Der großen Hungersnot in Irland sind im 19. Jahrhundert über eine Million Menschen zum Opfer gefallen. Die damals ausgebrochene Kartoffelfäule führte zu Missernten. Hilfe kam unter anderem vom osmanischen Sultan Abdülmecid I.

Kartoffeln haben einen besonderen Platz in der irischen Kultur, da die Menschen auf der Insel über Jahrhunderte hinweg auf die Erdknolle als Grundnahrungsmittel angewiesen waren. Durch die Große Hungersnot starben in Irland mehr als eine Million Menschen. Die Erlebnisse aus dieser Zeit haben tiefe Narben im nationalen Bewusstsein hinterlassen. 1847 markierte das härteste Jahr während der Hungersnot. Man spricht daher auch von der „schwarzen 47“ (Black 47).

Hilfe vom osmanischen Sultan

Tausende Kilometer entfernt, in der osmanischen Hauptstadt Istanbul, wurde Sultan Abdülmecid I. auf das große menschliche Leid aufmerksam. Denn sein aus Irland stammender Zahnarzt erzählte ihm von der verzweifelten Situation in der Heimat.

Der Sultan bot daraufhin zügig 10.000 britische Pfund an (etwa 1,3 Millionen Dollar), um den hungernden Menschen in Irland zu helfen. Königin Victoria hatte Irland jedoch bereits mit 2.000 britischen Pfund unterstützt. Ihre Berater in London lehnten es daher ab, Angebote anzunehmen, die über die Hilfe der Monarchin hinausgingen. Angesichts dieses Diktats musste Sultan Abdülmecid I. sein ursprüngliches Hilfsangebot widerwillig auf 1.000 britische Pfund kürzen.

Der Sultan wollte sich jedoch nicht damit abfinden. „Er wollte unbedingt mehr tun, und deshalb befahl er drei Schiffen, Lebensmittel, Medikamente und andere dringende Dinge nach Irland zu bringen", beschreibt der türkische Botschafter in Dublin, Levent Murat. In einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Anadolu (AA) sagte Burhan, die historische Hilfsaktion sei gut geplant worden, da die britische Marine ausländischen Schiffen weder in Häfen in der Hauptstadt Dublin noch in Cork erlaubt habe, anzulegen. „Also mussten die osmanischen Schiffe weiter nach Norden fahren und die Hilfe an den Hafen von Drogheda liefern."

Halbmond und Stern in Drogheda

An diesem Ort erinnern sich die Einheimischen auch 173 Jahre später an die Großzügigkeit des Osmanischen Reiches. Besucher können heute in Museen, auf Denkmälern und Archiven auf die humanitäre Hilfsaktion der Osmanen stoßen. Eine Gedenktafel an der Wand eines zentralen Gebäudes in Drogheda, die 1995 von Bürgermeister Alderman Godfrey und dem damaligen türkischen Botschafter in Irland, Taner Baytok, enthüllt wurde, lautet: „Die große irische Hungersnot von 1847 - In Erinnerung und Anerkennung der Großzügigkeit des türkischen Volkes gegenüber dem irischen Volk."

Während eines Besuchs in Ankara im Jahr 2010 erklärte die damalige irische Präsidentin Mary McAleese, dass die Menschen in Drogheda aus Dankbarkeit den türkischen Halbmond und Stern in das Stadtwappen aufgenommen hätten. Das habe sich bis heute erhalten. Die Symbole findet man heute in der ganzen Stadt. Auch die Fußballmannschaft Drogheda United trägt den Halbmond und Stern auf ihrem Emblem.

Ein weiteres Zeugnis für die Dankbarkeit der Iren ist ein Brief, der von den örtlichen Würdenträgern in Drogheda unterzeichnet wurde. Mit Stolz zeigt Botschafter Burhan eine Kopie des Briefes in seinem Büro in Dublin. In dem Brief heißt es: „Wir als irische Adlige, Würdenträger und Bürger danken dem osmanischen Sultan für seine großzügige Unterstützung aufgrund einer Hungerkatastrophe (…) Wir danken und beten für den osmanischen Sultan und sein Land soll keinen Katastrophen ausgesetzt sein wie wir. "

Die humanitäre Aktion der Osmanen fand sich später auch in der Literatur wieder. Auch der irische Schriftsteller James Joyce bezieht sich in seinem Meisterwerk Ulysses auf die Situation. „Sogar der Großtürke hat uns seine Piaster geschickt", kritisiert eine der Figuren die spärliche Hilfe der Briten in jenen schweren Zeiten.

Benefizspiel zwischen Trabzonspor und Drogheda United

Nun plant man ein Benefizspiel zwischen Drogheda United und dem türkischen Erstligisten Trabzonspor, wie Burhan bekanntgab.

Beide Clubs besäßen die gleichen Vereinsfarben - Bordeaux und Blau. Außerdem herrsche seit 2011 eine Fanfreundschaft, erklärte der türkische Botschafter.

TRT Deutsch