1. April 2022: Tarawih-Gebet in der Hagia Sophia Moschee (AA)
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Für die meisten der 1,9 Milliarden Muslime weltweit hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Ein Großteil der arabischen Staaten und auch viele Islamverbände in Deutschland riefen den Samstag als ersten Fastentag aus. Gläubige Muslime verzichten nun einen Monat lang von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang auf Essen, Trinken, Rauchen und Geschlechtsverkehr. Abends kommen die Menschen dann mit Verwandten, Nachbarn oder Freunden zum Fastenbrechen (Iftar) und Beten zusammen.
Kinder, Schwangere, alte und schwer körperlich arbeitende Menschen sind vom Fastengebot ausgenommen. Der Ramadan beginnt traditionell am Tag nach der Sichtung der Mondsichel nach dem Neumond. Dies kann von Land zu Land leicht variieren. In Jordanien beginnt der Ramadan etwa erst am Sonntag.
Tarawih-Gebet in der Hagia-Sophia-Moschee
In der Türkei hielten Gläubige am Freitagabend die ersten Ramadan-Gebete ab. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stand dabei die Hagia-Sophia-Moschee, in der nach 88 Jahren erstmals wieder das während Ramadan stattfindende Tarawih-Gebet verrichtet wurde. Der Andrang war so groß, dass viele Gläubige in der Moschee keinen Platz mehr finden konnten und auf dem Sultanahmet-Platz beten mussten. Seit der Umwidmung der Hagia-Sophia-Moschee zum Museum im Jahr 1934 war kein Gebet in dem Gotteshaus abgehalten worden.

1. April 2022: Tarawih-Gebet in der Hagia Sophia Moschee (AA)

Viele der rund 90.000 Moscheen im Land zieren feierliche Sprüche in Leuchtschrift (Mahya) zum heiligen Monat, die zwischen den Minaretten aufgespannt sind. In Supermärkten liegen Ramadan-Sortimente aus, etwa Datteln und Rosenwasser. Türkische Ratgeber diskutieren, ob man durch das Fasten abnimmt oder nicht. Corona-Auflagen in vielen Ländern gelockert
Im dritten Ramadan während der Corona-Pandemie haben viele Länder in diesem Jahr ihre Auflagen gelockert. In Saudi-Arabien können die Menschen den Fastenmonat nun wieder ganz normal feiern. Der Golfstaat erlaubt auch wieder volle Moscheen. Im vergangenen Jahr durften Gläubige dort dagegen nur 30 Minuten beten, zudem waren das traditionelle gemeinsame Fastenbrechen und das Frühstück vor dem Morgengrauen (Suhur) in Moscheen verboten. Auch Ägypten lockerte dank sinkender Corona-Zahlen Beschränkungen im Land. Indien schaffte alle Maßnahmen ab. In den vergangenen Jahren waren dort größere Menschenansammlungen noch nicht erlaubt gewesen.
In Ländern wie dem Irak, Ägypten und Tunesien wurde die Sorge um die Pandemie inzwischen von der Angst vor Lebensmittelknappheit verdrängt. Schuld daran ist Russlands Krieg in der Ukraine. Engpässe bei Lebensmitteln
Russland und die Ukraine sind für viele arabische Staaten wichtige Lieferanten für Weizen und Sonnenblumenöl. Nun drohen Engpässe. Vielerorts steigen deshalb bereits die Preise. Im Libanon sowie den Bürgerkriegsländern Jemen und Syrien müssen viele arme Menschen ohnehin seit langem Mahlzeiten auslassen.
Islamverbände in Deutschland wollen im Ramadan auch für die Opfer von weltweiten Konflikten beten. „In Zeiten des Krieges sind unsere Gedanken bei den Menschen in der Ukraine und anderswo, wo Krieg stets Leid und Zerstörung bringt“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek. „Wir beten für die Opfer im Heiligen Monat Ramadan ganz besonders und bitten Gott um Frieden für alle Menschen auf der Welt.“

dpa