Türkische Lira gewinnt an Wert – Investoren legen wieder an

Von Feride Tavus

Die türkische Lira sorgt an den heimischen Finanzmärkten für Aufschwung. Am Montag wurde erstmals seit August 2020 für einen US-Dollar weniger als sieben Lira verlangt. Die türkische Währung lockt wieder ausländische Investoren an. Für Analysten ist die positive Lira-Entwicklung keine Überraschung.

Im Herbst 2020 habe die türkische Notenbank die Geldpolitik neu ausgerichtet und im Markt die Hoffnung genährt, dass die Lira eine attraktive Verzinsung biete, die nicht mehr durch Abwertung aufgefressen werde, erklärte der Commerzbank-Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann gegenüber TRT Deutsch. „In einem globalen Umfeld, in dem viele andere Zentralbanken die Zinsen auf Null oder in den negativen Bereich gesenkt haben, ist natürlich das Zinsniveau in der Türkei für ausländische Investoren attraktiv.“

Die Zinserhöhung habe in dieser Hinsicht zweierlei bewirkt: „Sie hat die Prämie, die man für Lira-Positionen erhält, erhöht. Und sie hat das Risiko einer deutlichen Lira-Abwertung reduziert. Daher ist die Lira derzeit gesucht“, so der Experte.

Ulrich Leuchtmann – Währungsexperte der Commerzbank Bildquelle: Commerzbank

In zwei Schritten erhöhte die türkische Notenbank den Leitzins um 675 Basispunkte auf 17 Prozent. Die Folge: Die türkische Währung gewinnt an Wert.

Der Dollar kostete im November an den Devisenmärkten 8,58 Lira und hat innerhalb weniger Monate die Marke von sieben Lira unterschritten. Im gleichen Zeitraum fiel der Euro von 10,19 Lira auf 8,55 Lira. Die neue Strategie scheint Anleger zu überzeugen. „Insgesamt hat am Devisenmarkt der Risikoappetit zugenommen. Die Impfungen gegen den Coronavirus sind eine Art Licht am Ende des Tunnels. Unabhängig von Impfverzögerungen in einigen Ländern und aktuellen Lockdowns setzt der Devisenmarkt auf eine Erholung. Das heißt für die Lira: Das hohe Leitzinsniveau ist wieder verlockend, das Wechselkursrisiko wiegt weniger schwer“, sagte der Finanzexperte. Insgesamt seien seit November 15 Milliarden Dollar investiert worden.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) attestierte Mitte Januar der Türkei eine Erholung der Wirtschaft. Nach ihrer jüngsten Wirtschaftsumfrage zur Türkei stellte die Organisation fest: Die Erholung der türkischen Wirtschaft von der ersten Pandemie-Welle war zwar mit Gegenwind konfrontiert gewesen, ist aber relativ stark ausgefallen. 2020 soll die Wachstumsrate des Landes schätzungsweise um 0,2 Prozent gesunken sein, anstatt wie erwartet um 1,3 Prozent.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet mit einem Wirtschaftswachstum von sechs Prozent für 2021. Laut IWF trugen zahlreiche Regierungsmaßnahmen zur Erholung der wirtschaftlichen Aktivität im dritten Quartal bei. Die Türkei gehört damit zu den wenigen Ländern, für die ein positives Gesamtwachstum im Jahr 2020 geschätzt werde. Nach Ansicht des Commerzbank-Experten wirkt sich die Lira-Aufwertung auch positiv auf den Export des Landes aus. „Momentan zieht die Nachfrage nach türkischen Gütern eh an - weil sich die Erholung der Handelspartner der Türkei nach dem Einbruch im Frühjahr 2020 fortsetzt.“ Diese gegenwärtigen Niveaus seien keine Belastung für türkische Exporteure oder für türkische Unternehmen, die gegen Importe konkurrierten, so Leuchtmann.

TRT Deutsch