Symbolbild: Opfer eines Terroranschlages des PKK-Ablegers YPG (AA)

Die YPG, ein syrischer Ableger der terroristischen PKK, will mit Bombenanschlägen vor allem gegen Zivilisten in Nordsyrien „Chaos und Unordnung“ stiften. Zu diesem Ergebnis kommt ein jüngst veröffentlichter der in Ankara ansässigen politischen Denkfabrik „Stiftung für politische, wirtschaftliche und soziale Forschung“ (SETA).

Für die 38-seitige Ausarbeitung haben sich die Analysten Ömer Özkizilcik und Kutluhan Görücü mit 26 Selbstmordattentaten und 51 Autobombenanschlägen der PKK in der Türkei zwischen 2014 und 2018 sowie 192 Autobombenanschläge der YPG in den von der syrischen Übergangsregierung kontrollierten Gebieten zwischen 2018 und 2021 befasst. Das Muster, das sie darin erkennen konnten, war eindeutig, so das Ergebnis.

Die PKK, die von der Türkei, den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union als terroristische Organisation eingestuft wird, hat in ihrer mehr als 35 Jahre andauernden Terrorkampagne gegen die Türkei rund 40.000 Menschen getötet, darunter Frauen, Kinder und Säuglinge. Die YPG ist ihr bedeutendster syrischer Ableger.

Dem Bericht zufolge wurden bei den 192 Autobombenanschlägen der YPG in Syrien insgesamt 372 Menschen getötet und 1287 weitere verwundet. Nur 25 Autobombenanschläge der YPG verliefen demnach ohne Opfer, während der Höchststand an Todesopfern im April letzten Jahres mit 42 Verletzten verzeichnet wurde.

Anschläge dienen vor allem dreierlei Zielen

„Der Einsatz von Autobomben ist eine konzertierte Strategie der YPG, seit die Operation Olivenzweig von der Syrischen Nationalen Armee und den türkischen Streitkräften durchgeführt wird“, heißt es in dem Bericht. „Die Strategie der YPG-Terrorismuskampagne zielt darauf ab, Chaos und Unordnung zu schaffen.“

Im Zuge der Operation Olivenzweig war es der türkischen Armee und ihren Verbündeten vor Ort 2018 gelungen, weite Teile des Nordens von Syriens von terroristischen Elementen zu befreien und auf diese Weise Sicherheit und ein menschenwürdiges Leben für die Bewohner zu gewährleisten. Die PKK und ihr Ableger wollten in der Region hingegen einen totalitären Staat schaffen, der zudem ein ruhiges Hinterland für terroristische Aktionen gegen die Türkei herstellen sollte.

Erstens soll die Regierung gezwungen werden, härtere Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen und auf diese Weise die Bevölkerung von sich zu entfremden. Zweitens soll eine Rückkehr syrischer Flüchtlinge verhindert werden, „um die Chance auf einen marxistischen Kurdenstaat in Nordsyrien zu wahren, der sich vom Irak bis zum Mittelmeer erstrecken soll“.

Und schließlich zielt sie darauf ab, den Eindruck zu vermitteln, dass die von ihr beherrschten Gebiete relativ sicherer wären als die Gebiete, die von der syrischen Übergangsregierung gehalten würden.

In dem Bericht heißt es weiter: „Um die Gründe und Motive für die Angriffe der YPG gegen die Gebiete der syrischen Übergangsregierung in Nordsyrien zu verstehen, muss man sich die Gründe für die Angriffe der PKK in der Türkei ansehen.“

Selbstmordattentate in der Türkei

Die beiden Selbstmordattentate der weiblichen YPG-Mitglieder Arin Mirkan und Avesta Khabur hätten sich retrospektiv als bedeutende Ereignisse gezeigt, die auf einen Strategiewechsel der PKK/YPG hingedeutet hätten.

Mirkan hatte sich während der Kämpfe zwischen der YPG und Daesh im Jahr 2014 mit einer Granate in die Luft gesprengt, als sie auf Daesh-Kämpfer zulief. Im Jahr 2018, hatte Avesta Khabur den gleichen Weg gewählt, um sich die Offensive der Syrischen Nationalen Armee und der türkischen Streitkräfte zu stellen. Die Terroristin hatte im Vorfeld eine militärische Stellung infiltriert.

