anti-Sisi-Demo statt. Die Solidaritätsdemonstration lief unter dem Motto „Freiheit und Demokratie in Ägypten“. Rund 100 Menschen - darunter auch Frauen und Kinder - haben am Sonntag am Wiener Stephansplatz gegen den ägyptischen Diktator demonstriert. Sie riefen Parolen wie: „Sisi verschwinde, Mursi war unser Präsident“ oder „Weder Sisi noch Assad. Wir brauchen keine Diktatoren“.

Auf Twitter wurde indes eine Unterschriftenaktion gegen die Auszeichnung des Diktators gestartet:

Auch Amnesty International Sachsen zeigt sich empört:

TRT Deutsch und Agenturen