Heute vor 32 Jahren siegte Galatasaray im Viertelfinalspiel des UEFA Pokals der Landesmeister gegen Monaco und schaffte somit in Deutschland den Einzug ins Halbfinale. Nicht einmal rassistische Provokationen konnten die Euphorie überschatten.

Galatasaray bevorzugte Deutschland als Spielstätte!

Nachdem bei der Begegnung zwischen Galatasaray und Neuchâtel Xamax ein Fan Münzgeld im Wert von 100 türkischer Lira auf das Spielfeld geworfen und damit den Linienrichter getroffen hatte, wurde Galatasaray als Verlierer gewertet, und die UEFA disqualifizierte die Mannschaft aus dem Turnier. Galatasaray legte Einspruch gegen dieses Urteil ein, woraufhin die Wertung als Verlierer zurückgenommen wurde. Allerdings entschied die UEFA, dass die anstehende Viertelfinalbegegnung an einem neutralen Spielort außerhalb der Türkei stattfinden musste. Immerhin durfte Galatasaray die Spielstätte selbst auswählen und entschied sich für das Müngersdorfer Stadion in Köln, da dort viele türkischstämmige Fans leben.

Arsene Wenger kam nach Konya!

Der damalige Trainer von Monaco, Arsene Wenger, kam am 31. Dezember 1988 nach Konya, um die Begegnung zwischen Konyaspor und Galatasaray im Atatürk-Stadion zu verfolgen. Wenger ging dabei auch durch die Straßen von Konya, besuchte das Mausoleum von Celaleddin Rumi, aß vom berühmt-berüchtigten Tandır-Kebap und trank (das Nationalgetränk) Ayran. Er verbrachte Neujahr 1989 in der Türkei, verfolgte am 22. Januar 1989 im Atatürk-Stadion in Izmir die Begegnung zwischen Karşıyaka und Galatasaray und am 12. Februar 1989 das Spiel Galatasaray gegen Boluspor im Ali Sami Yen-Stadion (in Istanbul).

Tanju Çolak gab auf dem Spielfeld Antwort!

Tanju Çolak, der mit 39 Treffern in der Saison 1987/88 europäischer Torschützenkönig geworden war, nahm genau einen Monat vor der Begegnung gegen Monaco, am 1. Februar 1989, an der Auszeichnung durch den Goldenen Schuh in Monte Carlo teil. Dort bekam er die Trophäe vom legendären Gerd Müller überreicht, dessen großer Verehrer er war. Die Moderatorin der Veranstaltung, Désirée Nosbusch, wollte während der Veranstaltung ein Interview mit Tanju Çolak führen, was dieser aufgrund fehlender Fremdsprachkenntnisse ablehnte. Die abwertenden Reaktionen der Moderatorin während der Zeremonie, die man live im türkischen Staatsfernsehen mitverfolgen konnte, waren sehr beleidigend. Anschließend ließ sie gegenüber der Presse verlautbaren, der Spieler sei keiner einzigen Fremdsprache mächtig, und machte sich darüber hinaus über Tanju Çolak lustig. Am 1. März 1989 gewann Galatasaray im Viertelfinale des UEFA Pokals der Landesmeister in Frankreich gegen Monaco mit 1:0, und zwar durch ein Tor von Tanju Çolak. Damit gab Tanju Çolak die passende Antwort auf die Kritik an ihm, die ihn der Lächerlichkeit preisgegeben hatte.

Gastfreundliches Köln!

9 Tage vor dem Rückspiel gegen Monaco in Köln reiste Galatasaray am 6. März 1989 nach Deutschland und begab sich in ein Trainingslager in einer Hotelanlage in Herdecke. Die Mannschaft des 1. FC Köln stellte Galatasaray während ihres Aufenthaltes in Deutschland ihren Mannschaftsbus zur Verfügung. Auf Einladung der Klubverantwortlichen besuchten die Spieler von Galatasaray das Müngersdorfer Stadion in Köln. Nach einem gemeinsamen Essen und einer Trainingseinheit schauten sich die Spieler von Galatasaray die Begegnung zwischen dem 1. FC Köln und Eintracht Frankfurt im Stadion an. Die Kölner Fans sagten der Mannschaft von Galatasaray ihre Unterstützung bei der Begegnung gegen Monaco zu. Auch Borussia Dortmund wünschte Galatasaray viel Erfolg für die Begegnung und überreichte verschiedene Präsente. Der damalige Trainer von Köln, Christoph Daum, beobachtete während der Partie zwischen Galatasaray und Monaco insbesondere Tanju Çolak, dessen Wechsel nach Köln er veranlassen wollte.

Fußballfans ließen sich nicht provozieren!

