Symbolbild

Die einen nutzen sie, um ihre tägliche Joggingroute zu erstellen, andere, um ihre Trainingserfolge beim Workout oder Schwimmen zu dokumentieren. Wieder andere wollen sich ein genaueres Bild von ihrer Gesundheit und ihrem Bewegungsmuster verschaffen. Die Rede ist von digitalen Fitnessgadgets wie smarten Uhren und Fitnessarmbändern, aber auch zugehörigen Apps und Online-Tools.

Im Jahr 2019 nutzten laut einer Studie von Statista bereits knapp 30 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland – somit fast jeder Dritte – gelegentlich einen Fitnesstracker. Die Ergebnisse decken sich mit denen anderer Umfragen, wie etwa vom „Optimized Self Monitor 2019“ des Marktforschungsinstituts Splendid Research. Die Befragung von 1200 Deutschen ergab hier, dass bereits rund ein Viertel der Bevölkerung zwischen 19 und 69 Jahren eine Smartwatch oder andere Fitnesstracker besitzt. Ein weiteres Viertel hat demnach außerdem grundsätzliches Interesse an den Wearables.

Damit ist Deutschland den USA in der Nutzung von Fitnesstrackern sogar leicht voraus: Laut einer US-amerikanischen Studie von Gallup trägt derzeit einer von fünf Amerikanern bereits einen mobilen Fitnesstracker wie z.B. eine Fitbit oder Smartwatch.

Doch nicht nur smarte Uhren und Armbänder sind Teil des zunehmenden Trends zum digitalen Gesundheits- und Fitnessmonitoring, sondern auch die entsprechenden Online-Tools und Smartphone-Anwendungen: Ob 15-Minuten-Workouts für einzelne Muskelgruppen, Rückenschule, Yoga-Einheit, Lauf- und Trainings-Apps oder digitale Anwendungen zur Meditation und Entspannungsunterstützung - rund ein Drittel der Deutschen hat laut der Umfrage von Splendid Research bereits Apps aus den Bereichen Fitness, Gesundheit, Ernährung und Entspannung einmal ausprobiert oder nutzt sie sogar regelmäßig.

Wofür digitales Fitnesstracking gut ist

Klar ist: Wer seine Trainingserfolge über eine Smartwatch oder ein anderes Wearable für sich selbst oder sogar für andere dokumentiert, ist in erster Linie vor allem auf messbare „Erfolge“ wie z.B. Trainingsdaten, zurückgelegte Routen oder verbrauchte Kalorien fixiert. Doch mit der Erfassung der eigenen Vitalparameter wie Puls und Kalorien ergibt sich auch eine gesteigerte Achtsamkeit gegenüber dem Körper und den eigenen Bewegungsmustern.

Die aktuellen Studien geben Rückschluss auf den Hintergrund dieser Entwicklungen am digitalen Fitnessmarkt: Die Nutzer versprechen sich von den digitalen Tools mehr Wohlbefinden und eine zusätzliche Motivation, um neue Gewohnheiten und eine gesündere Lebensweise, mehr Bewegung und Sport in ihren Alltag zu integrieren. Dabei zeigt sich im Trend: Überdurchschnittlich oft nutzen jüngere Menschen die Fitness-Apps – im Vergleich zu älteren Menschen, deren Nutzung deutlich geringer ausfällt. Mit 60 Prozent ist die Ablehnung unter den über 50-Jährigen in Deutschland am größten. Außerdem sind bislang etwas mehr Frauen als Männer auf den Geschmack der digitalen Trainingshelfer gekommen.

Ob digitale Anwendungen wie Strava, Runtastic oder Polar Flow – der Branchentrend zeichnet sich hierzulande seit längerem ab. Bereits 2017 gaben die Deutschen pro Kopf 18 Euro pro Jahr für Fitness-Apps aus, wie eine andere Statista-Erhebung verrät, die weiteres Wachstum prognostiziert. Obwohl die Hälfte aller von Splendid Research befragten Deutschen bislang weder Erfahrung noch Nutzungsabsichten in Bezug auf Fitness-Apps hat, sind die Vorbehalte weiterhin groß. Die Umfragen von 2019 zeigen jedoch auch, dass die Sport- und Fitness-Apps für ein Fünftel (20 Prozent) bereits etablierte Tools zur Unterstützung im Alltag geworden sind. So war beispielsweise die auf Rad- und Wanderrouten ausgelegte Navigations-App Komoot im August 2020 laut der Statistik des Google Play Stores mit knapp 280.000 Downloads die zweitbeliebteste deutsche Sport-App.

Smartwatch-Funktionen im Überblick

Eine traditionelle Smartwatch kombiniert den klassischen Schrittzähler, den man bereits vom Smartphone kennt, mit der Erfassung der Herzfrequenz bzw. des Pulses und einem Kalorienzähler. Die intelligente Armbanduhr ermöglicht, ebenso wie viele Fitnessarmbänder, das gezielte Einstellen unterschiedlicher Sportmodi, sodass die Nutzer die Daten und Vitalwerte ihrer Sportaktivitäten exakt erfassen können. Im Regelfall erkennt die Smartwatch jeweilige Sportarten und -bewegungen automatisch. Diese lassen sich jedoch auch manuell vorab einstellen. Wer zum Beispiel bei der Yoga-Einheit einen Ruhepuls entwickelt, kann dies auf seiner Fitbit dennoch als Yoga-Einheit verbuchen.

