Archivbild. Uiguren in London protestieren gegen China

Führende Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde Großbritanniens haben am Holocaust-Gedenktag auf die Verfolgung der muslimischen Uiguren aufmerksam gemacht. Rabbiner und Gemeindeleiter verwiesen auf die „moralische Pflicht“ der Juden, ihre Stimme zu erheben. Sie wollen nun die britische Regierung dazu bewegen, aktiv zu werden.

In einem Brief an den britischen Premierminister Boris Johnson sagte Marie van der Zyl, Präsidentin des „Board of Deputies of British Jews“: „Als Gemeinschaft sind wir immer sehr zurückhaltend, wenn es um Vergleiche mit dem Holocaust geht.“ Es gebe jedoch Ähnlichkeiten zwischen dem, was in China geschehe, und dem, was in Nazi-Deutschland in den 30er und 40er Jahren geschehen sei, so van der Zyl. Sie forderte Johnson auf, Maßnahmen zu ergreifen und fügte hinzu, die Verletzung der Menschenrechte der Uiguren entwickle sich „zum größten Skandal unserer Zeit“.

Am Montag hatte die jüdische Menschenrechtsorganisation René Cassin gemeinsam mit Christian Solidarity Worldwide eine interreligiöse Veranstaltung durchgeführt. Dabei wurde auch auf die Inhaftierung von mehr als einer Million Uiguren und anderer Minderheitenin in chinesischen Lagern aufmerksam gemacht. Daran teilgenommen haben eine Reihe von hochrangigen Rabbinern sowie Rowan Williams, ehemaliger Erzbischof von Canterbury.

„Eine moralische Pflicht“

Mia Hasenson-Gross, Geschäftsführerin von René Cassin, sagte, den Holocaust-Gedenktag zu nutzen, um sich auf eine andere Gruppe verfolgter Menschen zu konzentrieren, sei „wichtig“ für Juden. Gegenüber der britischen Zeitung The Observer forderte Hasenson-Gross die Weltgemeinschaft zum Handeln auf. „Wir haben das schon einmal erlebt. Der Unterschied ist, dass wir jetzt noch Zeit zum Handeln haben. Juden haben die moralische Pflicht, jetzt die Stimme zu erheben. Nie wieder sollten die Zivilgesellschaft, Unternehmen und Entscheidungsträger schweigen so wie in den 1930er Jahren.“

Der Oberrabbiner des Vereinigten Königreichs, Ephraim Mirvis, hatte am Mittwoch bei Sky News die Uiguren-Verfolgung angeprangert. Er sagte, aus dem Schrecken des Holocausts seien keine Lehren gezogen worden. Insbesondere die Notlage der uigurischen Muslime in China ähnele der Situation europäischen Juden während der NS-Zeit.

„Wir haben gesehen, wie verschiedene Völkermorde in Bosnien, Kambodscha, Darfur, Ruanda stattgefunden haben – heute sehen wir, wie das Volk der Rohingya und die Uiguren leiden und auf schreckliche Art und Weise verfolgt werden.“

China wird vorgeworfen, die turksprachigen Uiguren und andere muslimische Minderheiten im uigurischen Autonomiegebiet zu verfolgen und in Lager einzusperren. Menschenrechtsorganisationen sprechen von Folter, Mord, Vergewaltigung, Sklavenarbeit und erzwungenen Organentnahmen. Ehemalige weibliche Häftlinge berichten von Zwangssterilisation. Die chinesische Regierung verteidigt die Maßnahmen und spricht von „Umerziehungslagern“.

TRT Deutsch