Unter den 60.000 Fußballfans, welche die Begegnung im Stadion verfolgten, befand sich auch der damalige Ministerpräsident der Türkei, Turgut Özal. Neben türkischen Flaggen und Fahnen von Galatasaray konnte man auf den Tribünen auch Fahnen der Mannschaften Beşiktaş, Fenerbahçe und Trabzonspor sehen. Nicht einmal die provokativen Angriffe vor dem Spiel durch Rassisten auf parkende Autos der türkischen Fans konnten die Euphorie im Stadion überschatten. Während die deutsche Presse ausführlich über die Vorfälle berichtete, wurden die besonnene Reaktion der türkischen Fans auf die Provokationen und die Euphorie auf den Tribünen gelobt. Nach dem Anpfiff der Begegnung zwischen Galatasaray und Monaco um 21.00 Uhr türkischer Zeit waren die Straßen wie leergefegt. Die Stille auf den Straßen endete mit dem Schlusspfiff, als die Menschen zum Feiern auf die Straße stürmten. Das türkische Staatsfernsehen TRT, das die Begegnung live übertragen hatte, platzierte nach dem Spiel auf dem rechten Bildschirmrand sogar das Logo der Mannschaft von Galatasaray.

Prekazi erzielte ein unvergessliches Tor!

Bei der Begegnung, die 1:1 endete, erzielte Cevad Prekazi das einzige Tor für Galatasaray und George Weah, der aktuell das Amt des Präsidenten der Republik Liberia inne hat, das Tor für Monaco. Prekazi, dem ein unvergessliches Freistoßtor aus 40 Metern gelang, erklärte im Interview nach der Begegnung: "Seit zwei Tagen juckte es unter meinem linken Fuß. Während der Halbzeitpause kam dann Mirsad Kovacevic zu mir. Er massierte meinen Fuß und sagte mir, ich solle die Fußballschuhe wechseln, weil sie nicht gut seien. Ich wechselte daraufhin die Schuhe. Dann flüsterte er mir noch zu, dass ich heute mit dem linken Fuß ein Tor erzielen werden würde. Ich glaubte daran, und tatsächlich gelang mir ein Tor." Einer der wichtigsten Personen in der Geschichte von Galatasaray, der Deutsche Jupp Derwall, sagte nach der Partie, mit diesem Weiterkommen habe eine neue Ära im türkischen Fußball begonnen.

100 türkische Lira brachten letztlich 3,6 Milliarden türkische Lira ein!

Nachdem bei der Begegnung zwischen Galatasaray und Neuchâtel Xamax ein Fan Münzen im Wert von 100 türkischer Lira auf das Spielfeld geworfen hatte, geriet Galatasaray zunächst in Schwierigkeiten und stand sogar kurz vor dem Ausschluss, konnte aber im Nachgang mit dem Weiterkommen 3,6 Milliarden türkische Lira einnehmen: 1,5 Milliarden durch Bandenwerbung im Stadion, 1,3 Milliarden durch Fernsehgelder und 800 Millionen durch Ticketverkäufe. Hätte Galatasaray keine Strafe erhalten und unter normalen Umständen im eigenen Stadion gespielt, wären diese Summen aufgrund der geringeren Kapazität des Ali Sami Yen-Stadions und der hohen Wahrscheinlichkeit, dass die Begegnung tagsüber hätte stattfinden müssen, niedriger ausgefallen. Turgut Özal gratulierte Galatasaray zum Erwirtschaften großer Mengen Devisen für das Land.

Der Gegner im Halbfinale: Steaua Bukarest mit Hagi und Rotariu!

Gegner von Galatasaray im Halbfinale war der rumänische Vertreter Steaua Bukarest mit den Spielern Gheorghe Hagi und Iosif Rotariu. Galatasaray verlor gegen Steaua Bukarest und schied aus dem Wettbewerb aus. Im Jahr 1990 wechselte Rotariu dann zu Galatasaray. In der Saison 1991/92 leitete er durch eine verpasste Torchance das Ausscheiden Galatasarays im Europäischen Pokal der Pokalsieger gegen Werder Bremen ein, womit Galatasaray die Chance auf das Halbfinale vergab. Im Jahr 1996 wechselte Hagi zu Galatasaray und trug dazu bei, dass die Mannschaft in der Saison 1999/2000 den UEFA-Pokal errang. In all den Spielzeiten, in denen Galatasaray diese großen Erfolge feierte, war Deutschland stets eine der Stationen auf dem Weg zum Erfolg, bei der Anhänger von Galatasaray unvergessliche Tage erlebten.

GASTBEITRAG | Ömer Özkal @omerozkal82