02.12.2003, Westfalenstadion, Dortmund: Fußballfans von Galatasaray feuern ihr Team mit großer Leidenschaft an.

Juventus wollte erneut nicht nach Istanbul

Nach dem Beschluss der Verschiebung entfachten Diskussionen über den Austragungsort auf einem neutralen Spielfeld. Hierzu äußerten sich auch der damalige Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, und weitere Minister. Bei anschließenden Konsultationen mit dem damaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, dem britischen Premierminister Tony Blair und den Verantwortlichen der UEFA wurden staatliche Garantien gegeben, dass es keine Sicherheitsprobleme in Istanbul gibt.

Genau 5 Jahre vor diesem Spieltag war schon das für den 25. November 1998 angesetzte Spiel zwischen Galatasaray Istanbul und Juventus Turin aufgrund einer politischen Krise zwischen der Türkei und Italien bezüglich des Anführers der Terrororganisation PKK, Abdullah Öcalan, auf den 2. Dezember 1998 verschoben worden. Mit dieser Entscheidung hatte die UEFA zum ersten Mal in ihrer Geschichte ein Champions League-Spiel verschoben. Anschließend wollte Juventus Turin die Begegnung auf ein neutrales Spielfeld verlegen lassen, doch dank der hohen Sicherheitsmaßnahmen am Spieltag reiste das Team von Juventus schließlich doch nach Istanbul und lief im Ali Sami Yen-Stadion auf. Mehr als 20.000 Polizeibeamte kamen bei dieser Partie zum Einsatz, die 1:1 endete.

Rendite für den internationalen Terrorismus

Eine fast identische Situation trat exakt 5 Jahre später ein: Am 25. November 2003 entschied die UEFA, dass die Champions League-Begegnung zwischen Galatasaray Istanbul und Juventus Turin auf neutralem Boden ausgetragen werden solle. Am selben Tag wurde für die Begegnung zwischen Beşiktaş Istanbul und Chelsea London gleiches entschieden, woraufhin beide türkische Fußballmannschaften die Aufhebung dieses UEFA-Urteils am Internationalen Sportgerichtshof (CAS) beantragten.

Der damalige Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, bewertete die Entscheidung der UEFA damals als politisch und dem internationalen Terrorismus zugutekommend.

Nach dieser Entscheidung der UEFA erwogen sowohl Galatasaray als auch Beşiktaş Istanbul einen Rückzug aus der fortlaufenden Champions League-Saison, kamen angesichts eines drohenden Spielverbots in der folgenden Saison und der damit verbundenen finanziellen Verluste jedoch davon wieder ab.

02.12.2003: Das Champions League-Spiel zwischen Galatasaray Istanbul und Juventus Turin. Others

Galatasaray – der Sieger auf dem Platz

In der Pressekonferenz vor der Begegnung erklärte der Trainer von Galatasaray Istanbul, Fatih Terim, die Entscheidung der UEFA habe seine die Mannschaft nur noch ehrgeiziger gestimmt und die Atmosphäre im Westfalenstadion werde sich nicht von der im Ali Sami Yen-Stadion unterscheiden. Als dann der 2. Dezember 2003 anbrach, wurde das Schild des Westfalenstadions mit einem Banner mit der Aufschrift Ali Sami Yen-Stadion bedeckt, und die Fußballfans von Galatasaray, die die Tribünen füllten, feuerten ihr Team mit großer Leidenschaft an. Wie schon 1998 trainierte Fatih Terim die Mannschaft von Galatasaray und Marcello Lippi die Mannschaft aus Juventus Turin. Auch insgesamt 8 Spieler aus beiden Mannschaften waren bereits bei der Begegnung im Jahr 1998 auf dem Platz gewesen. Während Galatasarays Torhüter Faryd Mondragon beim 2-0 Erfolg seines Teams glänzte, stürmten die Fans mit dem Schlusspfiff das Spielfeld und feierten den Erfolg ihrer Mannschaft. Beşiktaş verlor im letzten Moment die Chance auf die zweite Runde

Nachdem der Internationale Sportgerichtshof am 3. Dezember 2003 den Antrag bezüglich der Zurückverlegung der Begegnung zwischen Beşiktaş und Chelsea abgewiesen hatte, fand das Spiel am 9. Dezember 2003 in Gelsenkirchen statt. Im zweiten Spiel dieser Gruppe trat Sparta Prag gegen Lazio Rom an. Der Sender, der das Spiel Beşiktaş gegen Chelsea übertrug, blendete am rechten Bildschirmrand durchgängig den Spielstand der zweiten Begegnung ein. Nach torloser erster Halbzeit, begann die zweite Halbzeit 5 Minuten verspätet, weil ein Konfettiregen von den Tribünen auf das Spielfeld niedergegangen war. Aufgrund dieses Umstands kam es zu einer zeitlichen Differenz zwischen den beiden Partien. Während Beşiktaş nach einem Gegentor in der 77. Minute 0-1 zurücklag, lief das Spiel zwischen Sparta Prag und Lazio Rom torlos weiter. Wenn die Spiele mit diesen Zwischenständen enden würden, würde Beşiktaş zum ersten Mal in seiner Geschichte die zweite Runde der UEFA Champions League erreichen. Als Chelsea in der 85. Minute auf 2-0 erhöhte, blendete der Sender in der unteren linken Ecke des Bildschirms einen Mini-Bildschirm ein, auf dem das Tor von Sparta Prag gegen Lazio Rom in der 90. Minute live gezeigt wurde. Aufgrund dieser Ergebnisse verabschiedete sich Beşiktaş Istanbul aus der Champions-League und spielte im UEFA-Pokal weiter. Galatasaray Istanbul spielte einen Tag nach diesem Spiel gegen Real Sociedad unentschieden, schied somit ebenfalls aus der Champions League aus und ging seinen Weg im UEFA-Pokal weiter. Doppelmoral der UEFA

Die gleiche UEFA, die aufgrund von Terroranschlägen bei den Partien von Beşiktaş und Galatasaray auf eine neutrale Spielstätte entschied, drängte bei Real Madrid nicht auf eine neutrale Spielstätte, obwohl es in derselben Saison zu einem Terroranschlag in Madrid kam: Am 11. März 2004 wurde an einem Bahnhof in Madrid ein Anschlag verübt. Die Terrororganisation Al-Qaida übernahm die Verantwortung dieses Anschlags, wie zuvor auch jenes in Istanbul. Und trotz dieses Anschlags wurde das Champions League-Viertelfinalspiel zwischen Real Madrid und Monaco am 24. März 2003 nicht auf neutralem Boden ausgetragen, sondern im Santiago Bernabeu-Stadion in Madrid.