Ein Schutzsuchender steht mit zwei Kindern vor einem Stacheldrahtzaun im neu errichteten temporären Flüchtlingslager in Kara Tepe, Lesbos. (dpa)
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Allein zwischen Januar 2018 und Juni 2019 sind offenbar mindestens 440 Kinder und Jugendliche auf der Flucht in ein Land der Europäischen Union gestorben. Das meldet der Sender „rbb“ am Sonntag unter Berufung auf Daten des Rechercheverbundes „Lost in Europe“. Unter den Toten waren demnach auch 35 Babys.

Die meisten Kinder seien durch Ertrinken gestorben, hieß es weiter. Sie versuchten allein oder in Begleitung über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) machen die im Mittelmeer ertrunkenen Kinder etwa ein Viertel aller auf der Flucht gestorbenen Kinder weltweit aus.

Für „Lost in Europe“ zählen laut Angaben auch Kinder zu den Opfern, die bei Schleusungen innerhalb Europas oder in Flüchtlingslagern ums Leben kamen. Dies betrifft etwa Personen, die in Lkws durch Europa transportiert und bei Autounfällen tödlich verletzt wurden. Bei einem Drittel der ums Leben gekommenen Kinder konnte die Identität bis heute nicht aufgeklärt werden, hieß es.

EU-Kommission räumt „erheblichen Nachholbedarf“ ein

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte dem Sender, die Verantwortung für das Wohlergehen der Kinder liege letztlich bei den lokalen und nationalen Behörden der Mitgliedsstaaten. Dort gebe es erheblichen Nachholbedarf: „Wir erkennen an, dass viel mehr getan werden muss, um Kinder, die nach Europa kommen, zu schützen. Es gibt grundsätzliche Lücken, was den Schutz der Kinder angeht, und die Kommission hat sich dazu verpflichtet, diese Lücken anzusprechen, etwa über die EU-Kinderrechts-Strategie und andere EU-Initiativen.“

Die Analyse fußt den Angaben zufolge auf Daten der internationalen Nichtregierungsorganisation „United for Intercultural Action“, die diese ihrerseits in Zusammenarbeit mit über 500 Partnerorganisationen in 45 europäischen Ländern erhebt. Neben direkten Meldungen der Partnerorganisationen fließen die Auswertungen von Medienberichten, Meldungen der Küstenwachen sowie Erhebungen der IOM in die Statistik ein. „Lost in Europe“ berücksichtige - anders als andere Organisationen - bei der Erhebung auch die Spätfolgen von Flucht.

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Artikelquelle: KNA

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