Eine Abbildung von Barbaros Hayreddin Pascha

Von Ufuk Necat Taşçı

Als Großadmiral der osmanischen Marine führte Barbaros Hayreddin Pascha im frühen 16. Jahrhundert eine bemerkenswerte Seemannschaft an. Unter seiner Leitung nahm die Stärke der osmanischen Marine um ein Vielfaches zu, ebenso die Anzahl der maritimen Eroberungen.

Auch in der heutigen Türkei genießt Hayreddin Pascha als symbolträchtige Figur großen Respekt. So ehrten 2019 türkische Kriegsschiffe den „Löwen des Mittelmeers“ und sendeten während einer Marineübung in Richtung seines Grabs einen Gruß aus, indem sie das Nebelhorn dreimal ertönen ließen.

Während seine Grabstätte zuvor nur einmal die Woche für Besucher zugänglich war, ist sie nun fünfmal wöchentlich geöffnet. Eine Änderung, die zeigt, wie stark Hayreddin Pascha im Erbe der modernen Türkei verankert ist.

Die türkische Regierung hat sogar eines ihrer führenden Seebohrschiffe nach Barbaros Hayreddin Pascha benannt. Sein Name fällt in diesem Zusammenhang mit den von osmanischen Sultanen: Fatih, Yavuz, Kanuni.

Nachdem die Türkei kürzlich ein großes Erdgasreservat im Schwarzen Meer entdeckt hat, haben historische Figuren wie Hayreddin Pascha, die die Osmanen zu einer großen Seemacht gemacht haben, erneut die Neugier der Türken geweckt.

Der rotbärtige Hayreddin: Gut ausgebildet und zielstrebig

Der berühmte Admiral Hayreddin Pascha wurde 1478 auf der Insel Lesbos im heutigen Griechenland geboren und hieß mit bürgerlichem Namen Khidr. Wegen seines roten Bartes erhielt er den europäischen Beinamen „Barbarossa“. Der osmanische Sultan Selim I. gab ihm den Ehrennamen „Hayreddin“, was „das Gute der Religion“ bedeutet. Nach seinem Tod im Jahr 1546 verkündete das Osmanische Reich: „Der Anführer des Meeres ist tot.“

Als jüngster von vier Brüdern führte er mit einem selbstgebauten Schiff Handelsaktivitäten zwischen Lesbos, Thessaloniki und Euböa.

Sein Bruder war als Oruç Baba („Vater Oruç“) bekannt. Er half muslimischen Flüchtlingen, die auf der Flucht vor christlichen Kreuzfahrern in Andalusien waren, und brachte sie mit seiner Flotte nach Nordafrika.

Bereits im Kindesalter galt Hayreddin Pascha als aufgeweckt und klug. Als junger Mann fiel er mit seinen rhetorischen Fähigkeiten auf. Mut, Willensstärke und ein starker Kampfinstinkt zeichneten ihn aus.

Auch sprachlich war er gut ausgestattet: Hayreddin Paschabeherrschte alle wichtigen Mittelmeersprachen wie Griechisch, Arabisch, Spanisch, Italienisch und Französisch.

Der Kommandeur ließ nicht nur mit seinen Erfolgen im Mittelmeerraum von sich reden, sondern auch in Bezug auf sein Leadership. Truppen, die ihm unterstanden, habe er mit Respekt behandelt.

Im Jahr 1504 kämpfte Hayreddin Pascha im Mittelmeerraum gegen Spanien, Genua und Frankreich um die maritime Dominanz. Die Osmanen gingen als Sieger hervor. Im Jahre 1516 eroberte der osmanische Admiral Algerien, das bis dahin zu Spanien gehörte – Algerien wurde Teil des osmanischen Staates. Hayreddin Pascha sorgte für die Sicherheit der Seewege, indem er die venezianische Hegemonie im östlichen Mittelmeerraum und in der Ägäis beendete.

Idris Bostan, Geschichtsprofessor an der Universität Istanbul, zufolge war Barbaros Hayreddin Pascha ein Admiral, der die Marine bestärkte. Es habe Versuche gegeben, ihn zu unterschätzen, indem man ihn einen „Piraten“ nannte, sagt Bostan.Aber solche Behauptungen hätten keine fundierten historischen Grundlagen. Barbaros habe an vielen Einsätzen im Mittelmeerraum teilgenommen. Auch im Bereich des Schiffbaus habe er fachliches Wissen bewiesen. So habe er sich mit allen Arten von damaligen Mittelmeerschiffen ausgekannt, so der Historiker.

Nach dem Tod von Sultan Selim I. wurde sein Sohn Suleiman (der „Gesetzgeber“ für die Türken und der „Prächtige“ für den Westen) zum Sultan des riesigen Reiches gekrönt. Suleiman schätzte die Leistung von Hayreddin Pascha und machte ihn zum Hauptadmiral des Osmanischen Reiches. Historikern zufolge gehörte Hayreddin Pascha im 16. Jahrhundert zu den einflussreichsten Seekommenadeuren der Welt – respektiert von Verbündeten, gefürchtet von Feinden.

Er sollte Sultan Suleiman nicht enttäuschen: In etwa zwei Jahrzehnten konnte Barbaros den Einflussbereich der Osmanen in Nordafrika, im Mittelmeerraum und im Ostatlantik ausweiten.

Seekreuzzugvon Papst PaulIII.gegen Barbaros Hayreddin Pascha

Doch das Osmanische Reich als aufstrebende Macht im Mittelmeererfreute nicht alle. 1538 organisierte Papst Paul III. einen Seekreuzzug gegen den obersten osmanischen Admiral.

Der Seekreuzzug des Papstes wurde von Andreas Doria angeführt, einem genuesischen Admiral und Staatsmann. Doria führte die Flotte von fast 250 Galeeren an, während Hayreddin Paschas Marine aus 122 Mann hatte.

Im Seekrieg vom 28. September 1538 versenkte die osmanische Marine unter dem Kommando von Hayreddin Pascha in Preveza zehn Schiffe der christlichen Allianz und nahm mehr als dreißigBoote ein, ohne selbst ein einziges Schiff zu verlieren. Fast dreitausend Soldaten des christlichen Bündnisses wurden gefangen genommen – die osmanische Marine verlor 400 Soldaten.

Nach diesem Sieg von Hayreddin Pascha gegen das Bündnis von Papst Paul III. verstärkte sich die osmanische Vormachtstellung im zentralen und östlichen Mittelmeerraum in den folgenden Jahren.

Nach seinem großen Erfolg ging der osmanische Admiral nach Istanbul und wurde von Suleiman dem Prächtigen im Topkapı-Palast empfangen. Dort wurde er zum „Kaptan-ı Derya“(Oberadmiral) der osmanischen Marine und zum „Beylerbeyi“(Obersten Gouverneur) von Nordafrika befördert. Auch das Amt des Gouverneurs von Rhodos hatte Hayreddin Pascha inne. Zudem eroberte er Tunis und Tripolis.

Der erfahrene Großadmiral eröffnete später Marineschulen, um osmanische Seeleute und Kommandeure ausbilden zu lassen. DieSchulen waren sogar Jahrhunderte nach seinem Tod in Betrieb.

Hayreddin Pascha starb am 4. Juli 1546 in Istanbul. Viele türkische Bildungs- und Kultureinrichtungen, Viertel, Straßen und Moscheen wurden nach ihm benannt. Sein Grab befindet sich im Istanbuler Stadtteil Beşiktaş, wo eine prachtvolle Statue an den „Löwen des Mittelmeers“ erinnert.

TRT Deutsch