Von einem Extrem ins andere? Nach einer oft euphorischen Begleitung der Willkommenspolitik des Jahres 2015 berichten Medien einer aktuellen Studie zufolge mittlerweile deutlich negativer über Flüchtlinge. (Symbolbild) (dpa)
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Medien in Deutschland berichten laut einer Studie immer seltener und zunehmend negativer über die Themen Flucht und Migration. „In den Jahren 2015/2016, auf dem Höhepunkt der Zuwanderung, war die Bewertung der Geflüchteten noch sehr positiv, doch das hat sich sehr schnell geändert“, sagte der Kommunikationswissenschaftler Marcus Maurer von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz am Donnerstag bei der Online-Vorstellung der Studie. Ein Team der Universität hatte die Beiträge von sechs Leitmedien in den vergangenen fünf Jahren analysiert. Die Untersuchung wurde mit finanzieller Unterstützung der Essener Mercator Stiftung ermöglicht.

Terror und Kriminalität als dominante Kontexte

„Seit zwei Jahren sind positive Bewertungen kaum noch zu messen, zum Beispiel werden die Chancen für kulturelle Vielfalt nicht thematisiert“, betonte Maurer. Dies sei vor allem bei den Nachrichtensendungen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender festzustellen. Als Individuen träten Flüchtlinge nur selten in den Medien in Erscheinung, höchstens im Zusammenhang mit Terror und Kriminalität. Zwei Drittel der Zeitungs- und Fernsehberichte hätten sich mit allgemeinen politischen Themen wie dem „Asylstreit“ in der großen Koalition beschäftigt. Bei bildlichen Darstellungen seien hauptsächlich Männer gezeigt worden. „Allerdings stellen Kinder die größte Gruppe der Asylstellenden“, sagte Maurer. Insgesamt zeigten sich zwei unterschiedliche Tendenzen, hieß es. Einerseits würden die Berichte die Menschen in Not darstellen, denen Hilfe zustehe. Andererseits werde die Gefahr für die Sicherheit der einheimischen Bevölkerung betont.

„Gut integrierter Flüchtling ist keine Story“ Maurer warnte jedoch davor, den Redaktionen eine besondere Schuld zuzuschreiben oder Fremdenfeindlichkeit zu unterstellen. Die Gründe lägen vielmehr in den Auswahlkriterien der journalistischen Arbeit. Es werde nicht kontinuierlich, sondern nur ereignisbezogen berichtet. „Das Beispiel eines gut integrierten Flüchtlings ist unspektakulär“, stellte Maurer fest. Außerdem habe die Corona-Pandemie die Berichterstattung zunehmend dominiert. Für die Studie „Fünf Jahre Medienberichterstattung über Flucht und Migration“ wurden knapp 6000 Beiträge von „Süddeutscher Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, „Bild“, Tagesschau, ZDF heute und RTL aktuell ausgewertet.

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