4. Juni 2021: Andreas Beck während des Interviews mit TRT Deutsch (Interview-Screenshot)

Andreas Beck stand zwei Jahre bei dem türkischen Fußball-Spitzenklub Beşiktaş Istanbul unter Vertrag und trug maßgeblich zu dessen Gewinn der Meisterschaften in der Saison 2015/2016 und der darauffolgenden Spielzeit bei. Der Ex-Nationalspieler wird auch heute noch von Beşiktaş-Fans „blonder Adler“ genannt und als solcher geliebt. Im Interview mit TRT Deutsch berichtet Beck über seine Zeit in der Türkei und erklärt, was er an der Türkei nach seiner Rückkehr nun am meisten vermisst.

Beşiktaş ist in der letzten Saison sowohl türkischer Meister als auch Pokalsieger geworden. Was bedeutet das für Sie als Ex-Beşiktaş-Spieler?

Viel. Seit ich aus der Türkei weg bin, verfolge ich von hier aus die Spiele und die Liga. Es schlagen dann immer zwei, drei Herzen in meiner Brust, vor allem für die Ex-Vereine. Und für Beşiktaş natürlich sehr stark, weil ich dort eine fantastische Zeit hatte. Die letzten Wochen, die letzten Spiele, und dann auch dieses Herzschlag-Finale – das war dann schon sehr emotional. Ich habe auch unglaublich viele Nachrichten bekommen an dem Spieltag und in der Nacht, auch schon die Tage vorher. Da hat man dann natürlich schon extrem mitgefiebert und die Daumen gedrückt, dass die Jungs das auch packen.

Insgesamt zwei Jahre haben Sie in Istanbul gelebt. Was vermissen Sie aus Ihrer Zeit in der Türkei am meisten?

Vieles: das Essen, die Kultur, die Menschen. Auch die langen Tage mit dem super Wetter. Dieses emotionale, „stressige“ Leben in Istanbul. Das vermisse ich schon manchmal. Wir leben jetzt sehr ländlich und sehr ruhig. Ich habe jetzt auch mittlerweile drei Kinder. Da denkt man schon mal an die Zeit zurück, wie es war – mit einem weinenden und einem lachenden Auge, weil wir eine fantastische Zeit hatten. Und auf der anderen Seite wäre es auch schön gewesen, mehr davon zu haben. Es war eine gute Zeit.

Sie haben das erste Spiel in der neuen Vodafone Arena miterlebt. Was können Sie uns über die Stimmung im Stadion und über die Beşiktaş-Fans erzählen?

Außergewöhnlich. Bevor ich in die Türkei gewechselt bin, habe ich immer nur davon gehört, gelesen und von ehemaligen Mitspielern berichtet bekommen. Und dann selber in der Türkei zu spielen, das erleben zu dürfen – auch mit der Vorfreude, dass ein neues Stadion gebaut wird und man eventuell die Meisterschaft in der neuen Arena feiern kann -, das war auch noch mal eine Motivation für uns. Mit diesen frenetischen, außergewöhnlichen Fans solche Siege und Momente zu feiern, das ist schon etwas, was in Erinnerung bleibt. Jetzt habe ich meine 17. Profisaison, aber was ich da mit den Fans erleben durfte, ist nicht zu toppen.

Was waren Ihre unvergesslichsten Momente bei Beşiktaş, wo Sie zwei Meisterschaften gewinnen konnten?

Die Meisterschaftsfeier, die Bootsparade, die Derbys. Das erste Derby gegen Galatasaray, das wir für uns entscheiden konnten im ersten Jahr – auch so ein Moment, wo wir dann immer mehr an uns geglaubt hatten und wussten, dass wir in jenem Jahr etwas Besonderes schaffen könnten. Auch das Champions-League-Spiel daheim gegen Benfica Lissabon, als wir zur Halbzeit 3:0 hinten waren und dann noch ein 3:3 herausholen konnten. Aber auch die Auswärtsspiele wie in Neapel, wo wir dann außergewöhnlich performt haben.

4. Juli 2015: Andreas Beck nach der Unterzeichnung seines Vertrags bei Beşiktaş (AA)

Wie war der Tag, an dem Sie die Meisterschaft mit einer Bootsparade feierten?

Außergewöhnlich. Man erwartet ja auf der einen Seite nicht so viel, weil man so etwas vorher nicht erlebt hat. Ich habe zwar schon eine Meisterschaft erlebt in Stuttgart damals, die auch außergewöhnlich war mit einem Autokorso mit mehreren hunderttausend Menschen. Aber dann kriegt man gesagt „man fährt mit einem Boot“ – man weiß ja nicht so richtig, was einen da erwartet. Und wenn ich heute noch die Videos anschaue oder meinen Mitspielern davon etwas zeige: Es war unfassbar und gar nicht in Worte zu fassen, wie wir empfangen wurden am Bosporus.

Wie sehen Sie die Chancen der Türkei bei der EM 2020?

Schwer zu sagen, das ist keine einfache Gruppe. Aber bei so einem Turnier muss das erste Ziel das Meistern der Gruppenphase sein. Ich glaube, das wäre schon ein großer Erfolg, wenn man diese Gruppenphase überstehen kann. Sehr viele junge Spieler, aber mit sehr viel Qualität ausgestattet. Allein, dass man sich für die EM qualifiziert hat, war ja auch nicht selbstverständlich, da war wirklich jedes Spiel ein Highlight. Damit hat man das Volk, die Leute, die Fans schon sehr glücklich gemacht. Und genauso, denke ich, geht man in das Turnier hinein – im Bewusstsein, dass man positiv überraschen kann.

Sie tweeten auch heute noch auf Türkisch. Können Sie Türkisch sprechen? Woher kommt die Angewohnheit für das Tweeten auf Türkisch?

Vom Respekt her, den Leuten gegenüber. Da bin ich ganz ehrlich. Ich habe einen sehr großen Zuwachs bekommen in den sozialen Medien durch die türkischen Fans. Ich wollte das einfach immer respektieren, auch sozial und medial. Ich habe zwei Jahre Türkisch gelernt in der Türkei und hatte regelmäßig Unterricht. Im zweiten Jahr hatte ich dann das Gefühl, dass ich sehr viel verstehen und kommunizieren konnte. Ich denke, dass ich noch ein Jahr gebraucht hätte, um die Sprache sehr gut zu beherrschen. Aus Respekt den Menschen und den Fans gegenüber habe ich es beibehalten, weiter auf Türkisch zu tweeten. Ich lasse mir natürlich auch helfen, um da nicht in Leichtsinnsfehler hineinzukommen. Aber die Basics sind immer da. Für Smalltalk reicht es auch.

Haben Sie eine Nachricht an die Beşiktaş-Fans?

Ben Beşiktaş'ı, Türk futbolunu ve Türkiye’yi çok seviyorum.

TRT Deutsch