„Vor dem Selbstmordattentat von Mirkan hatte die PKK die Methode des Selbstmordterrorismus seit zwei Jahren nicht mehr angewendet“, heißt es in dem Bericht. "Der letzte Selbstmordanschlag der PKK in der Türkei oder anderswo vor Mirkans Selbstmordattentat wurde am 9. September 2012 verübt. Mit Mirkan hat die PKK jedoch wieder damit begonnen, Methoden des Selbstmordterrorismus und Autobombenanschläge einzusetzen."

Gestützt auf Aussagen verschiedener Nachrichtenagenturen, wonach beide Aktionen in der Terrororganisation und ihrem Umfeld als beispielhafte Anschläge der PKK/YPG gelobt wurden, legt der Bericht dar, dass die PKK zwischen 2014 und 2018 bereits 26 Selbstmordattentate und 51 Autobombenanschläge in der Türkei verübt hatte. Bei diesen Anschlägen seien 45 Soldaten, 62 Polizisten, zwei Dorfschützer und 77 Zivilisten getötet und 149 Soldaten, 260 Polizisten und 617 Zivilisten verletzt worden.

Zudem unterstreicht der Bericht, dass die YPG im Juni 2018 bereits kurz nach dem Selbstmordattentat von Khabur und der erfolgreichen Befreiung von Afrin im Zuge der Operation Olivenzweig damit begann, Autobombenanschläge als Strategie einzusetzen.

Die Türkei zeigte sich allerdings gewarnt und reagierte im eigenen Land robust und erfolgreich: Den Erkenntnissen der Autoren zufolge hat die PKK seit dem Anschlag von Khabur keinen einzigen Terroranschlag mit einer Autobombe, einer Selbstmordweste oder einem Selbstmord-Autobombenanschlag in der Türkei durchgeführt oder durchführen können.

Angriffe auf vertriebene Menschen

Der Bericht fokussiert sich auf Anschläge in Nordsyrien zwischen 2018 und 2021. Die YPG verübt demnach fast alle sechs Tage Bombenanschläge in der Region. „Diese Zeitleiste der Autobombenanschläge hat im Juli 2019 ihren Höhepunkt erreicht. In einem einzigen Monat führte die YPG 18 Autobombenanschläge durch“, heißt es vonseiten der Autoren. Ihre Beobachtungen förderten klar erkennbare Muster zutage:

„Was die geografische Dichte und die geografischen Ziele der Autobombenanschläge betrifft, so fällt zunächst auf, dass sich die Anschläge auf die Gebiete der syrischen Übergangsregierung beschränken, in denen die Syrische Nationalarmee und die türkischen Streitkräfte drei separate Militäroperationen durchgeführt haben.“

Zu den bevorzugten Zielen gehörten demnach die vier Städte Afrin, al-Bab, Ras al-Ain, Azaz und Jarablus. Von den aufgeführten 192 Angriffen richteten sich 177 gegen den zivilen und sozialen Bereich ab. Nur acht richteten sich gegen das Militär, die Polizei oder syrische Beamte, sieben konnten nicht klar zugeordnet werden. Die Anschlagsziele waren regelmäßig Orte mit einer überdurchschnittlichen Dichte an Vertriebenenbevölkerung und Flüchtlingen.

In dem Bericht wird nicht zuletzt die Forderung an die internationalen Medien auf, „Verantwortung zu übernehmen“ und das Weißwaschen der Terrororganisationen zu beenden: „Die YPG ist eine terroristische Gruppe, die Wert auf ihr internationales Image legt und sich mit ihrer Propaganda explizit an die internationalen Medien wendet.“

Bisher hatte sie damit Erfolg: Die internationalen Medien haben die Autobomben gegen die Schwächsten und Verwundbarsten entweder ignoriert oder sie als Taten ohne Täter beschrieben. „Die Medienberichterstattung ohne Benennung der Verantwortlichen oder die Ignoranz der Medien zu diesem Thema hat die YPG ermutigt, ihre Terrorkampagne fortzusetzen“, kritisieren die Autoren.

TRT Deutsch