Einige digitale Sport-Uhren verfügen zudem über einen Ortungssensor und Offline-Karten, sodass sich auch ohne Smartphone im Gepäck Trainingsrouten erstellen oder aufzeichnen lassen. Über den GPS-Sensor und einen Barometer werden die Routen und Höhenmeter beim Laufen und Radfahren korrekt erfasst.

Zusätzlich besitzen viele Smartwatches einen Musikspeicher, Bezahlfunktionen und mitunter auch Messaging-Funktionen und Sprachassistenz. Smartwatches sind grundsätzlich mit dem Smartphone verknüpft und können deshalb nicht selten auch Benachrichtigungen anzeigen. Auf der entsprechenden App des Smartphones wiederum werden die Vita- und Trainingsdaten regelmäßig eingespielt und mit der Smartwatch synchronisiert.

Fitnessarmbänder und weitere Möglichkeiten

Mit Fitnessarmbändern bietet sich eine weitere Möglichkeit, die eigenen Bewegungsmuster und Trainingsaktivitäten mobil zu erfassen. Diese Variante von Fitnesstrackern eignet sich u.a. besonders für das Schwimmtraining, da sie wasserfest ist, unterschiedliche Schwimmstile erkennt und die Leistung analysiert.

In den USA hat Amazon jetzt im August zusammen mit seiner App Halo einen On-wrist Health Tracker auf den Markt gebracht, der sowohl an Land als auch im Wasser die körperliche Aktivität, Temperatur und Herzrate erfasst. Damit liefern die bildschirmlosen Armbänder einen umfassenden Einblick in die eigene Gesundheit und Fitness. Zudem geben sie Aufschluss über Intensität und Dauer von Bewegungen, die Entwicklung von Körperfett bis hin zur Überwachung des eigenen Schlafs.

Tatsächlich zählt das Schlaf-Monitoring zu den beliebtesten Funktionen von Fitness-Wearables. So können Nutzer nicht nur tagsüber ihre Bewegungs-, sondern auch nachts ihre Schlafmuster beobachten und analysieren. Wer etwa gefühlt besonders gut oder schlecht geschlafen hat, kann dies nun am Verlauf seiner Vitalwerte und der Dauer der einzelnen Schlafphasen nachvollziehen.

Ein weiteres Feature, mit dem Amazon Halo den üblichen Funktionsumfang von Fitness-Wearables übersteigt, ist die Stimmanalyse: Damit kann die Stimme des Trägers in der Kommunikation mit anderen analysiert und dessen gesundheitlicher und psychischer Status ausgewertet werden.

Vor dem Kauf: Kosten versus Nutzen

Zwischen 200 und 500 Euro liegen im Schnitt die Preise für die „Smartphones“ am Handgelenk, die sich vor allem hinsichtlich ihrer Bedienweisen – per Touchscreen oder drehbarer Lünette – und ihrer Zusatzfunktionen wie GPS-Ortung und internetfähigem LTE-Modul voneinander unterscheiden. Mit einer eingelegten eSIM-Karte können die Fitnesstracker dann sogar zum Telefonieren verwendet werden. Die Akku-Laufzeit hochwertiger Smartwatches liegt im Schnitt bei rund ein bis idealerweise vier Tagen.

Vor einem möglichen Kauf sollten sich interessierte Nutzer vergewissern, dass ihr gewünschtes Modell mit dem eigenen Smartphone und dessen Betriebssystem kompatibel ist. Die iOS-basierten Apple Watches lassen sich beispielsweise nicht mit Android-Smartphones verbinden.

Angst vor Datenmissbrauch

Weiterhin sind Bedenken zur Sekundärnutzung und Monetarisierung von gespeicherten Fitnessdaten Teil der öffentlichen Debatte. Kritische Stimmen befürchten, Gesundheits- und Fitnessdaten seien durch sogenannte Fitness-Leaks gefährdet. Gleichzeitig lässt sich in den öffentlichen Umfragen jedoch auch eine grundsätzliche Bereitschaft zur freiwilligen Spende der eigenen Daten feststellen: Laut Splendid Research würden deutsche Nutzer ihre Daten bereitwillig mit Ärzten (58 Prozent), Krankenkassen (51 Prozent) und Sportlabels (25 Prozent) teilen, wenn sie hierdurch Vorteile wie etwa Rabatte erhielten.

Die Zukunft: Wearables als Lebensretter und Gesundheitsbegleiter

Der Branchentrend geht noch weiter: Zukünftig sollen Smartwatches zu Gesundheitshelfern und sogar Lebensrettern ausgeweitet werden, indem sie beispielsweise als EKG, zur Früherkennung von Vorhofflimmern, für die Blutdruckmessung oder Sturzerkennung eingesetzt werden. Mittels entsprechender Sensorik kann so sogar automatisch ein Notruf ausgelöst werden.

Ganz neu am Markt sind Fitnessarmbänder und digitale Sportuhren – angeführt von der Apple Watch der Serie 6, die in dieser Woche auf den Markt kommt – deren Sensorik sogar die Sauerstoffsättigung im Blut misst. Innerhalb von 15 Sekunden soll die neue Smartwatch über die Farbe des Bluts den Anteil der mit Sauerstoff beladenen roten Blutkörperchen und deren Transport im Blut bestimmen können – womit sich u.a. vorzeitige Anzeichen von Herzstillstand voraussagen lassen.

TRT Deutsch