Experte: Weltuntergangsstimmung gegenüber türkischer Währung übertrieben

Die Türkei verbuchte im zweiten Quartal einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 9,9 Prozent. Damit blieb sie unter den Erwartungen von Experten und Analysten – sie hatten ein Minus von 10,7 Prozent bis 11,8 Prozent prognostiziert. Für das Pandemie-Jahr 2020 wird mit einem BIP von 5,4 Prozent für die Türkei gerechnet. Um der Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen, senkte die Türkische Zentralbank den Leitzins um 1,5 Prozent auf 8,25 Prozent.

Dafür druckte die Zentralbank neues Geld im Gesamtwert von 94 Milliarden Lira – zum Nachteil der Währung. Die Türkische Lira (TL) stürzte ab. Seit Jahresanfang steigt der Leistungsbilanzdefizit: Importe haben sich verteuert und die Exporte in die EU sind coronabedingt weggebrochen. Der derzeitige Stand der TL hat die Rohstoffimporte zusätzlich verteuert.

Der Erdgasfund im Schwarzen Meer ist aber ein Glücksfall und günstiger Ausgangspunkt für ausländische Anleger. Das berichtet „Boerse-online“ am Sonntag. Mit dem Fund des Rohstoffs ist die Türkei nun in der komfortablen Lage, einen Großteil des Bedarfs abzudecken und im Hinblick auf das Erdgas autonom zu werden. Die Weltuntergangsstimmung gegenüber der türkischen Währung sei übertrieben, konstatiert Gerhard Heinrich, Analyst beim Informationsdienst Emerging Markets Trader.

Auch bei der letzten Lira-Krise im Jahr 2018 habe die Währung ein neues Gleichgewicht gefunden. Das könnte wegen des aktuell enorm hohen spekulativen Drucks zwar noch etwas dauern, dann bestünden aber gute Chancen für mutige Investoren. Auch 2018 wertete die TL nach ihrer Stabilisierung kräftig auf. Anleger sollten also noch einige Wochen abwarten und die Währungsentwicklung genau beobachten, so der Experte.

Im Juni erhöhte sich in der Türkei der Export um 15,7 Prozent zum Vorjahr und erreichte fast das Niveau vor der Corona-Krise. Die Türkei könnte auch von der Neuausrichtung der Lieferketten von europäischen Firmen profitieren. Im Juni habe sich auch die Kfz-Branche nach dem Einbruch im Frühjahr erholt – ein Verkaufsplus von 66 Prozent zum Vorjahr. Für 2021 erwarten Analysten ein BIP-Plus von 4,4 Prozent.







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