von Ali Özkök

Bei einem Selbstmord-Autobombenanschlag der al-Schabaab-Terrorgruppe in der Nähe der somalischen Hauptstadt wurden am vergangenen Samstag nach Angaben der lokalen Behörden mindestens vier Menschen getötet und 15 weitere verletzt.

Sowohl türkische als auch somalische Beamte sagten, dass zu den Verletzten des Anschlags vom Samstag in der Nähe der Stadt Afgoye - etwa 30 Kilometer südwestlich von Mogadischu - sowohl türkische Ingenieure als auch somalische Staatsangehörige gehörten. Sie arbeiteten in der Gegend an der Infrastruktur des Landes.

Der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca informierte, dass sechs türkische und neun somalische Bürger bei dem Bombenanschlag verletzt wurden. Zwei Personen befinden sich im kritischen Zustand.

Al-Schabaab greift gezielt türkische Bürger an

Der Angriff vom Wochenende ist der zweite Anschlag gegen türkische Staatsbürger binnen nur weniger Wochen in Somalia. Zuvor, am 28. Dezember 2019, wurden mindestens 85 Menschen getötet, darunter zwei türkische Staatsangehörige.

Im Gespräch mit TRT Deutsch kommentierte der ehemalige Diplomat und Berater des Sprechers des somalischen föderalen Parlaments, Abdulkadir Mohamed Nur, über das mögliche Interesse ausländischer Akteure, die Terrormiliz al-Schabab im Sinne eigener Interessen zu instrumentalisieren.

„Wir wissen, dass innerhalb der Struktur von al-Shabaab viele ausländische Terroristen zu finden sind. Dass solch eine Terrororganisation durch andere Kräfte leicht zu manipulieren ist, liegt auf der Hand. Solche Netzwerke können auch nur deshalb überleben, weil sie Spielball von ausländischen Akteuren sind.“, so Nur.

Auf Twitter hat das türkische Verteidigungsministerium den Angriff angeprangert. „Wir verurteilen den Bombenterroranschlag auf das Schärfste, der sich gegen unschuldige Zivilisten in Somalia richtete“, sagte das Ministerium.

„Eine Selbstmord-Autobombe rammte in einen Ort hinein, an dem die türkischen Ingenieure und die somalische Polizei zu Mittag aßen“, sagte ein anderer Polizist gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die in Somalia ansässige bewaffnete Gruppe al-Schabaab, die in den letzten Wochen ihre Aktivitäten in dem ostafrikanischen Land und dem benachbarten Kenia verstärkt hat, bekannte sich auf ihr Medienseite Radio Andalus zu dem Angriff.

„Wir stehen hinter dem Märtyrertod und der Selbstmord-Autobombe in Afgoye“, erklärte Abdiasis Abu Musab, der Pressesprecher von al-Schabaab. „Wir haben die türkischen Männer und mit ihnen die somalischen Streitkräfte ins Visier genommen. Es gibt Tote und Verletzte.“

Al-Schabaab fürchtet türkische Militärunterstützung an Somalia

Ankara gilt als wichtiger Unterstützer Somalias - insbesondere seit einer Hungersnot im Jahr 2011. Die somalische Regierung betrachtet Ankara als willkommenen Partner, um dem Einfluss der autokratischen Monarchien Saudi-Arabien und Vereinigten Arabischen Emirate am Horn von Afrika entgegenzuwirken.

Über die Beweggründe, warum die al-Schabaab ausgerechnet türkische Staatsbürger ins Visier nimmt, sagte Abdulkadir Mohamed Nur zu TRT Deutsch:

„Der Terror will weder Wiederaufbau noch Ordnung. Aus diesem Grund sieht al-Shabaab die Unterstützung des türkischen Staates an die somalische Bevölkerung als Bedrohung an.”

„Die von der Türkei ausgebildeten somalischen Soldaten konnten im Kampf gegen al-Shabaab wichtige Siege verzeichnen und haben viele Regionen befreit“, lobte der ehemalige Diplomat die militärischen Anstrengungen der Türkei zur Stabilisierung des Landes. „Damit spielt die Türkei eine Hauptrolle im Hinblick auf die Zukunft von Somalia. Deswegen ist es nicht verwunderlich, dass al-Shabaab beunruhigt ist und zu Angriffen übergeht.“

Die Türkei unterhält nach dem „Win-Win“-Prinzip enge Beziehungen zu Somalia. Ankara realisierte im ostafrikanischen Land mehr als 150 Projekte zur Entwicklungshilfe, die seit 2011 von der türkischen Kooperations- und Koordinierungsagentur (TİKA) durchgeführt werden.

Die al-Schabaab-Miliz kontrolliert Gebiete im Süden und Zentrum Somalias. Sie greift dort und im benachbarten Kenia wiederholt Sicherheitskräfte sowie Zivilisten an.

Am fünften Januar stürmte die Terrororganisation eine von den US-Streitkräften genutzte Militärbasis in der kenianischen Küstenregion Lamu und tötete drei Amerikaner.

In der vergangenen Woche drohte die Terrorgruppe Kenia, es werde „niemals sicher sein“, bedrohte zudem Touristen und rief zu weiteren Angriffen auf US-Interessen. Kenianische und US-Truppen haben die somalische Regierung in ihrem Kampf gegen die bewaffnete Gruppe unterstützt.


TRT Deutsch